Skip to content
ERF Plus - Wort zum Tag artwork

ERF Plus - Wort zum Tag

ERF - Der Sinnsender·366 episodes

ChristianityReligionSpiritualityGerman languageDaily devotionalShort episodesBible reflectionStandalone episodesMorning listening

Die tägliche, alltagstaugliche Auslegung eines Bibelverses aus der „Losung“ oder den „Lehrtexten“ der Herrnhuter Brüdergemeine.

Why listen

ERF Plus - Wort zum Tag gives German-speaking listeners a short daily Bible reflection built around the Herrnhuter Losungen and Lehrtexte. Each episode takes one verse, connects it to everyday worries, faith questions, prayer, gratitude, or doubt, and turns it into a compact devotional thought for the day. It is a good fit for Christians who want a brief, steady spiritual rhythm without committing to a long sermon.

Episodes

4 min
Jun 12, 2026
Das Ziel im Blick

Die Bibelstelle Hebräer 12,1-2 – ausgelegt von Silke Stattaus. Es ist viele Jahre her zu DDR-Zeiten. Durch ein kleines – nein, eigentlich ein großes – Wunder bekommen wir die Möglichkeit, einen nagelneuen Trabbi zu kaufen. Ohne zwölf Jahre Wartezeit, wie das damals üblich war. Eine Frau, die uns wohlgesonnen ist, überträgt uns ihre Auto-Anmeldung, weil sie selbst kein Auto mehr braucht.Unsere Freude ist riesig. Allerdings liegt meine Fahrschulprüfung schon einige Zeit zurück. Fahrpraxis habe ich kaum. Also muss ich wieder üben. Im normalen Straßenverkehr klappt das ganz gut. Wenn da nur nicht die vielen Autobahnbaustellen wären. Davor habe ich Respekt. Was ist, wenn ich plötzlich zwischen einem Auto und der Leitplanke fahre? Wenn der Platz eng wird? Wenn ich einen Schlenker mache oder die Spur nicht halten kann?Von dieser Sorge erzähle ich einem guten Freund. Er hört mir aufmerksam zu und gibt mir dann einen einfachen Tipp: „Du wirst keinen Schlenker machen, wenn du dein Ziel im Blick behältst. Schau nicht nach rechts und nicht nach links auf das, was dir Angst macht. Schau nach vorne – und behalte dein Ziel im Auge.“Diese Begegnung liegt inzwischen über vierzig Jahre zurück. Aber bis heute denke ich in engen Baustellen oder schwierigen Verkehrssituationen an diesen Rat: Behalte dein Ziel im Blick.Als ich den heutigen Tagesvers aus der Herrnhuter Losung lese, kommt mir dieser Satz sofort wieder in den Sinn. Er steht im Hebräerbrief und wurde an die Jesusnachfolger im ersten und zweiten Jahrhundert geschrieben.Sie sind entmutigt. Ihr Glaube bringt ihnen Schwierigkeiten ein. Sie werden angefeindet, ausgegrenzt und teilweise sogar gewaltsam verfolgt. Wie sollen sie da zuversichtlich bleiben?Der unbekannte Schreiber gibt ihnen eine klare Orientierung:Schaut nicht auf das, was euch Angst macht. Schaut auf Jesus.„Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus.“Das klingt zunächst einfach. Aber jeder weiß: So leicht ist das nicht. Wer Angst hat, schaut automatisch auf das Problem. Auf das, was eng wird, bedrohlich oder unsicher.Darum erinnert der Hebräerbrief seine Leser an ihr eigentliches Ziel: Jesus. Ihm wollen sie gehören, treu bleiben. Und andere Menschen zu ihm einladen.Doch der Schreiber macht ihnen nichts vor. Der Weg des Glaubens kann anstrengend sein. Er spricht sogar von einem Kampf. Deshalb braucht es Geduld und Ausdauer.Aber er sagt auch: Dieser Weg führt nicht ins Leere. Denn Jesus selbst ist der „Anfänger und Vollender des Glaubens“. Das heißt: Er hat den Glauben in uns begonnen – und er wird ihn auch ans Ziel bringen. Darauf dürfen Christen vertrauen.Wir leben heute in einem Land, in dem wir unseren Glauben frei bekennen dürfen. Wir können uns zu Jesus stellen, ohne Verfolgung fürchten zu müssen. Das ist ein großes Geschenk. Und für mich ein täglicher Grund zur Dankbarkeit.</p

3 min
Jun 11, 2026
Empfangen und Geben

Die Bibelstelle 2. Korinther 9,8 – ausgelegt von Detlef Garbers. Über Geld reden ist in Deutschland nicht einfach. Vor allem wenn es um das eigene Geld geht. In vielen Familien kennt zwar das Finanzamt das Einkommen der Familie, aber untereinander weiß der eine nicht vom anderen, wieviel Geld verdient und wofür es ausgegeben wird. In der Bibel wird sehr häufig über Geld und über den Gebrauch des Geldes gesprochen. Da ist von Armen und Reichen die Rede, von Menschen, die hilfsbedürftig sind und solchen, die im Überfluss leben. Pauschal betrachtet gehört Deutschland zu den reichen Ländern dieser Erde. Wir leben im Überfluss. Bin ich dafür dankbar, dass ich mehr als genug zum Leben habe? Der Apostel Paulus schreibt einen Brief an die Christen in der griechischen Stadt Korinth. Mit dieser Gemeinde ist Paulus eng verbunden. In seinen Briefen erwähnt er, wo es in der Gemeinde überall schiefläuft. Paulus leidet unter dem Hickhack und Neid der Gemeinde. Doch er sieht auch die Chancen, die diese Gemeinde hat. Und diese liegen unter anderem in dem, was die Gemeinde an finanziellen Möglichkeiten besitzt. Viele der Gemeindeglieder in Korinth haben Vermögen im Überfluss. Und dieser Überschuss hat einen Zweck, er soll die Not der anderen lindern. Das bedeutet abzugeben und zu teilen. Deswegen schreibt er: „Gott hat die Macht, euch jede Gabe im Überfluss zu schenken. So habt ihr in jeder Hinsicht und zu jeder Zeit alles, was ihr zum Leben braucht. Und ihr habt immer noch mehr als genug, anderen reichlich Gutes zu tun.“ Sie können das im zweiten Brief an die Korinther im neunten Kapitel Vers acht nachlesen. Gott ist der Geber aller Gaben und er möchte, dass wir das, was wir empfangen haben, mit anderen teilen. Paulus möchte anstiften zum Teilen. Aber er übt keinen Druck aus. Einen fröhlichen Geber, eine fröhliche Geberin hat Gott lieb. Und Paulus schreibt auch, dass wer reichlich gibt, reichlich Segen zurückempfangen wird. An einer anderen Stelle zitiert Paulus Jesus, der sagt: „Geben ist besser als Nehmen“ (Apostelgeschichte 20,35)Wo wird überall Geld benötigt? Da sind Missionare, die finanzielle Unterstützung brauchen, Menschen, die unter Hunger und Naturkatastrophen leiden, Kinder in Not. Besonders wichtig ist es, die Dienste zu unterstützen, die für die Ausbreitung der guten Nachricht von Jesus einstehen wie z.B. der ERF. Wenn es um das Teilen und Spenden geht, stelle ich mir persönlich folgende Frage: „Detlef, willst du See Genezareth oder Totes Meer sein?“ Was meine ich damit?In Israel gibt es zwei große Seen, in beide Seen fließt derselbe Fluss. Es ist der Jordan. Im Norden des Landes fließt der Jordan durch den See Genezareth hinein und wieder hinaus und im Süden fließt er in das Tote Meer, den großen Salzsee, hinein. Der See Genezareth empfängt und gibt wieder Wasser ab. Der Fischreichtum dieses Sees ist weltweit bekannt. Das Tote Meer empfängt, gibt aber nicht ab.

4 min
Jun 10, 2026
Wenn alles zu viel wird …

Die Bibelstelle Josua 1,9 – ausgelegt von Detlef Garbers. „Ich schaffe das nicht.“ „Mir wird alles zu viel.“ Kennen Sie dieses Erleben, dass einem die Arbeit oder Verantwortung über den Kopf wächst? Und mit diesem Gefühl schleicht die Angst in mir hoch, zu versagen oder sogar zusammenzubrechen? Ich kann mich an einige solcher Situationen erinnern. Und auch in der Bibel lese ich von Personen, denen es ähnlich geht. Die Propheten Elia und Jeremia fallen mir ein. Heute würden wir sagen, dass sie in eine Depression geraten sind. Auch Josua ist gefährdet, in so eine Lage hineinzurutschen, denn er steht in einer herausgehobenen Stellung. Er wird zum Nachfolger von Mose bestimmt. Gott beauftragt ihn, das Volk Israel in das gelobte Land Kanaan zu führen und das Land einzunehmen.Angesichts dieser Lage scheint Josua mutlos geworden zu sein. Ist er dazu in der Lage? Ängste mögen hochgekommen sein. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass Gott ihn daran erinnert und sagt: „Habe ich dir nicht geboten: Sei getrost und unverzagt?“ (Josua 1, 9). Mit anderen Worten: „Hast Du vergessen, was ich Dir zugesagt habe. Hab keine Angst. Ich bin bei Dir.“ Und allein in dem ersten Kapitel des Josuabuches, erinnert Gott den Josua viermal daran, keine Angst zu haben, sei mutig und stark.  Was macht Ihnen gerade zu schaffen? Wo haben Sie Ängste oder sind mutlos? Oft steht dabei die Furcht vor Menschen als Pate hinter meiner Mutlosigkeit. Letztere gilt es zu überwinden. Wie kann das geschehen? Das Gebet ist ein Schlüssel dafür. Ich selbst habe erlebt, wie meine gewachsene Angst vor Menschen abfiel, als dafür gebetet wurde. Corrie ten Boom, eine Holländerin, die das KZ im Dritten Reich überlebte, sagte: Mut ist Angst, die gebetet hat. Gott gibt dem Josua Hilfen, damit er mutig seinen Auftrag nachkommt. Sie können diese Hilfen, die Gott ihm gibt, beim Lesen des ersten Kapitels des Josua Buches nachlesen. Dazu können die fünf Finger an ihrer Hand als Gedächtnisstütze dienen, um Ängste zu überwinden.Erstens der Daumen: Halten Sie hoch, wer Sie in Gottes Augen sind. Er hat Sie gewollt, er hat sie geschaffen und sie mit besonderen Gaben ausgestattet.Zweitens der Zeigefinger: Lassen Sie Gottes Wort auf ihr Leben zeigen. Lesen Sie täglich Gottes Wort. Das kann ein kurzer Bibelvers, ein Psalm oder ein ganzes biblisches Buch sein.Drittens der Mittelfinger: Beherzigen Sie das, was sie gelesen haben, setzen Sie eine Sache, die ihnen beim Lesen wichtig geworden ist in die Tat um. Gottes Wort möchte der Mittelpunkt in Ihrem Leben sein. Jesus betont: Wer meine Worte hört und sie tut, der baut sein Leben auf ein festes Fundament.Viertens der Ringfinger: Gott ist der Gott der Bünde. Immer wieder ist er Bündnisse mit Menschen eingegangen. Der Gott, der mit Josua, Elia und auch mit Israel und seiner Gemeinde unterwegs ist, will auch Ihr Gott sein. Als Beweis seiner Treue gilt seine Liebe, die er in Jesus Christu

6 min
Jun 9, 2026
„Haben Sie Durst nach ewigem Leben?“

Die Bibelstelle Jesaja 55,1 – ausgelegt von Gerhard Weinreich. „Durst ist schlimmer als Heimweh!“ Dieses Sprichwort klingt übertrieben, stimmt aber, wenn ich ohne ausreichenden Wasservorrat in der Wüste unterwegs bin! Die Gefahr einer Kreislaufschwäche ist groß. Oder gar einer Fata morgana, einer Sinnestäuschung zu erliegen: Wasser zu sehen und zu hören, das es gar nicht gibt! Vor vielen Jahren machte ich in Israel bei großer Hitze eine Wanderung von Jerusalem hinunter nach Jericho mit. Unterwegs wurden wir ständig gemahnt: „Leute, trinkt, trinkt, trinkt!" Als wir nach viereinhalb Stunden unser Ziel erreichten, stürmten wir den großen Straßenmarkt Jerichos, wo Händler frisches Wasser und auch kalte Coca-Cola feilboten.Eine orientalische Marktszene hatte vielleicht vor 2500 Jahren auch der Prophet vor Augen, der im Namen Gottes zu Beginn von Jesaja 55 ermutigende, aber auch ermahnende Sätze an das Volk Israel richtete.Sein erster Satz ist die heutige Losung der Herrnhuter Brüdergemeine: „Wohlan alle, die durstig seid, kommt her zum Wasser!“Eine freundliche, aber auch unklare Aufforderung. Denn die Stillung rein körperlichen Durstes dürfte der Prophet kaum gemeint haben. Ein Satz des großen russischen Schriftstellers und Menschenkenners Dostojewski hilft vielleicht weiter: „Jeder Mensch braucht jemanden, zu dem er nach Hause kommen kann." Stimmt! Ich sehne mich nach einem Ort, an dem ich wirklich daheim, echt zuhause bin: Geliebt, weil wertgeachtet und wertgeschätzt, angenommen und aufgenommen. Und da ist Gott, der ruft und einlädt: „Kommt her! Her zu mir!" Nicht bloß die Israeliten damals.  Auch Sie und mich heute! Sollten wir nicht alle zu ihm nach Hause kommen? Zumal er sagt: "Ich bin für jeden von Euch lebensnotwendig wie Wasser!“ Warum? Der Durst eurer Seele nach einem erfüllten Leben ist unbezahlbar. Für Geld kann ich ein Haus kaufen, aber keine Geborgenheit! Medizin, aber keine Gesundheit! Maskottchen, aber kein Glück! Sex, aber keine Liebe! Ein Halskreuz, aber keinen Heiland! Für Geld kann ich alles kaufen, doch das Käufliche ist nicht alles! Der Mensch lebt nicht von dem, was er sich leisten kann. Unsere Seele braucht Gott und sein Wort, um innerlich "satt" zu werden. Und ihn, um den es darin geht: Jesus!Und da ist Jesus, das Mensch gewordene Wort Gottes, der ruft und einlädt: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken! “Die Erfrischung, die Jesus schenkt, beschreibt er im Gespräch mit einer samaritischen Frau am Jakobsbrunnen noch genauer: „Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.“ Jesus ist die Erfüllung dessen, was der Prediger Salomo sagte: Nämlich, dass Gott uns Menschen „die Ewigkeit ins Herz gelegt hat!" (Prediger 3,11) Jesus stillt unseren Durst nach etwas Bleibendem, einem endgültigen Daheim und Zuhause im Leb

6 min
Jun 8, 2026
Gottes „Muss“ hat göttliche Ziele!

Die Bibelstelle Apostelgeschichte 27,23-24 – ausgelegt von Gerhard Weinreich. Vielleicht sind Sie eben darüber gestolpert, dass der Engel Gottes zu Paulus sagte: „Du musst vor den Kaiser gestellt werden!“ Und haben sich gefragt: “Gibt es denn so ein göttliches Muss?“ Menschen beklagen sich oft: „Warum musste gerade ich so schwer erkranken?“ Oder: "Warum musste gerade ich so einen herben Verlust erleiden?" Es gibt ähnliche Fragen – meistens ohne Antwort. Ich bekam eine für mich als 25-jähriger Vikar beim ersten Hausbesuch in meiner ersten Gemeinde: einem alten Ehepaar, das in erbärmlichen Verhältnissen lebte! Die Frau klagte mir auch gleich ihre Not: „Wenn unser Sohn noch lebte, ginge es uns jetzt besser! Aber der wurde ja noch kurz vor Kriegsende mit seinem Flugzeug abgeschossen!" Ich versuchte, sie mit Worten der Bibel und des Glaubens zu trösten. Doch sie unterbrach mich bald: „Ach, Sie junger Spund, was verstehen denn Sie vom Leben!“ Daraufhin erzählte ich ihr, dass ich mit „17“ innerhalb von drei Wochen meine Eltern und viele Jahre zuvor meinen einzigen Bruder verloren habe. Sagte ihr, dass ich ohne Gottes Trost und Jesu Hilfe heute nicht bei ihr sitzen würde. Worauf sie zunächst lange schwieg, dann aber sagte: „Herr Vikar, jetzt glaube ich Ihnen auch, was sie mir von Gott und Jesus sagten!“ Im nächsten Moment ging mir auf: "Gerhard, deshalb musstest Du das Sterben dreier geliebter Menschen erleben, damit Du einmal Menschen in ihrer Trauer überhaupt verstehen und dann versuchen kannst, sie zu trösten!“Was für ein Beginn meiner Vikarszeit! Jetzt verstand ich, dass Paulus in einem seiner Briefe schrieb: „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis, damit wir auch trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott.“ Was Paulus von Gott erkannte, mit ihm erlebte und dann seelsorgerlich tun konnte, hat mein Pfarrersleben geprägt. Mich auch den Satz des Philosophen Sören Kierkegaard begreifen lassen: „Verstehen kann man das Leben nur rückwärts!“ Also erst im Rückblick auf finstere Täler oder herbe Einschnitte im Leben: ob sie mir nicht auch eine neue Sicht vom Leben schenken!Ich denke an eine Cousine. Sie lag nach einem komplizierten Wadenbeinbruch wochenlang im Krankenhaus. Als ich sie besuchte, meinte sie: „Was mir bis jetzt enorm wichtig war, wurde mir auf einmal völlig nebensächlich. Und was für mich bisher total unwichtig war, bekam auf einmal einen hohen Stellenwert.“ Doch Sören Kierkegard sagte nicht bloß: „Verstehen kann man das Leben nur rückwarts“ sondern auch: „Leben muss man es aber vorwärts!“ Meine Mutter fiel mir ein, die 13 Jahre nach dem Tod meines Bruders sagte: „Jetzt bin ich über ihn hinweg. Ich suche meinen Jungen nicht mehr 1,60 Meter unter der Erde, sondern oben bei Gott

4 min
Jun 7, 2026
Menschenfischen

Die Bibelstelle Lukas 5,5 – ausgelegt von Hans-Martin Richter. Fischers Fritz fischt frische Fische. Der Zungenbrecher gehört zum Volksgut.Es gibt eine weitere Redensart mit „fischen“, die kein Zungenbrecher – aber erklärungsbedürftig ist: MenschenfischenDieses Wort aus der Bibel bedeutet, die christliche Botschaft auf mutige Weise bekannt zu machen.Das Neue Testament berichtet, wie ein Fischer namens Petrus zu einem Menschenfischer wird. Er sollte Frauen und Männer aus seinem Umfeld in die Gegenwart Gottes ziehen. Sie ließen sich taufen, veränderten ihr Leben und sammelten sich später in christlichen Gemeinden.Der Arbeitsplatz des Petrus war zuerst der heute rund 20km lange See Genezareth. Seine Handwerkszeuge waren Boot und Fischernetz. Sein Erfolg? Er wusste, wo und wann er für reiche Beute die Netze auswerfen musste. Auch wenn er an manchen Tagen trotzdem nichts fing.Einmal forderte ihn der Wanderprediger Jesus auf, sein Fischerboot als Verkündigungsort zur Verfügung zu stellen, als schwimmende Kanzel sozusagen. Petrus willigt ein. Nach der Predigt gibt Jesus, ausgebildeter Zimmermann, Petrus Anweisungen. - Das ist schwierig.Eigentlich ist alles, was Jesus Leuten aufträgt irgendwie schwierig und unmöglich:Einen Zollbeamten fordert er auf, urplötzlich seinen Arbeitsplatz zu verlassen.Blinde sollen sehen, Lahme gehen.Bei einem Sturm auf dem See fordert Jesus diesen Petrus auf, sein Boot zu verlassen und auf dem Wasser zu gehen.Später überträgt Jesus den Auftrag des Menschenfischens an alle seine Nachfolger, die sich heute Christen nennen. Verstehen Sie sich als Christ oder Christin? Dann ist Menschenfischen Ihre Bestimmung. Durch Sie soll der christliche Glaube in Ihrem Umfeld bekannt werden. Ich höre die Stimmen: Das geht nicht, weil … wir zu wenig Zeit, Geld, Kraft und Ideen haben. Ich habe schon so viel erfolglos versucht. Das geht nicht. Auch nicht in unserer Gemeinde oder Kirche.Ein positives Beispiel, wie heute Netze nach dem Wort von Jesus ausgeworfen werden:Alle Familien, die zu einer kleinen Gemeindegründung in Brandenburg kommen, besuchten davor deren Krabbelgruppe. Dort hörten die Kinder und vor allem die Eltern erstmals biblische Geschichten und lernten christliche Lieder. Weil es in der Stadt ein Überangebot an Kita-Plätzen gab, boten alle Kitas plötzlich Krabbelgruppen an. Niemand kam mehr in die christliche Krabbelgruppe in den abgelegenen Stadtteil. Was jetzt?Jesus sagt Petrus: Wirf die Netzte noch einmal aus, entgegen deiner Logik, entgegen deiner Erfahrung. Petrus antwortet: Auf dein Wort hin will ich es wagen. Er ahnt, dass die Worte von Jesus so stark sind wie die Worte von Gott, der bei der Schöpfung der Welt sagt „Es werde“ – und alles passiert so.Und Petrus erlebt, wie sein Fischernetz übervoll wird, dass er im Sturm auf dem Wasser gehalten wird, dass durch Jesu machtvolle Worte Menschen aus festgefa

4 min
Jun 6, 2026
Das Gefühl: Ich bin ausgeliefert

Die Bibelstelle Psalm 138,7 – ausgelegt von Hans-Martin Richter. Kennen Sie das auch? Das Gefühl einer Übermacht ausgeliefert zu sein, die Sie in die Enge treibt? Sie weichen zurück, aber die Gefahr kommt immer näher.Dann spüren Sie plötzlich, dass es nicht mehr weitergeht. Sie stehen mit dem Rücken zur Wand, während die Bedrohung weiter auf Sie zukommt.Die Bibel nennt das Bedrängnis. Martin Luther übersetzte dieses Wort oft mit Angst.Angst kann selbst Auswirkungen auf meinen Körper haben:Wenn das Herz immer schneller schlägt oder sogar in die Hose rutscht.Wenn die Körperhaare sich sträuben und der Atem schneller geht.Angst kann mir manchmal sogar den Schlaf rauben.Die Ursachen sind unterschiedlich. Vielleicht rennt tatsächlich ein wildes Tier auf mich zu, gegen das ich mich nicht wehren kann.Meist sind es aber andere Bedrohungen, die mich in Bedrängnis bringen:Wenn der Arzt sagt, der Tumor sei leider nicht gutartig.Wenn klar wird, dass die Firma keine Zukunft hat.Wenn der Chef von Kündigung spricht.Wenn Kinder Wege gehen, die ich nicht für gut halte.Wenn es in der Ehe kriselt.Wenn die Finanzen nicht mehr ausreichen, um den Lebensunterhalt zu bestreiten.Wenn Zukunftshoffnungen zerplatzen.Wenn meine Ehre und mein Ansehen zerstört wird.Wenn die Kraft nicht mehr ausreicht.Für viele mögen meine Aufzählung eine schlichte Sammlung von Schlagworten sein. Aber wer sie durchleben muss, der weiß, wie die Angst das eigene Leben negativ verändert. Angst soll eine Schutzfunktion sein. Natürlich kann sie auch positive Auswirkungen haben. Aber meist macht sie mein Leben eng und raubt mir den Lebensmut.Was hilft?Ich erinnere mich an eine Nachtwanderung mit Kindern. Vorlaute Jungs wurden plötzlich ganz kleinlaut. Unbekannte Geräusche in der Nacht ließen sie nach der starken Hand des Leiters suchen. Wer jemand kennt, der stärker ist als die Bedrohung, bei dem verändert sich etwas. Die Angst weicht.So hat es wohl vor vielen tausend Jahren ein Beter erlebt, dessen Worte im Buch der Psalmen der Bibel aufgenommen wurden.Ich weiß nicht, was ihm Angst machte.Sein Feedback an Gott will mein Vertrauen stärken, dieselbe Erfahrung zu machen:Wenn ich mitten in der Angst wandle, anders übersetzt: wenn ich mitten durch Gefahren gehe, oder: wenn ich von Not umgeben bin, dann… greift Gott ein. Vielleicht beseitigt er das Problem. Auf alle Fälle verändert er den Blick auf das, was mir Angst einflößt. Gott lässt mich aufatmen.In der Basis-Bibel findet sich die Übersetzung: Wenn ich mitten durch Gefahren gehe, so erhältst du mich am Leben.Der Theologe Helmut Lamparter übersetzte: wenn ich mitten in der Angst wandle, SO ERHÄLTST DU MICH.Und Hans-Joachim Krauss: Muss ich mitten in der Bedrängnis wandle, Du gibst mir Leben.Ich kenne I

3 min
Jun 5, 2026
Jesus ist Jude

Die Bibelstelle Apostelgeschichte 13,23 – ausgelegt von Jutta Schierholz. Shabbat Shalom! Heute ist Samstag. Heute haben unsere jüdischen Mitbürger ihren Ruhetag. Ich freue mich, dass es in unserem Land jüdische Gemeinden gibt. Denn das Judentum ist die Grundlage des Christentums. Jesus ist Jude, ebenso wie Paulus, von dem der Lehrtext der heutigen Losung der Herrnhuter Brüdergemeine stammt. Dieser Vers steht in der Apostelgeschichte, Kapitel 13, Vers 23. Dort steht: „Aus Davids Geschlecht hat Gott, wie er verheißen hat, Jesus kommen lassen als Heiland für das Volk Israel.“Paulus spricht diese Worte im Rahmen eines jüdischen Gottesdienstes in der Synagoge von Antiochia in Syrien. Denn Paulus glaubt, dass Jesus der Messias ist, auf den die Juden seit Alters her warten. Und er ordnet ihn hier in die jüdische Geschichte ein: Jesus steht in einer Linie mit David, dem großen König der Juden.In Jesus ist die Erfüllung dieser alten jüdischen Hoffnung gekommen. Christen gibt es nur, weil es vorher schon Juden gab. Das Alte Testament, also die jüdischen Schriften, bilden die Basis für das Neue Testament. Deswegen verdienen Juden und deren Gemeinden gerade von Christen besonderen Respekt. Und deshalb finde ich es aber auch sehr betrüblich, dass jüdische Gemeinden und Einrichtungen in Deutschland derzeit nicht ohne Polizeischutz auskommen. In Berlin-Kreuzberg und Nord-Neukölln, wo ich arbeite, ist es besonders deutlich, warum das nötig ist. Immer wieder finden hier israelfeindliche Demonstrationen statt. Und in unmittelbarer Nähe des einen Platzes, wo sich oft Demonstranten versammeln, steht aber auch eine Synagoge. Die Synagoge am Fraenkelufer.Mein Pastorenkollege Dietmar Päschel von der Adventgemeinde Hasenheide hat unmittelbar nach dem 7. Oktober 2023 eine Mahnwache vor dieser Synagoge initiiert. Immer freitagabends vor Beginn des Abendgebets versammeln sich Anwohner und Freunde der jüdischen Gemeinde vor der Synagoge und bleiben so lange dort, bis das Gebet in der Synagoge zu Ende ist. Natürlich ist dort auch immer viel Polizei vor Ort, aber diesen Menschen ist es wichtig zu zeigen: „Wir wollen, dass ihr als jüdische Gemeinde hier in Ruhe Gottesdienst feiern könnt. Wir wollen, dass es euch hier gibt, und wir wollen mit dazu beitragen, dass ihr euch hier sicher fühlen könnt.“Diese Mahnwachen finden nun schon seit über zweieinhalb Jahren jeden Freitag statt. Dietmar, der Pastor, ist inzwischen nur noch selten dabei, aber es hat sich inzwischen eine feste nachbarschaftliche Gruppe gebildet, die dort vor der Synagoge zusammenkommt. Neue Freundschaften sind entstanden und es ist immer eine fröhliche Runde, die da zum Plaudern zusammenkommt. Da werden Neuigkeiten ausgetauscht, da werden Verabredungen getroffen, da wird auch viel gelacht und entspannt in den Abend hineingelebt. Ich finde es wunderbar zu sehen, dass der Schutz jüdischen Lebens auch Spaß machen kann. Und dass das auch anregende Impuls

4 min
Jun 4, 2026
Halt auf freier Strecke

Die Bibelstelle Psalm 27,14 – ausgelegt von Jutta Schierholz. Neulich ist es wieder mal passiert. Ich saß im ICE, ich war unterwegs von Berlin in meine Heimat im Südwesten. Wir waren schon mit einiger Verspätung losgefahren, und irgendwo zwischen Erfurt und Fulda blieb der Zug dann einfach auf freier Strecke stehen. Es gab lange keine Durchsage, und so standen wir da, schauten hinaus auf die Wiesenblumen am Waldrand, und wussten nicht, was los war. Irgendwann kam dann doch die Durchsage: die Weiterfahrt verzögert sich, denn die Lokführerin wartet darauf, dass die Zentrale ihr den aktualisierten Fahrplan schickt. Nun gut. Ich hatte in diesem Fall Glück, ich hatte keinen dringenden Termin, der wegen der Verspätung in Gefahr war. Ich hatte ein gutes Buch dabei. Und ich wusste, dass die Deutsche Bahn ihre Züge nicht ewig auf freier Strecke stehen lässt.Nicht alle Zwischenfälle im Leben verlaufen so glimpflich. Manchmal ist die Ungewissheit sehr viel größer, die es auszuhalten gilt. Wenn ich nach einem Arztbesuch auf Ergebnisse warten muss. Weil er etwas gefunden hat, das erst mal untersucht werden muss. Oder wenn das Kind nicht zur verabredeten Zeit nach Hause gekommen ist. Oder wenn im Betrieb plötzlich der wichtigste Geschäftspartner aussteigt und unklar ist, wie es nun mit der Firma weitergeht. Da ist es nicht getan mit dem Satz: „Bitte haben Sie noch etwas Geduld.“ Da muss etwas Stärkeres her, das mir in diesem Moment Kraft gibt.Der Text der heutigen Losung der Herrnhuter Brüdergemeine steht in Psalm 27, Vers 14. Dort steht: „Harre des HERRN! Sei getrost und unverzagt und harre des HERRN!“Ich mag diese wunderbaren alten Wörter hier in der Luther-Übersetzung. „Harren“ ist so ein altes Wort. Es bedeutet Warten, Hoffen, Geduld haben. „Getrost“ sein: Trost zu finden in der Gewissheit, dass Gott ein gutes Ende im Sinn hat. „Unverzagt“ finde ich besonders schön: „Verzagt“ ist jemand, der die Hoffnung verliert, der nur noch schwarz sieht und aufgibt. „Unverzagt“ ist das Gegenteil davon. Aber wo nehme ich die Kraft her, nicht zu verzagen?Der Psalmist David nennt den Grund dafür in dem Text, der diesem Vers vorangeht. Der Vers von heute ist der letzte Vers in einem Loblied auf Gott, in dem David Gott für die eigene Bewahrung dankt. Da schreibt er, in einer modernen Übersetzung: „Denn ich bin gewiss, dass ich am Leben bleiben und sehen werde, wie gütig der Herr ist.“Meine Bahnfahrt wurde dann tatsächlich irgendwann fortgesetzt und ich bin an diesem Tag zwar später als gedacht, aber doch noch gut an meinem Ziel angekommen. Nämlich in meinem Elternhaus. So ähnlich ist es dann auch mit den größeren Wartezeiten, die mir das Leben aufdrückt: Am Ende komme ich sicher ans Ziel. Oft erreiche ich tatsächlich noch rechtzeitig meine Zwischenhalte im Leben. Die Diagnose fällt günstig aus. Das Kind hat bloß bei einem Kumpel übernachtet und vergessen, Bescheid zu sagen. Für die Firma wird rechtzeitig e

4 min
Jun 3, 2026
Nach der Wahl ist vor der Wahl

Die Bibelstelle 5. Mose 30,9 – ausgelegt von Roberto Tappert. Die heutige Losung der Herrnhuter Brüdergemeine ist ein wunderbarer Zuspruch Gottes: „Der HERR, dein Gott, wird dir Glück geben in allen Werken deiner Hände.“ Ich finde sie im 5. Buch Mose, Kapitel 30, Vers 9. Meine Arbeit wird gelingen und ich werde mit meinem Tun erfolgreich sein. Das schafft Zufriedenheit und Wohlstand; ich kann sicher und ruhig leben. Doch mein Alltag sieht oft anders aus. Diese Zusage Gottes schaue ich mir genauer an, um sie richtig einordnen zu können. Denn der zitierte Satz ist nur ein kurzer Ausschnitt aus einer langen Rede Moses. Zuerst und direkt richtet sich dieses Wort an das Volk Israel. Kurz vor seinem Tod hält Mose eine bedeutende Rede an das Volk. 40 Jahre hat er die Israeliten durch die Wüste geführt. Dieser Auftrag, den Gott ihm gegeben hat, geht nun dem Ende zu. Das Volk steht unmittelbar vor der Besiedlung des wunderbaren neuen Landes. Mose weiß, dass er sterben wird und das Volk das Land ohne ihn einnehmen muss. Noch einmal blickt er zurück, aber auch nach vorn. Er erinnert die Menschen an die mächtigen Taten Gottes an ihnen. Doch auch an ihr Versagen, ihre Widerspenstigkeit und Rebellion gegen Gott. Ein Höhepunkt der Ansprache Moses ist die Erinnerung an Gottes Worte: „Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt, dass du das Leben erwählst.“ (Vers 19) Segen oder Fluch – ihr habt die Wahl! Jeder Mensch hat die gleiche Wahl: den Weg zum Leben oder den Weg des Todes zu gehen. Immer wieder haben Menschen den Weg des Fluches gewählt, den Weg ohne Gott. Sie wenden sich von ihm ab oder bestreiten, dass es ihn überhaupt gibt. Sie gehen ihre eigenen Wege und meinen, dass er ihnen doch nichts vorzuschreiben habe. Dennoch muss ich wählen, welchen ich gehen will. Der Weg zum Leben hat einen Namen: Jesus Christus. Jesus betont: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“ (Johannes 14,6)Ich bin froh über Gottes Versprechen, mich zu segnen und zu versorgen. Aber Wohlstand kann auch zum Verhängnis werden. Ich habe alles, was ich brauche. Sogar noch viel mehr. Doch wie ernst nehme ich noch das Gebet „Unser tägliches Brot gib uns heute“? Ich bin dem Herrn dankbar, keine Not zu leiden. Doch gutes Auskommen allein kann nicht glücklich machen. Jesus warnt mich nicht vor Wohlstand und gutem Auskommen. Aber umso mehr vor den Sorgen dieser Welt und dem Betrug des Reichtums. Immer wieder ermahnt mich Gott in der Bibel, den Weg zu wählen, der der beste für mich ist. Jesus nennt es „den schmalen Weg, der ins Leben führt“, und fordert mich zur Entscheidung auf. (Matthäus 7,13.14) Gehe ich lieber den breiten und bequemen Weg, der ins Verderben führt? Ich habe die Wahl! Es ist etwas Schönes, dass Gott uns zusagt, das Werk unserer Hände zu segnen; wenn wir Glück und Erfolg bei unserem Tun haben. Aber wenn ich nur darauf schaue, stehe ich in der Gefahr, das Glück des Lebens dort zu suchen, wo es sc

5 min
Jun 2, 2026
Zweifeln, ohne zu verzweifeln

Die Bibelstelle Lukas 7,22 – ausgelegt von Roberto Tappert. Es gibt Zeiten im Leben, in denen ich verunsichert bin und mich Zweifel überkommen. Dann habe ich mehr Fragen als Antworten. Auch Starke kommen in Situationen, in denen sie schwach sind. Mutige sind nicht immer tapfer, Kluge wissen mal nicht weiter und Heitere sind nicht immer fröhlich. Das geht Christen nicht anders. In meinem Leben gab es Zeiten, in denen meine Fragen unbeantwortet blieben und Zweifel an mir nagten: Bin ich noch auf dem richtigen Weg, der mich zum ewigen Ziel führt? Ist Gott noch bei mir? Interessiert es ihn überhaupt, wie es mir geht? Ist meine Schuld wirklich vergeben? Auch die Sünden, die mir schon mein Leben lang anhängen und die ich einfach nicht losbekomme? Im Zusammenhang mit dem heutigen Lehrtext der Herrnhuter Brüdergemeine wird von Johannes, genannt „der Täufer“, berichtet. Er sendet zwei seiner Mitarbeiter zu Jesus, um zu fragen: „Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?“ Ausgerechnet Johannes, der vom Herrn lange Zeit in der Einöde auf seinen Dienst vorbereitet wurde. Er, dem Gott selbst gezeigt hat, dass Jesus der kommende Erlöser ist. Der den Geist Gottes auf Jesus herabkommen sah und Gottes Stimme hören konnte – gerade er stellt diese Frage. Johannes hat mutig und wirkungsvoll seinen Auftrag erfüllt, das Volk Israel zur Umkehr zu bewegen. Er sollte es auf das Kommen des lange angekündigten Messias vorbereiten. Doch nun saß er im Gefängnis, weil er es gewagt hat, den König auf seine Sünden hinzuweisen. „Jesus gab ihnen zur Antwort:“ – nachzulesen im Lukasevangelium, Kapitel 7, Vers 22 – „Geht zu Johannes und berichtet ihm, was ihr gesehen und gehört habt: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören, Tote werden auferweckt, Armen wird gute Botschaft verkündigt.“Jesus lässt ihm nicht einfach ausrichten: „Ja, ich bin es.“ Das kann jeder von sich behaupten und ist für Johannes keine Hilfe. Als Sohn eines Priesters ist Johannes mit der Heiligen Schrift vertraut. Er kennt die vielen Vorhersagen, die Gott durch seine Propheten über den Messias gegeben hat. Allein im Buch Jesaja findet sich eine Vielzahl von Ankündigungen der Wunder, die der kommende Erlöser tun wird: Blinde sehen, Taube hören, Lahme können gehen, Tote werden auferstehen und Elenden wird gute Botschaft verkündet. Die Jünger des Johannes sind Augenzeugen dieser Zeichen, die Jesus getan hat, und haben ihm davon berichtet. Warum ist Johannes trotzdem verunsichert? Es ist wohl nicht das, was er von Jesus und seinen Taten gehört hat. Eher das, was er nicht über ihn gehört hat! Heißt es nicht auch, dass er die Gefangenen aus dem Gefängnis holen und aus dem Dunkel befreien wird? Doch Johannes sitzt im Kerker; das zehrt an den Kräften. Und die Ankündigung, dass der kommende Erlöser Recht und Ordnung wiederherstellen und eine ewige Herrschaft antreten wird? Doch nun wirkt Jesus nicht einmal in der Königs

5 min
Jun 1, 2026
„Darf‘s ein bisschen mehr sein?“ – Wie Gott mit uns umgeht

Die Bibelstelle Ruth 2,12 – ausgelegt von Monika Scherbaum. „Darf’s ein bisschen mehr sein?“ – diesen Satz höre ich oft beim Metzger. Meist mit einem Lächeln gesagt, leicht, fast nebenbei. Natürlich ist es kein Geschenk, sondern die Frage, ob es ein wenig mehr sein darf, als ich bestellt habe. Und doch hat dieser Satz etwas Freundliches: ein kleines „Mehr“ als notwendig. Ein Wort, das mich an Großzügigkeit erinnert.Mit diesem Gedanken tauche ich in die Geschichte von Ruth ein. Ihr Weg besteht aus einfachen, treuen Schritten: früh aufstehen, hinaus aufs Feld, Ähren sammeln. Harte Arbeit – staubig, unscheinbar, ohne Applaus. Und doch sieht Gott genau ihr Leben und beschenkt sie.Die Losung präsentiert uns den Kern aus Ruth 2,12: „Du bist gekommen zu dem HERRN, dass du unter seinen Flügeln Zuflucht hättest.“ Ein Satz voller Wärme und Nähe.Doch heute darf es ein bisschen mehr sein. Darum hören Sie den ganzen Vers aus Luther 2017: „Der HERR vergelte dir deine Tat, und dein Lohn möge vollkommen sein bei dem HERRN, dem Gott Israels, zu dem du gekommen bist, dass du unter seinen Flügeln Zuflucht hättest.Drei Gedanken dazu:1. Ein bisschen mehr SegenBoas sieht Ruths Weg und spricht dieses Segenswort, es wirkt fast priesterlich. Er rechnet mit Gottes Handeln, Lohn und Zuwendung.2. Ein bisschen mehr BlickGott sieht die Treue, die niemand sieht. Ruth kommt mit leeren Händen, doch mit einem vollen Herzen. Und Boas macht ihr klar: Gott übersieht das nicht.3. Ein bisschen mehr NäheZuflucht unter Gottes Flügeln ist ein zärtliches Bild von Geborgenheit, Schutz und Nähe. Ruth kommt müde und fremd und Gott macht sie zu einer Frau, die unter seinen Flügeln wohnt. Gemeint ist, sie darf ganz bei Gott geborgen sein.Gottes Großzügigkeit zeigt sich bei Ruth im Kleinen: ein Feld, auf dem sie sammeln darf; ein Mann, der sie freundlich behandelt; genug Getreide für den Tag. Hinter all dem steht Gottes liebevolle Hand. Und diese Spur führt weiter zu Jesus: Er gibt nicht nur Brot, er gibt sein Leben. Durch Jesu Sterben und seine Auferstehung schenkt Gott Rettung und Versöhnung.Wer von Gottes Großzügigkeit berührt wird, spürt den Auftrag, sie weiterzugeben – im Blick, im Zuhören, im Dasein für andere. Ruth ist eine Fremde im Land, und sie wird nicht übersehen. Das stellt auch mir die Frage: Wie gehe ich mit Menschen um, die wenig haben, wenig gesehen werden, wenig zählen?Und es kann sein: vielleicht erleben Sie selbst gerade ihr Leben als „Ährenlesen“ – treue, unscheinbare Schritte, die kaum jemand wahrnimmt. Gott sieht sie. Und er lädt Sie ein, heute irgendwo ein kleines „Darf’s ein bisschen mehr sein?“ weiterzugeben: ein bisschen mehr Zeit, ein bisschen mehr Geduld, ein bisschen mehr Liebe.Gott gibt Ihnen die Fülle, aus der Sie leben und er birgt Sie unter seinen Flügeln. Bibellesen unter <a href="https://www.bibleserver.com/" target="_blan

5 min
May 31, 2026
„Was heißt Rühmen?“

Die Bibelstelle Psalm 56,11 – ausgelegt von Monika Scherbaum. Rühmen ist heute kein Alltagswort mehr. Was bedeutet es? Es ist mehr als danken. Es ist ein inneres Ausrichten. Rühmen heißt: bewusst hervorheben, wertschätzen, sich daran festhalten. Und Gottes Wort rühmen meint Gottes Verheißungen ernst nehmen, sie laut bekennen und Gott dafür danken, noch bevor ich die Erfüllung sehe.David wiederholt sich hier nicht zufällig. Wenn er sagt: „Gottes Wort“ und „des HERRN Wort“, betont er: Es ist genau dieser Gott, der sich uns persönlich zuwendet, dessen Wort er rühmt. Nicht irgendeine religiöse Idee, sondern das verlässliche Wort des lebendigen HERRN.Ich frage mich, woher kennt David Gottes Wort? Nun, David hat die Tora, die Geschichten von Gottes Handeln mit Israel. Weiß um den Auszug aus Ägypten, die Verheißungen an sein Volk und persönliche Zusagen, die Gott ihm gegeben hat. Auf diese Worte verlässt sich David. So wie ich mich heute auf die ganze Bibel und auf Jesus als das lebendige Wort Gottes verlasse.Mitten in der Angst richtet David sich neu aus. Nicht auf das, was Menschen ihm antun können. Nicht auf das, was seine Gefühle ihm einflüstern. Sondern auf das, was Gott zugesagt hat.Das ist auch für mich eine sanfte Einladung: Wo brauche ich heute so eine Unterbrechung, um mich neu auf Gottes Wort auszurichten?David rühmt Gottes Wort vermutlich, ohne zu ahnen, wie weit Gott einmal gehen wird. Was er als Zusage hört, wird später Mensch: In Jesus bekommt Gottes Wort ein Gesicht.Das Neue Testament sagt: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns.“ (Johannes 1,14)Alles, was David im Glauben ergreift – Gottes Schutz, Treue und Barmherzigkeit –, wird in Jesus greifbar. In einer Welt voller unsicherer Stimmen lädt Gott mich ein, mein Vertrauen auf den zu setzen, der sein lebendiges Wort ist: Jesus Christus.Er schenkt Vergebung für meine Schuld, neues Leben mitten in meiner Angst und Führung in meinen Fragen. Wenn ich Gottes Wort rühme, rühme ich letztlich Jesus.Im Leben fühlen sich Entscheidungen oft an wie Weggabelungen ohne klare Beschilderung. Bleibe ich im Job oder wage ich etwas Neues? Vertiefe ich eine Beziehung oder lasse ich los? Spreche ich etwas Schwieriges in der Familie, am Arbeitsplatz oder in der Gemeinde ehrlich an – oder schweige ich?In solchen Momenten werden meine Zweifel laut: „Was, wenn du dich irrst? Was, wenn du falsch entscheidest und scheiterst?“Genau hier spricht Psalm 56,11 hinein: „Ich will rühmen Gottes Wort; ich will rühmen des HERRN Wort.“Das ist eine Entscheidung: Ich gebe nicht meinen Ängsten das letzte Wort, sondern Gottes Zusagen.Vielleicht kann ich meine nächsten Entscheidungen einmal ganz anders beginnen: Nicht mit meinen Sorgen. Nicht mit meinen Risiken. Sondern mit Gottes Wort. Zuerst fragen: „Herr, was sagst du über Vertrauen, Mut, Treue, Liebe?“ Und dann beten: „Herr, zeige mir den nächs

3 min
May 30, 2026
Wer bin ich?

Die Bibelstelle Psalm 139,17 – ausgelegt von Eveline Schubert. Wer bin ich? Wer bin ich?! Macht mein Beruf mich aus? Bin ich Kaufmann oder Müllwerker, Lehrerin oder Verkäuferin, Abteilungsleiter oder Friseurin, Studentin oder Schüler? Wer bin ich? Bestimmen mich meine Beziehungen? Bin ich vor allem Sohn oder Tochter, Mutter oder Vater, Freundin oder Kumpel? Wer bin ich?Wichtiger noch als der Beruf und andere Menschen ist das, was Gott über mich denkt. Manchmal erscheint mir Gott weit weg. Doch ich weiß, dieses Empfinden geht an der Wirklichkeit vorbei. Im Alten Testament wird in einem ausführlichen Gebet die Nähe Gottes zu uns Menschen beschrieben. Psalm 139 macht es ganz deutlich: Gott sieht mich, Gott kennt mich, Gott will mich.Psalm 139 beginnt mit den Worten: „HERR, du hast mich erforscht und kennst mich ´ganz genau`. Wenn ich mich setze oder aufstehe – du weißt es; meine Absichten erkennst du schon im Voraus.“ Ja, Gott bringt mir tiefe, liebevolle Aufmerksamkeit entgegen. Gott kennt nicht nur meine Taten, sondern auch meine Gedanken und das, was mich antreibt.Der Beter beschreibt dann, dass es keinen Ort gibt, an dem ich vor Gott fliehen könnte – weder in der Höhe noch in der Tiefe, weder im Licht noch in der Dunkelheit. Das ist Dank Jesus für mich keine Drohung, sondern ein Trost: Egal, wo ich bin oder wie ich mich fühle, Gott ist schon da. Ich bin nicht allein in meiner Angst, meiner Traurigkeit, meinem Zweifel. Dann betet der weiter: „Kunstvoll hast du mich gebildet im Leib meiner Mutter.“ Ja, schon vor meiner Geburt hat Gott mich gesehen. Mein Leben ist kein Zufall, kein Versehen. Jeder Mensch ist von Gott gewollt und mit Würde geschaffen. Das ist die tiefe Überzeugung und das Fundament in meinem Leben. Ich bin von Gott gewollt und geliebt.Am Ende des Psalms staunt der Beter darüber, wie unzählbar Gottes Gedanken über ihn sind. In Psalm 139 Vers 17+18 lese jch:„Wie kostbar sind für mich deine Gedanken, o Gott, es sind unbegreiflich viele! Wollte ich sie zählen, so wären sie zahlreicher als alle Sandkörner ´dieser Welt`.“Das heißt, Gott denkt an seine Menschen – nicht gelegentlich, sondern beständig. Mit Fürsorge, Liebe und Hoffnung.  Der Beter verwendet ein eindrucksvolles Bild, um zu veranschaulichen, wie oft Gott an ihn denkt. Er stellt sich vor, wie viele Sandkörner den Strand bedecken – doch Gottes Gedanken sind noch zahlreicher. Gott hat unbegreiflich viele gute, kostbare Gedanken über mich.Psalm 139 lädt mich ein, den großen Gott anzubeten und meine Gedanken auf ihn zu richten. Bibellesen unter bibleserver.comAutor: Eveline SchubertGerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Arbeit von ERF Plus mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! <a class="btn btn_spenden" href="https://ww

4 min
May 29, 2026
Ein Blick für die Menschen

Die Bibelstelle 2. Chronik 30,18-19 – ausgelegt von Eveline Schubert. Leider wächst Hiskia ohne einen vorbildlichen Vater auf. Hiskias Vater hat zwar den wahren Gott gekannt, sich aber bewusst dafür entschieden, andere Götter zu verehren. Und Hiskias Vater verleitete auch die Menschen in seinem Umfeld, falsche Götter anzubeten. Obwohl Hiskia in seinem Vater kein positives Vorbild findet, handelt Hiskia verantwortungsvoll. Hiskia gebraucht seinen Einfluss, um Menschen zur Verehrung des einen wahren Gottes einzuladen. Als Hiskia 25 Jahre alt ist, wird er König. Er öffnet die lange verschlossenen Türen des Tempels in Jerusalem, damit die Menschen im Haus Gottes wieder beten können. Dann versammelt Hiskia die Priester und die Tempeldiener, die man auch Leviten nennt. Hiskia motiviert sie dazu, persönlich ausschließlich den einen Gott Israels anzubeten und zu lieben und nach seinen Geboten zu leben. Der Tempel soll wieder der Begegnung mit Gott und dem Lob Gottes dienen. Die Priester und Leviten räumen den Tempel 16 Tage lang gründlich auf. Sie entfernen alle Götzenbilder, die sich angesammelt haben und führen den Tempel wieder seiner Bestimmung zu. So lesen wir es im Alten Testament im 2. Chronikbuch, Kapitel 29.Als nächstes versucht Hiskia die Frömmigkeit im Volk zu fördern, indem er die religiösen Feste wieder einführt. Als erstes plant er eine große Feier des Passahfestes, das über 250 Jahre lang nicht mehr so großartig gefeiert worden ist, wie König Salomo es einst tat.Hiskia sendet Boten in alle Teile seines Landes, um die Menschen zum Passahfest einzuladen. Und Hiskia verbindet die Einladung zum Fest mit einer weiteren Einladung: Seine Volksgenossen sollen anders handeln als ihre Eltern, sie sollen Buße tun und nicht mehr den Götzen, sondern dem einen wahren Gott vertrauen.Viele Menschen folgen der Einladung Hiskias und kommen auf dem Tempelgelände zusammen, um das Passahfest zu feiern und damit Gott als ihren Retter zu bekennen. Doch nicht alle Menschen haben sich gemäß der religiösen Vorschriften vorbereitet.Wie geht Hiskia damit um? Soll er mit diesen Menschen schimpfen oder sie gar wegschicken?Hiskia betet bewusst für die Menschen, die sich nicht auf das Passahfest vorbereitet haben.Er betet: “HERR, vergib in deiner Güte jedem, der von ganzem Herzen mit dir, dem Gott seiner Vorfahren, leben will. Vergib ihnen, auch wenn sie sich nicht so gereinigt haben, wie es für dein Heiligtum angemessen wäre!“Hiskia hat einen Blick für die Menschen, deren Herz trotz aller Mängel auf Gott ausgerichtet ist. Hiskia bittet Gott, mehr auf die Aufrichtigkeit der Menschen zu sehen und weniger auf ihre fehlerhafte praktische Festvorbereitung.  Und Gott erhört dieses Gebet. Die Menschen feiern fröhlich und ausgiebig das Passahfest und erneuern damit ihre Verbindung zu dem wahren Gott und auch zueinander. Das gemeinsame Feiern und das gemeinsame Gotteslob führt sie in die Gemeinsch

4 min
May 28, 2026
Aussorgen – wie geht das?

Die Bibelstelle Lukas 12,19-20 – ausgelegt von Martin Knapmeyer. Haben Sie schon ausgesorgt für den Rest Ihres Lebens? Haben Sie Ihr Dasein so organisiert, dass Sie sich keine Sorgen mehr zu machen brauchen und das Leben einfach nur noch genießen können? Jesus erzählt uns von einem Mann, der meinte, er hätte das geschafft. Einem reichen Bauern. Der sieht: Die Ernte von meinen Äckern wird in diesem Jahr sehr gut ausfallen. Ich habe gar nicht genug Platz in meinen Scheunen, um den riesigen Ertrag darin zu lagern. Was soll ich tun? Ich werde meine jetzigen Scheunen abreißen und größere bauen. Darin kann ich dann die Getreidemengen lagern und alles, was mir gehört. Und welche Absicht er mit diesem Plan verbindet, steht in der Fortsetzung der Geschichte – die ist gleichzeitig der Lehrtext der Herrnhuter Brüdergemeine für heute: Der reiche Mensch sprach: „Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut! Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern. Und wem wird dann gehören, was du bereitet hast?“ Lukas 12, Verse 19 und 20.  Jesus stellt uns den reichen Mann als abschreckendes Beispiel vor Augen. Wir sollen nicht so leben wie er. Aber was genau hat er falsch gemacht?Ich kann seinen Wunsch nach einem sorglosen Leben gut nachvollziehen. Und ich vermute: Viele von Ihnen, die heute zuhören, werden sich das auch wünschen: ausgesorgt zu haben; das Leben materiell so abzusichern, dass Sie sich keine Sorgen mehr um das Auskommen zu machen brauchen. Das verleiht mir doch ein gutes, beruhigendes Gefühl, nicht wahr?Jesus erzählt: Gott zerschießt dem Mann seine Sorglos-Strategie. Einfach durch die Ankündigung: Heute Nacht wirst du sterben. Und wem wird dann all das gehören, was du angehäuft hast? Eine Frage, deren Antwort klar ist: „Wer auch immer es bekommt – du jedenfalls nicht. Du verlierst das alles mit deinem Tod.“Gott macht dem Mann klar: So sehr du dich auch mühst auszusorgen, die Sorgen hinter dir zu lassen – du kannst die große Unsicherheit deines Lebens nicht beseitigen. Deine Strategie zerschellt am unerwarteten Tod.Was sollen wir denn besser machen als dieser Mensch, Jesus? Gibt es eine Lebensstrategie, die dem Vergehen des Lebens trotzt? Ja, es gibt sie. Und zu ihr gehört es, über sich selbst hinauszuschauen. Der Mann in der Beispielerzählung kreist um sich selbst. Er spricht nur mit sich selbst: „Was soll ich tun? … Das will ich tun! … und will sagen zu meiner Seele …“ Seine Sorglos-Strategie hat nur mit ihm selbst zu tun und mit seinem Besitz. Davon erhofft er sich alles. Seine Mitmenschen kommen in seinen Überlegungen nicht vor. Menschen, mit denen er den Genuss seiner Güter teilen könnte - das würde sein Leben in einem tieferen Sinne reicher machen. Und auch Gott kommt in seinem Selbstgespräch nicht vor.Aber wie man die Rechnung nicht ohne den Wirt machen sollte,

4 min
May 27, 2026
Auf die Auferweckung hoffen – durch Christus

Die Bibelstelle 1. Korinther 15,20 – ausgelegt von Martin Knapmeyer. Bei einer Umfrage 2023 in Deutschland fragte man Menschen: „Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?“ 43 % antworteten: „Wahrscheinlich nicht“ oder „Auf keinen Fall“. 41 % sagten: „Auf jeden Fall“ oder „Wahrscheinlich schon.“[1] Die übrigen gaben keine Antwort oder sagten: „Weiß nicht“. Fast die Hälfte derer, die auf die Frage eine Antwort gaben, konnten also mit einer Ewigkeitshoffnung etwas anfangen.Interessant wäre es zu erfahren: „Warum glauben Menschen, dass es nach dem Tod weitergeht? Wie begründet sich die Hoffnung von Menschen auf Weiterleben nach dem Tod?“ Das geht aber aus den Umfrage-Ergebnissen nicht hervor. Schade.Ich vermute: Viele meinen: „Es gibt etwas im Menschen, was der Tod nicht zerstören kann.“ Dass der Körper vergeht, ist unbestreitbar – und es wird heute ja bei der Mehrheit der Gestorbenen durch Einäscherung bewusst herbeigeführt. Aber gibt es nicht einen unzerstörbaren Kern im Menschen – oft „Seele“ genannt -, der diese Zerstörung überdauert? Dann würde jeder Mensch automatisch vom Leben in dieser Welt zum ewigen Leben übergehen. Was mit Zeugung und Geburt begonnen hat, würde nach dem Tod weitergehen.„Christus ist auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.“ Das ist der Lehrtext der Brüdergemeine für heute aus dem 1. Korintherbrief, Kapitel 15, Vers 20. Paulus bringt in diesem Satz auf den Punkt, was Christen angesichts des Todes hoffen, und welchen Grund diese Hoffnung hat.Zweierlei finde ich wichtig an Paulus´ Aussage:Erstens schreibt er nicht von einem „Weiterleben nach dem Tod“, sondern von einer Auferweckung. Das ist ein jüdischer Ausdruck – er setzt voraus: In uns Menschen ist nichts, was ewig währt und den Tod überdauert. Darum geht es nach dem Tod auch nicht automatisch weiter. Der Tod ist unser Ende, das müssen wir ernst nehmen. Es muss schon ein anderer her, um einen Neuanfang mit uns zu starten, uns vom Tod aufzuerwecken – einer, der stärker ist als wir und stärker als der Tod. Das kann nur Gott selbst sein, der Schöpfer allen Lebens.Der zweite Punkt: Die Hoffnung auf Auferweckung hat ihren Grund im ersten Auferweckten – das ist Christus. Er ist am Karfreitag gestorben – einen grausamen, schmerzhaften Tod. Aber Gott hat ihn zu Ostern von den Toten auferweckt. Als Ersten überhaupt, dem er ein neues Leben bei sich in der Ewigkeit schenkt. „Erstling unter denen, die entschlafen sind“, nennt Paulus ihn deshalb. Christus ist wie der Auftakt eines wunderbaren neuen Musikstückes, das Gott komponiert hat und zur Aufführung bringt. Auf die eine Note des Auftaktes vom Ostermorgen folgen viele andere Noten, die sich zu einer gewaltigen Ewigkeits-Symphonie aufbauen werden. „Erstling“ ist Christus, weil andere ihm folgen werden – die ihm vertrauen, die sich von ihm die Lebensmelodie vorgeben lassen und in sie einstimmen. Die zieht Jesus mit sich vom Tod in

4 min
May 26, 2026
Ein Loblied auf den Herrn!

Die Bibelstelle 2. Mose 15,11 – ausgelegt von Birgit Wolfram. Als ich im Januar die Anfrage bekam, eine Kurzandacht für den heutigen Tag zu schreiben, hüpfte mein Herz! Warum? Weil dieses Losungswort mich begeistert:HERR, wer ist dir gleich unter den Göttern? Wer ist dir gleich, der so herrlich und heilig ist, schrecklich, löblich und wundertätig?Zuerst dachte ich, das ist ein Vers aus den Psalmen. Aber nein, dieses Lob steht im zweiten Buch Mose, Kapitel 15, Vers 11.Es ist Mose selbst, der so überschwänglich und voller Staunen seinen Herrn lobt!Was hat er und das Volk Israel nicht alles schon mit diesem Gott erlebt:Die schwere Zeit der Sklaverei in Ägypten: auch wenn es den Israeliten damals nicht gut geht, Gott hat immer ein Auge auf sie. (2. Mose 3,9)Dann folgt die Auseinandersetzung mit dem Pharao: 10 Plagen sind notwendig, 10mal der Kampf zwischen den ägyptischen Göttern und dem Gott Israels. (2. Mose 7-11) Und der Gott Israels gewinnt:Herr, wer ist dir gleich unter den Göttern?Anschließend der Durchzug durch das Schilfmeer: Zur rechten Zeit, am rechten Ort teilt Gott das Meer und rettet sein Volk. Die ägyptischen Verfolger kommen dabei um. (2. Mose 14)Wer ist dir gleich, der so herrlich und heilig ist, schrecklich, löblich und wundertätig?Niemand! Gott, du bist unvergleichlich!Mose preist Gott in einer Art und Weise, die fast schon „prophetisch“ einzuordnen ist. Denn dieses: Herr, wer ist dir gleich unter den Göttern?, hat mich an das erste Gebot erinnert, das allerdings erst fünf Kapitel später aufgeschrieben wird:Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. (2. Mose 20)Das ist also ein Lobpreis nach Gottes Herzen! Anders kann ich es nicht beschreiben.Ein Lobpreis nach Gottes Herzen! Das ist auch mein Wunsch. Als Lobpreisleiterin in unserer Gemeinde ist es mir wichtig, Gott die Ehre zu geben mit all den Menschen, die in die Gottesdienste kommen. Mose hat das ja auch nicht allein gemacht: Damals singen er und die Israeliten dem Herrn! (2. Mose 15,1)Herrlich und heilig bist du Herr. Wer vollbringt so große und furchterregende Taten? Wer tut Wunder – so wie du?Voll Dankbarkeit blickt Mose zurück und staunt! Über diesen herrlichen und heiligen Gott.Am liebsten möchte ich mit einstimmen. Und dazu lade ich Sie jetzt ein, dass wir gemeinsam überlegen: Wofür bin ich Gott besonders dankbar? Haben Wunder dabei eine Rolle gespielt? Wie habe ich Gott bisher erlebt?Mose beschreibt seinen Herrn als herrlich und heilig, schrecklich (also furchterregend), als lobenswert und wundertätig. Aber Gott ist noch viel mehr!Es gibt so viele Eigenschaften, die IHN beschreiben. Ich nenne ein paar Beispiele aus der Bibel: G

4 min
May 25, 2026
Habt Geduld mit allen!

Die Bibelstelle 1. Thessalonicher 5,14 – ausgelegt von Birgit Wolfram. Die Kassenschlange beim Aldi ist endlos.                                                                             Heute will gefühlt jeder etwas von mir. Der Pfarrer hört überhaupt nicht mehr auf zu predigen. Und die Kinder trödeln besonders lange.Ich kenne solche Situationen. Wenn ich innerlich immer ungeduldiger werde und nervöser. Wenn der Stresspegel steigt und ich weiß: Wenn es jetzt nicht vorwärts geht, explodiere ich gleich….Es sind ja fast immer Menschen, die nerven. Im Alltag, in der Familie und auch in der Gemeinde. Ich wende dann gerne das erste Hilfe Gebet an: Herr, gib mir Geduld. Und zwar sofort!Um Geduld geht es heute auch bei dem Apostel Paulus. Er schreibt folgendes an die Gemeinde in Thessaloniki:Weist die zurecht, die sich an keine Ordnung halten, ermutigt die Verzagten, steht den Schwachen bei, habt Geduld mit allen!Das ist der Lehrtext der Herrnhuter Brüdergemeinde für den heutigen Tag. Nachzulesen im 1. Thessalonicher Brief Kapitel 5 Vers 14.Habt Geduld mit allen!Wahrscheinlich gab es in dieser Gemeinde ein paar ganz besonders ungeduldige Menschen. Wer ungeduldig ist, steht in der Gefahr lieblos zu werden. Ist oft gereizt oder verfällt in einen Aktionismus, der andere aufregt. Das alles ist nicht sehr hilfreich, wenn ich Menschen auf den rechten Weg bringen will. Oder wenn ich mit Menschen zusammen bin, die vom Leben entmutigt sind. Oder wenn ich genau zu diesen Menschen sage: Jetzt glaub doch mal endlich!Der Apostel Paulus weiß das. Deswegen schreibt er:Habt Geduld mit allen!Geduld bedeutet für mich auch: Nimm dir Zeit.Nimm dir Zeit für den Menschen, der sich schwertut, bestimmte Regeln in der Gemeinde zu akzeptieren. Der vielleicht einfach das tut, was er bisher für sich erkannt hat. Oder der vieles in Frage stellt: Wozu ist das gut? Steht das wirklich so in der Bibel?Nimm dir Zeit für die Menschen, die mutlos sind. Die sich nichts mehr zutrauen. Die Angst haben. Und davon gibt es viele in den Gemeinden. Mir kostet der Umgang mit diesen Menschen Kraft. Im Gespräch habe ich oft den Eindruck, dass sich letzten Endes nicht viel ändert. Ja, wer im seelsorgerlichen Bereich unterwegs ist, braucht viel Geduld. Nimm dir Zeit für den Schwachen. Auch in den Gemeinden sehen viele lieber die Menschen, die stark sind, die sich einbringen. Was aber ist mit den glaubensschwachen Menschen? Die vielleicht einen schweren Schicksalsschlag zu verkraften haben? Und im Moment auf das Gebet und auf die Begleitung der anderen angewiesen sind...Geduld aufzubringen, ist nicht leicht. Sie fällt mir auch nicht in den Schoß. Doch ich kann sie lernen. Im Deutschen sprechen wir von „Geduld üben“. Üben bedeutet: etwas immer wieder zu tun.Und ich darf sie erbitten. Geduld ist eine Frucht des Heiligen Geist

4 min
May 24, 2026
Der Geist kommt. Und plötzlich verstehen die Leute einander!

Die Bibelstelle Apostelgeschichte 2, 5.7.11 – ausgelegt von Jürgen Werth. Wir verstehen einander nicht. Manchmal nicht mal uns selber. Dem österreichisch-amerikanischen Psychologen Paul Watzlawick schreiben viele den Satz zu: „Das Missverständnis ist der Normalfall der Kommunikation.“ Was an der Sprache liegt. Oder an der Kultur. Oder an unseren Persönlichkeiten - oder an allem zusammen.Und was hat das mit Pfingsten zu tun? Passen Sie auf. Ganz viel. Pfingsten nämlich heißt:Der Geist kommt. Und plötzlich verstehen die Leute einander! Der Geist nämlich löst die Zunge und macht sprachfähig. Er öffnet die Ohren und macht hörfähig.Und er schenkt gegenseitiges Verstehen und Verständnis.Die Pfingstgeschichte ist so der Gegenentwurf zu einer anderen großen Geschichte der Bibel, dem Turmbau zu Babel. Die steht im 1. Buch Mose, dem Buch Genesis, in Kapitel 11.Eine Sprache hatten die Menschen damals. Weil sie zum selben Volk gehörten, den Überlebenden der Sintflut. Alle waren sozusagen von Gott aus dem Wasser gezogen worden und lebten nun unter seinem Regenbogen, unter seiner Gnade.Gott war die Mitte ihres Lebenskreises. Alles und alle waren auf ihn bezogen.Bis – ja, bis sie wie Adam und Eva wieder selber Gott sein wollten und damit jeder der Mittelpunkt eines eigenen Lebenskreises. Die Folge: Niemand verstand mehr den anderen.Wer wie Gott sein will, verliert die Beziehung zu Gott. Und er verliert die Beziehung zu den anderen. Weil er will, dass künftig alles auf ihn bezogen ist.Ein Volk gab es bis dahin. Mit einem Gott. Und mit einer Sprache. Danach gab es ungezählte Möchtegern-Götter. Und viele Sprachen. Und die Menschen fingen an, aneinander vorbeizureden …Doch dann kommt Pfingsten!Pfingsten dreht Gott den Spieß um. Er schickt seinen Geist.Zu wem? Zu denen, die Buße tun. Sich taufen lassen. Sich die Sünden vergeben lassen. Zu denen, die wissen, dass sie vor Gott nicht bestehen können. Die bereit sind umzudenken und umzukehren. Die ihn wieder die Mitte ihres Denkens und Handelns sein lassen möchten. Der Geist öffnet ihnen alle Sinne für die Wirklichkeit Gottes. Ihn erkennen sie. Ihm nehmen sie neu in sich auf. Ihm widmen sie neu ihr Leben.Und er öffnet ihre Sinne für die Menschen links und rechts neben sich?Münder und Ohren tun sich neu auf und alle hören und verstehen alle. Später heißt es sogar über die erste Gemeinde, die entsteht: Sie sind ein Herz und eine Seele. Das hat aber leider nicht allzu lange angehalten. Vielleicht, weil sie diesem Geist nicht mehr so richtig Raum gegeben haben.Aber Gott hat nicht aufgegeben seitdem. Jeder Tag kann Pfingsten sein. In unseren Gemeinden. In unseren kleinen und großen Gemeinschaften. In unserem Land. In der Welt. Und solch ein Pfingsten haben wir heute bitter nötig, oder?Also: Bitten wir ihn rein, lassen wir ihn rein, den Geist. Heute und jeden Tag neu. Bibellesen u

4 min
May 23, 2026
Heilger Geist, kehr bei uns aus! O Heilger Geist , kehr bei uns ein!

Die Bibelstelle Apostelgeschichte, 2, 2.4 – ausgelegt von Jürgen Werth. O Heilger Geist, kehr bei uns aus!O Heilger Geist, kehr bei uns ein!Dieses Fest hat es wahrlich nicht leicht bei uns. Fast niemand weiß, was Christen denn da feiern. Entsprechend reimte ein Berliner Privatsender vor Jahren:„Pfingsten - sind die Geschenke am geringsten.“Klar, wir legen nichts unter den Weihnachtsbaum und wir verstecken keine Eier - aber Geschenke am geringsten? Wir erinnern uns an Pfingsten daran, dass Gott uns seinen Geist schenkt. Und das ist nun wirklich nicht wenig. Weihnachten schenkt er uns seinen Sohn. Ostern schenkt er uns das Leben und nun, eben, an Pfingsten seinen Geist.Und was ist das? Oder, anders gefragt, wer ist das, dieser Geist?Im Glaubensbekenntnis bekennen wir uns zum Dreieinen Gott, zum Vater, zum Sohn, zum Geist. Die drei gehören untrennbar zusammen. Alle waren sie schon bei der Schöpfung beteiligt. Schon am Anfang schwebte Gottes Geist über dem Urmeer, erzählt das 1. Buch Buch Mose. Und dann hat der Vater alles durch den Sohn geschaffen, so schreibt Paulus im Brief an die Kolosser. Und durch diesen Sohn besteht alles bis zum Schluss.Ein Gott in drei Wesensarten, in drei Personen. Schwer vorstellbar, zugegeben, aber das Geheimnis des Gottes, zu dem sich die Christenheit bekennt.Der Geist ist dabei am schwersten vorstellbar. Schon die Apostelgeschichte tut sich schwer. Hören Sie noch einmal auf das neutestamentliche Wort, dass der Losung der Herrnhuter Brüdergemeine heute beigegeben wurde.„Es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist.“Brausen und Sturm, auch von Feuerflammen ist später die Rede. Und davon, dass die Menschen plötzlich einander verstanden. Zueinanderfinden durch den Geist. Pfingsten gilt darum als Geburtsstunde der Kirche, der „Gemeinschaft der Heiligen“, wie es im Glaubensbekenntnis heißt.Heißt umgekehrt: Ohne Gottes Geist gibt es keine Kirche, keine Gemeinde, keine Gemeinschaft. Ohne Gottes Geist bleibt jeder für sich. Gottes Geist führt Menschen zueinander.Und wie macht er das?Indem er uns zu Jesus lockt. Indem er Jesus in die Mitte unseres Lebens und unserer Beziehungen setzt. Auf Jesus weist er hin, auf den menschgewordenen Vater. Er tut nichts anderes. Darum nennt ihn Martin Luther einmal augenzwinkernd den „armen Heiligen Geist“. „Weil er ganz allein von Jesus Christus predigen kann und sonst nichts weiß.“Aber wir müssen ihn schon immer neu hereinbitten in unser Leben und in unsere Gemeinschaft. Ihn hereinbitten und hereinlassen. Das sagt die Losung des heutigen Tages: „Macht die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe.“ (Psalm 24,7)Aber kann er das so einfach?Man erzählt sich, dass

3 min
May 22, 2026
Gott, ich verstehe dich nicht!

Die Bibelstelle Hiob 37,5 – ausgelegt von Wolf-Dieter Kretschmer. Ich habe früh gelernt, dass ich darauf achten muss, wer was sagt. Sicher geht es Ihnen ähnlich. Sie wissen, dass das Wort mancher Leute Gewicht hat, während sie auf das von anderen nicht so sehr achten müssen.Warum ist das so? Nun, es kann sein, dass jemand in der Unternehmenshierarchie über mir steht und deshalb weisungsbefugt ist. Zugegebenermaßen ist das die schwächste Form von Autorität, aber sie ist real und deshalb muss ich hinhören. Es kann aber auch sein, dass jemand über große Erfahrung, besondere Fertigkeiten oder Kenntnisse verfügt. Ich tue gut daran, fachkompetenten Menschen zu zuhören, wenn sie über Sachverhalte reden, über die ich wenig weiß.Es gibt aber noch einen weiteren Grund, warum Worte Gewicht haben können. Dieser ist in der Persönlichkeit des Betreffenden zu finden. Ich spüre, dass bei meinem Gegenüber Worte und Taten eine Einheit bilden, weil sie das Ergebnis sorgfältigen Nachdenkens sind.Die Bibel kennt mehrere Persönlichkeiten, auf die diese Beschreibung zutrifft. Eine ist Hiob, jener Mann, dem Schicksalsschläge nahezu alles genommen haben und der trotz großen Leids und Schmerzen an Gott festhält.Gelegentlich kommt die Wahrheit jedoch von unerwarteter Seite. Ein Beispiel dafür ist Elihu, einer von Hiobs Freunden. Der erinnert Hiob an eine schichte Tatsache, nachzulesen im Buch Hiob 37, Vers 5b: Gott tut große Dinge, die wir nicht begreifen.Auch wenn Elihu an anderer Stelle daneben liegt. Hier hat er Recht. Seine Worte sind mehr als theologische Richtigkeiten. Sie erinnern daran: Mein Wissen ist begrenzt. Ich verstehe längst nicht alles. Es gibt eine Wirklichkeit, die ich nicht begreife, weil sie sich mir entzieht.Und genau an dieser Stelle setzen Vertrauen und Glaube ein. Selbst wenn das, was ich erlebt habe, keinen Sinn macht und ich tief enttäuscht bin, so kann ich darauf vertrauen, dass Gott den Überblick nicht verliert. Er ist mit mir und meiner Situation nicht überfordert. Deshalb kann ich mich an die Überzeugung klammern, dass Gott es zutiefst gut mit mir meint. Das gilt auch dann, wenn ich nichts fühle oder mir die Kraft zum Weitermachen fehlt. Bibellesen unter bibleserver.comAutor: Wolf-Dieter KretschmerGerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Arbeit von ERF Plus mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

3 min
May 21, 2026
Ein unfassbares Privileg

Die Bibelstelle Johannes 16,27 – ausgelegt von Wolf-Dieter Kretschmer. „Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance“, heißt es. Und: „Der letzte Eindruck bleibt“.Demnach haben letzte Worte besonderes Gewicht. Sie bleiben in Erinnerung. Es spielt keine Rolle, ob sie auf dem Bahnsteig, vor dem Sicherheitsbereich eines Verkehrsflughafens oder am Krankenbett gesprochen werden. Was zählt, ist das, was gesagt wird.Sehr häufig fallen dann Sätze wie „Pass auf dich auf.“ „Bleib gesund.“ „Melde dich, wenn du gut angekommen bist.“ Oder: „Ich hab dich lieb.“Ist das nicht bemerkenswert? Wenn wir den Eindruck haben, dass es wichtig ist, versichern wir uns gegenseitig unsere Liebe und Zuneigung.Das hat Jesus auch so gehandhabt. Als er wenige Stunden vor seiner Passion ein letztes Mal mit den Jüngern beisammensitzt, erinnert er sie an etwas Wesentliches, als er sagt: Gott selbst, der Vater, hat euch lieb, weil ihr mich liebt und glaubt, dass ich von ihm ausgegangen bin. Johannes 16, Vers 27In dieser schlichten Aussage von Jesus stecken zwei tiefe Wahrheiten:Zunächst einmal bezeichnet Jesus den allmächtigen Schöpfer von Himmel und Erde als Vater. Anders als in der Vorstellung vieler Philosophen jener Zeit ist Gott nicht weit entfernt und desinteressiert an dem, was hier auf der Erde passiert. Er ist auch nicht an einen Aufenthaltsort wie beispielsweise den Jerusalemer Tempel gebunden. Ihm sind Nähe und Beziehung wichtig.Die zweite Wahrheit betrifft Gottes Liebe. Die hat direkt mit Jesus zu tun, der von Gott ausgegangen ist. An anderer Stelle im Johannesevangelium wird Jesus mit den Worten zitiert: Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Kapitel 3, Vers 16.Ich finde das erstaunlich. Jesus versichert den Jüngern, dass Gott sie trotz seiner Größe und Erhabenheit wie ein Vater liebt.Das ermutigt mich. Die Worte Jesu erinnern mich daran, dass ich es mit einem Gott zu tun habe, für den ich nicht unbedeutend bin. Vielmehr ist er mein Vater im Himmel. Durch Jesus Christus kann ich zu ihm kommen und ihn ansprechen. Was für ein Privileg!   Bibellesen unter bibleserver.comAutor: Wolf-Dieter KretschmerGerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Arbeit von ERF Plus mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

5 min
May 20, 2026
Am Ende das Lob

Die Bibelstelle Psalm 150,2 – ausgelegt von Renate Schmidt. Am Ende der Psalmen steht diese Aufforderung zum Lob Gottes; mit schöner Musik, mit Harfen und Posaunen…: „Lobet Gott für seine Taten, lobet ihn in seiner großen Herrlichkeit!“ (Psalm 150,2)Und ich denke daran, wie auch am Ende der Bibel in der Offenbarung so ein Lob Gottes beschrieben ist: am Ende der Welt verbeugen sich Menschen vor dem Lamm auf dem Thron und singen: „Du bist würdig, Lob zu bekommen…“ (z. B. Kapitel 5)Am Ende der Psalmen und am Ende der Welt steht das Lob. Zwischendurch mag ich eher auf Klagen oder Seufzen gestimmt sein. So wie in den Psalmen das ganze bunte Leben drin ist: auch Klage und Trauer und Zweifel – und auch Dank, ja. Aber am Ende das Lob.So erlebe ich es auch bei älteren Christen, die anlässlich eines Geburtstages sagen, wie dankbar sie sind; wie wunderbar ihnen Gott geholfen hat; wie sie nun in der Rückschau über ihr Leben staunen, dass es so schön war. Einfach war es sicher nicht – aber am Ende steht der Dank und das Lob. Genial!Ob das Leben als Christ einfach anders ist – oder ob man es anders ansieht? Eher das Gute sieht?Denn ich erlebe auch das andere: dass Menschen im Alter bitter werden über das Schwere in ihrem Leben; was man ihnen angetan hat.Spannend! Und ich will eigentlich nicht so lange warten mit dem Lob Gottes, bis ich richtig alt bin (äh: wann ist man eigentlich richtig alt?!) – ich will schon jetzt das Loben einüben! Ich tue das gerne am Morgen. Denken Sie jetzt nur nicht, ich sei ein fröhlicher Morgenmensch – aber wenn ich den Sonnenaufgang sehe, dann bin ich oft überwältigt. Soooo schön! Einmal habe ich ein Foto gemacht, wie morgens im Wintergarten meine Katzen auf dem Fensterbrett saßen, schweigend. Die Sonne fing an, ihre Strahlen über die Berge zu werfen – und ich dachte: das ist ein Lobpreisgottesdienst anderer Art: schweigende Anbetung!Die Schönheit der Schöpfung verzaubert mich und steckt mich an: Herr, wie schön hast du das gemacht! Und jeden Morgen neu geht die Sonne auf, ein Wunder, ein Wunder!Ich staune oft – das ist so meine Art. Und dann muss ich meine Freude mit anderen teilen.Neulich erzählte ich einer Bekannten, wie auf dem Gras die Tautropfen bunt glitzerten, wie Juwelen: rot, blau, grün, gelb – und sie sagte „Ja, ja, das ist doch von der Brechung des Lichtes!“ Das war mir auch klar, wie man das physikalisch erklären kann, aber deswegen staune ich doch! Manchen Menschen genügt es offenbar, die Dinge hinzunehmen; dass es halt so ist, wie es ist. Mir genügt das nicht – und Staunen hebt meine Stimmung. Oft, wenn ich anfange zu danken, sehe ich erst das Gute! Ich überlege mir jeden Tag, was gut war – oft nehme ich meine 10 Finger dazu, um aufzuzählen. Und dann hebt sich meine Laune deutlich. Ich sehe nicht nur, was Probleme und Herausforderungen sind – die sehe ich nämlich auch seeehr gut! Und ich bin oft geneigt da

5 min
May 19, 2026
Ich möchte etwas sehen von der Kraft Gottes!

Die Bibelstelle Markus 16,20 – ausgelegt von Renate Schmidt. Die Jünger gehen also los und laden andere ein zu Jesus. Und da passiert was: der Herr wirkt mit ihnen und bekräftigt das Wort durch die mitfolgenden Zeichen. Diese Zeichen werden vorher genannt: Dämonen austreiben, in neuen Sprachen reden, gefährliche Schlangen und tödliches Gift schaden ihnen nicht, Kranke werden gesund … Man konnte damals etwas sehen von der Kraft Gottes!Das macht mich so sehnsüchtig! Oh, ich möchte auch etwas sehen! Bekümmert schaue ich zurück auf meinen aktiven Dienst – und sehe vor allem „Rückbau“: Das Pfarrhaus leer, Gottesdienste reduziert, Yogakurs im Gemeindehaus… Wo ist da Aufbruch, Begeisterung, neues Leben? Fehlanzeige.Ja, ich weiß: es ist eine „Saat auf Hoffnung“, das sagt man immer wieder. Ist das nicht leere Tröstung? Oder sind nur meine Augen blind? Zugegeben: Schlangen und Gift sind nicht mein Problem – das war wohl damals nötig, in einer Welt mit solchen Gefahren. Aber dass Kranke gesund werden – das wünsche ich einigen Menschen meiner Umgebung!Gucke ich vielleicht in die falsche Richtung? Muss ich eher genauer hinsehen?Meine Bekannte Moni hat in unserem Dorf ein Bistro – und sie hat es auf dem Herzen, Frauenfrühstück zu machen. Sie ist patent und gläubig – auch durch eine Lebensgeschichte „mit Kurven“. 17 Frauen sind wir jedes Mal, mehr nicht – aus Platzgründen, und um noch ein Gespräch zum Thema führen zu können. Jedes Mal ist das Frühstück sofort ausgebucht; wir fragen uns manchmal, ob es den – meist älteren – Frauen nur darum geht, einen Vormittag rumzukriegen – oder um Gott näher zu kommen? Keine Ahnung, aber die Frauen kommen gerne, und es ist eine gute Stimmung. Dabei wird jedes Mal zu Beginn und am Ende gebetet, wir singen ein paar Lieder, kommen ins Gespräch über Lebensthemen – neben einem leckeren Frühstück natürlich!Letztes Mal sagte eine Frau beim Verabschieden – mit Sehnsucht in der Stimme: „Ich hätte auch gerne so einen Glauben!“ Ist das nicht schon ein Zeichen, dass eine Heilung in Gange ist – die Heilung eines tiefen Schmerzes, den sie erfahren hat – weil sie ihren Mann verloren hat?Moni und ich sind einfach losgegangen – so wie die Jünger damals. Wir predigen sozusagen „an allen Orten“ – nicht in einer Kirche mit Kanzel, aber an Tischen im Bistro. Sollen wir in Panik kommen, weil nach acht Treffen „noch nichts passiert ist“? Ist es nicht schon Zeichen genug, dass die Frauen gerne kommen – und bei manchen vielleicht eine Sehnsucht wächst nach einem Leben mit Gott?Ja, ich wünschte mir mehr, natürlich! Aber ein Riesentrost ist für mich, was in der Bibel steht: Der Herr wirkte mit ihnen und bekräftigte das Wort: ER wirkt – ER bekräftigt! WIR sind nur losgegangen und haben das getan, was wir auf dem Herzen hatten. Wir sind nur Mitarbeiter Jesu, das entlastet vom Druck des Erfolgs.Das erinnert mich an die erste Zeit mit meinem Mann: Er ist groß und hat lange Beine. Wen

5 min
May 18, 2026
Formbar

Die Bibelstelle Jesaja 64,7 – ausgelegt von Dagmar Janssen. „Herr, du bist doch unser Vater! Wir sind Ton, du bist unser Töpfer, und wir alle sind deiner Hände Werk.“ – (Jesaja 64,7)Diese Erkenntnis formuliert der Prophet Jesaja im Namen des Volkes Gottes. Sie ist eingebettet in dem Bekenntnis, in der Vergangenheit selbstsüchtige Wege gegangen zu sein und die eigene Gerechtigkeit als Maßstab des Handelns genommen zu haben. Israel steht schuldbeladen vor Gott und greift nach des Töpfers Hand, wie nach einem rettenden Strohhalm.Und wer kennt das nicht von sich: Ein falsches Wort, ein Fehler im Job, Streit in der Familie – und schon kommen sie, die leisen Stimmen im Inneren: „Du bist nicht gut genug.“ „Andere kriegen das besser hin.“ Selbstzweifel nagen an mir, oft stärker als ich es mir eingestehen will.Und dann steht da dieser Satz aus der Bibel: Wir sind Ton. Und Gott ist der Töpfer.Das klingt zunächst nach etwas Formlosem, vielleicht sogar Wertlosem. Ton ist weich, verletzlich, leicht zu verformen. Aber genau darin liegt seine Stärke: Ton ist gestaltbar. Er kann etwas werden. Und vor allem: Er ist in den Händen eines Künstlers.Wenn ich mich selbst betrachte, sehe ich oft nur das Unfertige. Die kleinen Risse, die Unebenheiten, das, was noch nicht passt. Und ich fühle mich eher wie ein misslungenes Stück Ton als wie ein gelungenes Kunstwerk. Unser Gehirn ist darauf programmiert, Fehler stärker wahrzunehmen als Gelungenes. Ich erinnere mich länger an Kritik als an Lob. Ich sehe schneller, was fehlt, als das, was da ist.Doch der Blick des Töpfers ist ein anderer.Ein Töpfer sieht nicht nur, was gerade ist. Er sieht, was entstehen kann. Er kennt das Material, seine Möglichkeiten, seine Grenzen. Und er arbeitet geduldig. Schritt für Schritt. Mit Druck – ja, manchmal auch das. Aber nie ohne Ziel, nie ohne Sinn.Wenn ich glaube, ich muss perfekt sein, dann setze ich mich selbst unter einen Druck, der mich eher zerbrechen lässt als wachsen. Der biblische Gedanke ist ein anderer: Du bist nicht dein eigenes Projekt. Du musst dich nicht selbst formen bis zur Perfektion. Du wirst geformt von einem, der dich von Geburt an kennt.Das kann entlasten. Und vielleicht ist genau dieser Gedanke der Schlüssel zu einem gesunden Selbstwert: nicht aus sich selbst heraus perfekt sein zu müssen, sondern sich als gewollt zu verstehen, als bewusst geformt.Das bedeutet nicht, dass alles in meinem Leben glatt läuft. Auch ein Gefäß aus Ton hat seine Spuren, die im Prozess entstehen. Sie gehören dazu. Sie erzählen eine Geschichte. Und vielleicht lerne ich, meine eigenen „Risse“ anders zu sehen: nicht nur als Makel, sondern als Teil dessen, was mich einzigartig macht.Wenn Gott der Töpfer ist, dann ist Ihr Leben kein Zufallsprodukt. Dann sind Sie kein misslungenes Experiment. Dann sind Sie ein Werk in Arbeit – mit Würde, mit Wert, mit einer Form, die vielleicht noch nicht f

5 min
May 17, 2026
Meine Ehre oder Gottes Ehre

Die Bibelstelle Johannes 7,18 – ausgelegt von Dagmar Janssen. „Wer von sich aus redet, sucht die eigene Ehre; wer aber die Ehre dessen sucht, der ihn gesandt hat, der ist glaubwürdig …“ Johannes 7, 18Es ist ein Satz, der unbequem ist. Denn wenn ich ehrlich bin, steckt in mir dieser Wunsch: gesehen zu werden. Anerkannt zu werden. Gelobt zu werden. Gerade dort, wo ich mich engagiere – im Beruf, in der Familie, in der Gemeinde. Vielleicht sogar besonders dort. Denn wer viel gibt, möchte auch wahrgenommen werden.Aber Jesus legt hier den Finger auf einen wunden Punkt: Worum geht es mir wirklich? Suche ich meine eigene Ehre – oder Gottes?Das ist keine einfache Frage. Denn oft vermischt sich beides. Ich tue etwas Gutes – und gleichzeitig freue ich mich, wenn andere es bemerken. Ich diene – und merke doch, wie gut es sich anfühlt, wenn ich dafür Anerkennung bekomme.Ist das etwa schon falsch? Ich glaube: Es ist zunächst einmal menschlich!Aber Jesus lädt mich ein, tiefer zu schauen. Nicht nur auf das, was ich tue, sondern auf das, was mich innerlich dazu antreibt.Woran erkenne ich also, ob ich meine eigene Ehre suche?Vielleicht an meiner Reaktion, wenn die Anerkennung ausbleibt. Bin ich dann enttäuscht? Fühle ich mich gekränkt und ziehe ich mich beleidigt zurück? Oder wenn jemand anderes gelobt wird – kann ich mich mitfreuen? Oder regt sich ein leiser Neid? Diese kleinen inneren Bewegungen können wie ein Spiegel sein. Sie zeigen mir, was in meinem Herzen wichtig ist.Bei all dem geht es Jesus aber nicht darum, mich unter Druck zu setzen. Es geht nicht um Selbstoptimierung oder darum, jede falsche Regung auszumerzen. Es geht um eine neue Ausrichtung. Paulus beschreibt das im Römerbrief so: „Stellt euer ganzes Leben Gott zur Verfügung als ein lebendiges Opfer. Das ist euer wahrer Gottesdienst.“Ein ganzes Leben – nicht nur einzelne fromme Momente. Ein Dienst für Gott, der nicht auf die Bühne beschränkt ist, sondern im Alltag stattfindet: in Gesprächen, Entscheidungen, kleinen Gesten.Ich denke dabei an einen Abend in meiner Gemeinde. Ein Lobpreisabend. Der Raum ist ganz anders als sonst gestaltet. Das Kreuz steht nicht vorne auf der Bühne. Es steht mitten im Raum. Alles ist um das Kreuz herum angeordnet: die Stühle, die Lichter, die Musiker – und wir als Besucher. Niemand steht im Mittelpunkt. Keine Bühne, die den Blick auf sich zieht. Alles richtet sich auf dieses eine Zeichen aus. Jesus - der Gestorbene und Auferstandene steht im Zentrum der Anbetung. Ihm allein gilt die Ehre. Ich habe an diesem Abend etwas verstanden, nicht nur mit dem Kopf, sondern mit dem Herzen: Es geht nicht darum, dass ich im Zentrum stehe. Es geht nicht einmal darum, dass „mein Gottes-Dienst“ im Zentrum steht. Es geht darum, dass Christus im Zentrum steht.Vielleicht ist genau das die Antwort auf die Frage: „Suche ich gerade meine Ehre?“ Nämlich aufzuhören, meine Motivation zu

4 min
May 16, 2026
Aussicht auf Rettung

Die Bibelstelle Psalm 30,4 – ausgelegt von Andrea Hoppstädter. „Rettung in letzter Sekunde.“ In Büchern und Filmen sorgen solche dramatischen Szenen für jede Menge Nervenkitzel. Ein entsprechendes reales Ereignis lässt natürlich den Atem erst recht stocken. Wie gut, wenn es nach einer geglückten Rettung endlich wieder ein Aufatmen gibt.Um eine Rettungsaktion geht es auch in Psalm 30, Vers 4: „HERR, du hast mich heraufgeholt aus dem Totenreich, zum Leben mich zurückgerufen von denen, die hinab zur Grube fuhren.“Aber halt! Ist da die letzte Sekunde nicht schon überschritten? Ist tot nicht tot, und damit alles aus? Wie kann das denn hier gemeint sein? Und in welchem Zusammenhang steht der Vers überhaupt? Psalm 30 ist ein Dankeslied, das David verfasst hat und später zur Einweihung des Tempels gesungen wird. Dabei erinnert sich David auch an einige bedrohliche Situationen, aus denen Gott ihm herausgeholfen hat.  Solches Erleben spiegelt sich auch in anderen Psalmen von David wider. So lese ich in Psalm 40: „Er zog mich aus der grausigen Grube, aus lauter Schmutz und Schlamm, und stellte meine Füße auf einen Fels, dass ich sicher treten kann.“  Und in Psalm 18 lese ich: „Des Totenreichs Bande umfingen mich, und des Todes Stricke überwältigten mich.“ In dieser Angst schrie David zu Gott. Und so erfuhr er, wie es dann einige Verse später heißt: „Er führte mich hinaus ins Weite, er riss mich heraus; denn er hatte Lust zu mir.“ David durchlebte vielfältiges Leid. So spürte er immer wieder Todesschatten über seinem Leben, in äußerer und innerer Not wie Verfolgung, Krankheit, Angst, Trauer, Verzweiflung und manchen anderen Nöten. In einigen Situationen war er dem Tod sehr nahe, aber Gott hat ihn herausgerettet.Auch heute erleben Menschen immer wieder, dass Gott sie herausholt aus Verirrungen und Abstürzen, aus dem Sumpf von finsteren Gedanken, aus Selbstmitleid und Selbstanklage. Wenn auch nicht aus so spektakulären Situationen wie bei David, hat Gott auch mich schon aus manchen Nöten herausgerissen. Und manches, was ich mir anders wünsche und trotzdem tragen muss, wird gemildert, weil die Hoffnung auf die zukünftige Befreiung in mein Leben gepflanzt ist.Die Aussicht auf diese umfassende Rettung schwingt wohl auch in unserem Vers schon mit. Denn Gott lässt nicht nur die Propheten, sondern auch David beim Verfassen seiner Psalmen manchmal Zukünftiges schauen. Wo David selbst nur eine Ahnung haben konnte, wissen Menschen seit dem Neuen Testament mehr. Paulus schreibt im Brief an die Kolosser, im Kapitel 1 Vers 13 und 14: „Er (Gott) hat uns errettet von der Macht der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich seines lieben Sohnes, in dem wir die Erlösung haben, nämlich die Vergebung der Sünden.“ Gott bietet uns durch Jesus die Rettung aus der Trennung von ihm an. Diese Rettung bewahrt vor dem ewigen Verlorensein und schenkt einmal ein endgültiges Aufatmen in Gottes Herrlichkeit.Haben auch S

4 min
May 15, 2026
Hochmut kommt vor dem Fall

Die Bibelstelle 1. Petrus 5,5 – ausgelegt von Andrea Hoppstädter. „An einem Morgen saß ein Rabe mit einem gestohlenen Stück Käse im Schnabel auf einem Ast, wo er in Ruhe seine Beute verzehren wollte.  Zufrieden krächzte der Rabe über seinen Käse. Dies hörte ein vorbeiziehender Fuchs.  Er dachte nach, wie er an den Käse kommen könnte. Endlich hatte er eine hinterlistige Idee.Freundlich begann der Fuchs den Raben zu loben: „Oh Rabe, was bist du für ein wunderbarer Vogel! Wenn dein Gesang ebenso schön ist wie dein Gefieder, dann sollte man dich zum König aller Vögel krönen!“ Das schmeichelte dem Raben und das Herz schlug ihm vor Freude höher. Stolz riss er seinen Schnabel auf und begann zu krächzen. Dabei entfiel ihm das köstliche Stück Käse. Darauf hatte der Fuchs nur gewartet. Schnell schnappte er sich die Beute und machte sich gleich ans Fressen.  Da rief der Rabe empört: „He, das war gemein!“  Doch der Fuchs lachte nur über den törichten Raben.“ – soweit die Fabel.Dumm gelaufen. Ja, der stolze Rabe erlebte nun schmerzlich, was schon das Sprichwort ausdrückt: „Hochmut kommt vor dem Fall“.Obwohl der Fuchs hier böse Absichten hatte, kann aber auch wohlgemeintes Lob einem Menschen in den Kopf steigen. Das heißt nun nicht, dass ich mich nicht über Lob und Anerkennung freuen darf. Natürlich darf ich auf Leistung und Erfolg auch stolz sein, solange daraus nicht Hochmut wird, der mit geschwellter Brust verächtlich auf andere herabschaut.Aber nicht nur Lob von außen kann Hochmut entfachen. Steckt nicht letztlich in jedem Menschen mehr oder weniger das Potenzial zum Hochmut? Der Mensch will hoch hinaus. Der Turmbau zu Babel wurde zum sichtbaren Zeichen dafür.Der Hochmütige überschätzt sich, belügt und betrügt sich selbst. Aber noch schlimmer ist der Keil, der zwischen ihn und seinen Schöpfer getrieben wird. Im 1. Petrusbrief, Kapitel 5, Vers 5 lese ich:„Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.“ Hochmut und Gottes Nähe sind nicht miteinander vereinbar. Der Hochmütige schließt sich selbst von der Gnade aus. Denn schließlich liegt darin der Ursprung der Sünde und Gottentfremdung, die sich seit den ersten Menschen fortpflanzt. Darum ist es Gnade, wenn ich erkenne, wie sehr ich Gott und seine Vergebung brauche, die er mir durch seinen Sohn Jesus anbietet.Jesus erzählt in dem Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner von einer hochmütigen und einer demütigen Haltung vor Gott. Das kann ich im 18. Kapital des Evangeliums von Lukas nachlesen.Folgende beiden Bitten an Jesus können eine Hilfe sein, mich in seinem Licht zu erkennen. Die erste: „HERR, zeige mir, wer ich bin“ und dann die zweite Bitte: „HERR, zeige mir, wer du bist.“ Je mehr ich die Sünde in mir erkenne, dann aber auch seine unverdiente Gnade, desto dankbarer werde ich für seine Rettung aus allem, was mich von Gott trennt. Die Demut, die daraus erwächst, ist das beste Heilmittel gegen Ho

4 min
May 14, 2026
Ja, ich will!

Die Bibelstelle Jeremia 50,5 – ausgelegt von Werner Heise. Ich war junger Familienvater und er schon im Rentenalter, als wir uns kennen lernten. Er fiel mir auf, weil er sich sehr engagierte. Wenn es darum ging, dass die Gemeinde auch außerhalb der Kirchenmauern die gute Nachricht von Jesus bekannt macht, war er dabei. Dass wir mit Gott leben können, weil Jesus die Konsequenzen unserer Abwendung von Gott getragen hat, sollten auch andere hören.Irgendwann erzählte er mir seine Geschichte. Als Kind war er in der Gemeinde aufgewachsen, hatte sich dann aber entschieden, sein eigenes Leben zu leben. Gott war für ihn nur noch eine Erinnerung aus der Kindheit. Von ihm und von den Christen hielt er sich fern. Zum Leidwesen seiner Mutter, die unbeirrt für ihren Sohn betete. Nach ihrem Tod kam es zu einer Wende in seinem Leben. In einem Alter, in dem viele es gemütlicher angehen lassen und das Leben noch ein wenig genießen wollen, setzte er sich dafür ein, dass die gute Nachricht von Jesus weitergesagt wird. Jetzt tat es ihm leid, dass er Gott so viele Jahre vergessen hatte. Die Lebensangebote Gottes ihm gleichgültig gewesen waren.Ähnlich wie er hatten auch viele Israeliten Gott vergessen. Sie hatten die Geschichten gehört, wie Gott an den Vorvätern gehandelt hatte. Aber das war lange her. Warum sollten sie sich heute nach seinen Geboten richten? Sie wussten schon selbst, was zu tun ist, damit es im Leben vorwärts geht. Doch dann kam die Katastrophe: Feindliche Truppen besetzten das Land und die meisten Bewohner mussten ihre Heimat verlassen. Sie wurden gezwungen, ins Exil zu gehen. Eine harte Zeit. Jetzt sehnten sich einzelne danach, wieder Gottesdienst feiern zu können. Aber daran war nicht zu denken. Weder in Jerusalem noch im Exil. Niedergeschlagen und ohne Hoffnung versuchten sie, ihren Alltag zu bewältigen.In dieser Situation lässt Gott ihnen durch den Propheten Jeremia sagen, dass eine Zeit kommen wird, in der sie Gott suchen werden. In der sie einander ermutigen werden, in Beziehung mit ihm zu treten. „Kommt, wir wollen uns dem HERRN zuwenden zu einem ewigen Bund, der nimmermehr vergessen werden soll!“ (Jeremia 50,5)Ihre Vorfahren hatten den Bund, den Gott mit ihnen geschlossen hatte, für selbstverständlich gehalten. Aber ihr Leben war nicht mehr davon geprägt. Das erinnert mich an manche Städte und Dörfer in Europa, in denen Kirchengebäude stehen, zum Teil Jahrhunderte alt. Aber sie werden nicht mehr als Orte des Gebetes und des Hörens auf Gottes Wort genutzt.Ob Sie sich bei Gott festmachen wollen, seine Einladung annehmen, mit ihm zu leben, entscheiden Sie. Vielleicht haben Sie das schon einmal getan. Aber im Lauf der Zeit ist die Beziehung abgekühlt. Die Freundschaft wurde nicht aufgekündigt, nur hören und sehen sie sich nicht mehr.Der Prophet Jeremia sagt voraus, dass es in seinem Volk dazu kommen wird, dass Menschen eine beständige Beziehung mit Gott eingehen

4 min
May 13, 2026
Gott respektvoll begegnen

Die Bibelstelle Sprüche 23,17 – ausgelegt von Werner Heise. Kinder zeigen oft deutlicher als Erwachsene, was sie wirklich interessiert und was nicht. Ob sie gelangweilt etwas mitmachen oder mit Feuereifer dabei sind, ist leicht zu erkennen.Was mich beschäftigt, was mir wichtig ist, nimmt meine Zeit und Energie in Beschlag. Und prägt mich.Das wussten auch schon die Weisen in alttestamentlicher Zeit und mahnten:„Dein Herz eifre nicht gegen die Sünder, sondern jederzeit nach der Furcht des HERRN.“  (Sprüche 23,17) Mit anderen Worten: Sei nicht neidisch auf die, die nicht nach Gott fragen und auf den ersten Blick besser dran sind. Die weiter gekommen sind. Die sich mehr leisten können. Die den besseren Bauplatz bekommen haben und die hübschere Frau oder den hübscheren Mann. Denen man schmeichelt, weil sie Einfluss haben. Sei nicht eifersüchtig auf sie. Das raubt nur Kraft und macht unzufrieden. Ärgere dich nicht über ihre Unmoral. Und verschwende keine Zeit damit, anderen zu erklären, wie verdorben diese Leute sind. Das raubt nur Zeit und trübt den Blick für den, der wirklich wichtig ist. Denn wofür es sich lohnt, Zeit, Kraft und Herzblut einzusetzen, ist: Den lebendigen Gott ernst zu nehmen.Ein fröhliches ‚Guten Morgen’ beim Bäcker oder ein intensives Gespräch mit meinem Kollegen, beides kann sich positiv auf den Tag auswirken. Dabei kommt es nicht darauf an, wie lange wir miteinander reden. Wichtiger scheint mir zu sein, ob ich ihm wirklich zuhöre. Wissen will, wie er die Sache sieht. Ihn ernst nehme und nicht denke, dass ich schon weiß, was zu tun ist.Das gilt auch für die Beziehung zu Gott. Ob und wann ich mir Zeit nehme, zu beten und in der Bibel zu lesen, ob ich ihm zuhöre oder schon zu wissen meine, was dran ist – und was er segnen sollte – sagt auch etwas darüber, wie ernst ich ihn nehme. Ist der Glaube an ihn nur schmückendes Beiwerk in meinem Leben? Das Gebet eine nette Gewohnheit? Oder ist es mir ein Herzensanliegen, mein Leben mit ihm zu teilen?Aus der Mahnung der alttestamentlichen Weisen spricht viel Lebenserfahrung. Ebenso wie menschliche Beziehungen will auch die Beziehung zu Gott gepflegt werden. Täglich neu. Den ganzen Tag. Ein Leben lang. Wenn ich mich mit ihm, seinen Gedanken und Wünschen beschäftige, schützt mich das auch davor, dass ich mich mit unnützen oder zerstörerischen Gedanken -befasse. Statt zu klagen, wie verkommen und dunkel die Welt ist, kann ich mich dem Licht aussetzen. Zu dem beten, der von sich gesagt hat: „Ich bin das Licht der Welt“ (Joh. 8,12). Ihm zuhören. Es ist meine Entscheidung, womit ich mich beschäftige. Was und wer mir wichtig ist. Es wird Segensspuren hinterlassen, wenn ich dem lebendigen Gott ehrfürchtig begegne. Nicht nur, weil es angemessen ist. Auch weil es mir hilft zu unterscheiden, was für mein Leben wichtig und was weniger wichtig ist. Weil ich meine Anliegen dem vortrage, der Menschen und Situationen ändern ka

4 min
May 12, 2026
Geborgen in Gottes Händen

Die Bibelstelle Lukas 23,46 – ausgelegt von Bernhard Berends. Meine Hände sind doch ein Wunderwerk, sehr beweglich, nach allen Seiten hin drehbar. Mit meinen Händen kann ich etwas festhalten, etwas ergreifen. Ich kann sie auch zu Fäusten ballen und damit zuschlagen. Mit meinen Händen kann ich jemanden herunterdrücken und erniedrigen. Ich kann sie auch jemandem hinhalten und ihm helfen, sich aufzurichten. Ich kann auch die Hände formen, um darin etwas aufzubewahren. Mir steht dabei das Bild eines Küken vor Augen, das in der Mulde zweier Hände geborgen ist.Auch im übertragenen Sinn spreche ich von den Händen, so, wenn ich sage: „Ich begebe mich in die Hand eines anderen.“ Das bedeutet dann: Ich vertraue mich diesem Menschen an. Ja, er hat mich dann in der Hand, aber ich vertraue darauf, dass er Gutes für mich tut und bewirkt.Als Jesus am Kreuz hängt, da ruft er: „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände.“ Es sind die letzten Worte des sterbenden Jesus. „Und als er das gesagt hatte, verschied er.“ So lesen wir im Lukasevangelium. Diese Worte stehen im Losungsbuch der Herrnhuter Brüdergemeine.Seinem Tod am Kreuz gingen für Jesus schwere Stunden voraus. Er wurde wie ein Schwerverbrecher behandelt, zum Tode verurteilt und wie ein Terrorist gekreuzigt.In der Bibel wird berichtet: Jesus ergab sich nicht in sein unabänderliches Schicksal. Sein Sterben war auch keine Kapitulation vor der römischen Staatsmacht oder der jüdischen Obrigkeit. In der Bibel wird ausdrücklich betont: Er, der Sohn Gottes, der ohne Sünde ist, er ging diesen Weg ans Kreuz, weil er seinem Vater, weil er Gott gehorcht. Und in der Bibel wird immer wieder betont: Er ging diesen Weg um unsertwillen. Er büßte für unsere Schuld.Als es so weit war, als er merkte, dass sein Leben zu Ende ging, da sprach er dieses Gebet: „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände“. Ganz bewusst legte er sein Leben in Gottes Hände, in die Hände seines himmlischen Vaters. Er wusste: In diesen Händen bin ich gut aufgehoben. Sie bringen mich durch die dunkle Macht des Todes hindurch ins Licht der Ewigkeit.Ich habe als Pastor und Seelsorger gelegentlich Menschen auf der allerletzten Wegstrecke ihres Lebens begleitet. Und es hat mich berührt, wenn sie ihr Leben ganz bewusst dem Herrn über Leben und Tod anvertraut haben. Und ich hoffe, dass ich, wenn meine letzte Stunde bevorsteht, auch so beten kann: „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände.“Ja, und auch am Ende jedes Tages kann und darf ich so beten, wenn ich im Bett liege und den Tag in meinen Gedanken vorbeiziehen lasse. Ich denke an schöne Begegnungen und angenehme Gespräche, auch an Sorgen, die mich bewegen, oder von denen mir erzählt wurde, an das, was ich an dem Tag erreichen und bewältigen konnte. Alles lege ich am Ende des Tages in Gottes Hände zurück. Ja, mein ganzes Leben vertraue ich ihm jetzt an, und ic

5 min
May 11, 2026
Gebet gefragt

Die Bibelstelle Jakobus 5,16 – ausgelegt von Bernhard Berends. „Alles Beten hat nichts genützt“, sagte mir ein Mann. Erst kürzlich war sein Schwager verstorben, mit 48 Jahren nach einem schweren Krebsleiden. „Wir haben so sehr gehofft und gebetet, dass er die Krankheit übersteht und wieder gesund wird, aber es hat alles nichts geholfen“, fuhr mein Gesprächspartner fort.Waren die Gebete wirklich umsonst gewesen? Oder war nicht lange genug oder intensiv genug gebetet worden?An dieses kurze Gespräch dachte ich, als ich über den Bibeltext aus dem Neuen Testament nachdachte, der für heute im Losungsbuch der Herrnhuter Brüdergemeine angegeben ist: „Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.“Waren die Gebete für den krebskranken Mann nicht ernsthaft genug gewesen? Ich hatte schon den Eindruck, dass sehr ernsthaft, ja, inbrünstig, gebetet worden war. Nicht nur seine Familie, auch manche anderen hatten für diesen Mann gebetet, und sie hatten es sehr ernst gemeint.Ich habe im griechischen Urtext nachgelesen. Das Wort, das Luther mit „ernstlich“ übersetzt hat, bedeutet wörtlich: „wirksam, wirkungsvoll“. Sehr treffend finde ich die Übersetzung dieses Satzes in der Neuen Genfer Übersetzung. Dort lese ich: „Das Gebet eines Menschen, der sich nach dem Willen Gottes richtet, ist wirkungsvoll und bringt viel zustande.“Dieser Satz steht am Ende eines Abschnitts im Jakobusbrief, in dem es um das Gebet für Kranke in der Gemeinde geht. Jakobus ermutigt die Leser seines Briefes und auch Sie und mich, alle Anliegen, gerade auch die Bitte für kranke Menschen, im Gebet vor Gott zu bringen.Wenn Jakobus von dem Gerechten spricht, der zu Gott betet, dann meint er nicht etwa einen selbstgerechten Zeitgenossen, sondern einen Menschen, der Gott recht gibt und alles von Gott erwartet. Ja, er darf voller Vertrauen zu Gott beten, alle Anliegen vor ihn bringen und gerade auch für kranke und belastete Mitmenschen beten, vielleicht gerade auch für Menschen, die selbst keine Kraft mehr haben zum Beten. Und ich rechne damit, dass Gott eingreift, dass er den Kranken, für den ich gebetet habe, heilt, dass es ihm besser geht.Doch ich kann eine Besserung nicht erzwingen. Die Bitte aus dem Vaterunser: „Dein Wille geschehe“ begleitet mein Gebet. Ich weiß nicht, warum der eine gesund wird und der andere krank bleibt. Bete ich für einen kranken Menschen, bringe ich ihn vor Gott. Ich blicke von mir selbst weg zu Gott und traue ihm zu, dass er hilft, dass er eingreift.Wenn ich für einen Menschen bete, dann werfe ich gewissermaßen die Sorge um meinen kranken Mitmenschen Gott vor die Füße. Ich traue darauf, dass er hilft. Das Gebet dessen, der vertrauensvoll betet, vermag viel. „Es vermag viel“, das bedeutet ja wohl: Es vermag nicht alles, oder?So lese ich es jedenfalls bei Jakobus. Ja, ich traue Gott alles zu. Gott bleibt der souveräne Herr. Ich schreibe ihm nicht

4 min
May 10, 2026
Lob Gottes sprengt Grenzen

Die Bibelstelle Offenbarung 4,8 – ausgelegt von Sigrun Teßmer. Haben Sie schon mal einen Gottesdienst in einer anderen Sprache erlebt? Mir geht es dann meistens so: Von der Predigt verstehe ich so gut wie nichts. Aber die Lieder gibt es manchmal in verschiedenen Übersetzungen. Oft kenne ich eine Melodie und kann dann erraten, welchen Text die anderen jetzt wohl singen. Aber es ist mehr als ein Ratespiel. Ich fühle mich innerlich verbunden mit meinen Geschwistern, die zwar eine andere Sprache sprechen, aber doch denselben Herrn Jesus Christus anbeten.Ein Text, der in viele Sprachen übersetzt wurde, steht in Offenbarung 4,8:Heilig, heilig, heilig ist Gott der Herr, der Allmächtige, der da war und der da ist und der da kommt.Gewaltige Worte! Es ist ein Blick in Gottes Thronsaal!Was für uns heute der Lehrtext der Herrnhuter Brüdergemeine dieses Tages ist, war für viele Komponisten Grundlage für großartige Werke:Vielen bekannt ist von Franz Schubert das „Heilig, heilig, heilig“ aus der Deutschen Messe. Und Johann Sebastian Bach komponierte ein mehrchöriges „Sanctus“ - was ja auch „heilig“ bedeutet, bloß in Latein.Felix Mendelssohn Bartholdy, Ludwig von Beethoven und viele weitere begnadete Komponisten haben sich von diesen Worten inspirieren lassen. Und nicht nur für Aufführungen, sondern auch für den Gemeindegesang. Am bekanntesten wohl der englische Hymnus von Reginald Heber und John B. Dykes, den es auch in deutscher Übersetzung gibt: „Heilig, heilig, heilig, Gott, dir sei Ehre“.Und auch in unserer Zeit entstehen neue Lieder zum Lob Gottes, immer wieder mit demselben Text.Aufgeschrieben wurden diese Worte von Johannes. Wahrscheinlich einer der zwölf Jünger von Jesus. Er wurde sehr alt und im hohen Alter von den Römern auf die Insel Patmos verbannt - eine Strafinsel für politische Gefangene. Er kam dort hin aufgrund seines Glaubens. Auf der Insel, in der Einöde, erlebte er, wie Gott in besonderer Weise zu ihm sprach. Es war als würde ein Vorhang weggezogen. Johannes schaute direkt in Gottes Welt, in den himmlischen Thronsaal. Dort sah er die Verehrung Gottes. Mit diesen Worten:Heilig, heilig, heilig ist Gott der Herr, der Allmächtige, der da war und der da ist und der da kommt.Es sind drei Aussagen über Gott:Er ist heilig. Er ist allmächtig und: Er ist zeitlos. Eine Vorstellung, die mir als zeitlich begrenztem Menschen schwerfällt. Es ist eine andere Dimension.In diesem Text in der Offenbarung beschreibt der Seher Johannes, was jetzt schon ist. Dieses Lob Gottes, das durch die Jahrhunderte hindurch geht, das in so vielen Ländern der Welt gesungen wird, in alten und modernen Worten und Melodien.Das Besondere ist:Wenn wir als Christen Gott loben und ihn als den Allmächtigen ehren, wenn wir ihn anbeten als den, der immer war und ist und bleibt... - dann tun wir dasselbe wie die himmlischen

4 min
May 9, 2026
Vertrauen ohne wenn und aber

Die Bibelstelle Daniel 3,17.18 – ausgelegt von Sigrun Teßmer. Haben Sie einen richtig guten Freund? Einen, der auch bei Ihnen ist, wenn es richtig brenzlig wird?In der Bibel steht eine Geschichte von drei Freunden. Alle drei sind Juden und leben in einem anderen Land, in Babylonien. Sie halten zusammen. Sie haben es geschafft - trotz Migrationshintergrund - in eine hohe politische Stellung zu kommen. Sie sind vom König hochgeschätzt. Aber es gibt Neider, die versuchen, sie loszuwerden. Sie schlagen dem König vor, ein Bild aufzustellen, das alle anbeten sollen. Und - wer es nicht tut, der soll in einen heißen Ofen geworfen werden. Daran soll man sehen, wer wirklich Respekt vor dem König hat. Wenn dann alles nach Plan läuft, sind sie die drei jüdischen Männer in Kürze los. Denn das wissen sie: Juden beten nur ihren Gott an.Und tatsächlich: Der König meint, das sei eine gute Idee. Und wie vermutet, werfen sich die drei Männer nicht vor dem Bild nieder. Der König lässt sie zu sich rufen und gibt ihnen noch eine Chance. So sagt er: „Werft euch vor dem Bild nieder! Sonst werdet ihr in den glühenden Feuerofen geworfen!“ und er schiebt noch hinterher: „Lasst sehen, wer der Gott ist, der euch aus meiner Hand erretten könnte!“Doch die drei Männer stehen mutig vor ihm und sagen:„Unser Gott, den wir verehren, kann uns erretten aus dem glühenden Feuerofen. Und wenn er's nicht tut, so sollst du dennoch wissen, dass wir deinen Gott nicht ehren und das goldene Bild nicht anbeten werden.“ - Diese Worte der drei Männer stehen im Buch Daniel, Kapitel 3 Verse 17 und 18. Es ist die heutige Tageslosung der Herrnhuter Brüdergemeine.Doch bevor ich anschaue, wie die Geschichte weitergeht, lassen Sie mich einen Moment bei dieser Aussage stehen bleiben. Noch einmal diese Worte der drei Männer: „Unser Gott, den wir verehren, kann uns erretten aus dem glühenden Feuerofen. Und wenn er's nicht tut, so sollst du dennoch wissen, dass wir deinen Gott nicht ehren und das goldene Bild nicht anbeten werden.“Beides ist möglich: Gerettet werden - und: Nicht aus dem Ofen gerettet werden.Ich finde es spannend: Sie vertrauen Gott, sehen aber beide Möglichkeiten.Oft höre ich aus den Erfahrungen verschiedener Menschen, dass sie meinen: Gott hätte doch so vieles anders machen können. Gott hätte doch meine Krankheit verhindern können. Gott hätte doch den frühen Tod eines geliebten Menschen verhindern können. Gott könnte doch dafür sorgen, dass es keine Kriege und Katastrophen mehr gibt.Die drei jüdischen Männer denken anders. Sie sagen: Vielleicht tut Gott ein Wunder. Vielleicht auch nicht. Aber wir halten an ihm fest. Egal, was Gott tut. Wir vertrauen ihm auch in dieser schweren Situation.Ich möchte mir diese Haltung zum Vorbild nehmen.Ich möchte in Situationen, die sich wie ein Feuerofen anfühlen - so auf Gott vertrauen.Tatsächlich hat Gott in der Situation

4 min
May 8, 2026
Getröstet von Gott: Wie Sie selbst zum Trost für andere werden

Die Bibelstelle 2. Korinther 1,4 – ausgelegt von Günter-Helmrich Lotz. Weil unsere Tochter bei der Geburt ganz blau war, kam sie sofort in die Kinderklinik. Als ich sie dort am Brutkasten aufsuchte, konnte ich es an ihren Augen gleich erkennen. Sie hatte das Down-Syndrom. Für uns brach eine Welt zusammen. Am nächsten Morgen musste ich unseren fünfjährigen Sohn in den Kindergarten bringen. Dort wusste man, dass wir ein Baby erwarteten. Ich wurde groß angeguckt. „Wir haben eine Tochter“, sagte ich mit wenig Begeisterung. Ein ‚aber‘ musste ich anfügen, aber sie hat das Down-Syndrom. Kurze Betroffenheit. Dann sagte die Kindergartenleiterin: „Wir haben noch keinen Tag mit unserem Stephan bereut.“ Ihr Stephan hatte ebenso das Down-Syndrom. Dieser eine Satz traf wie ein Blitz in meine dunkle Stimmung. Wenn diese Frau als Betroffene das sagt, dann kann es doch gar nicht so schlimm sein. Dieser eine Satz hat mir Mut und Zuversicht gegeben. Gleichzeitig habe ich gelernt, welch einen Unterschied es ausmacht, ob eine Betroffene spricht oder jemand nur Allgemeinplätze von sich gibt, wie ‚das schaffen sie schon‘ oder ‚diese Kinder sind doch ein Sonnenschein‘.Besonderen Trost brauchten auch bereits die ersten Christen. Sie waren besonderen Anfeindungen ausgesetzt und Verfolgung. Dabei hat der Apostel Paulus festgestellt: Gott tröstet uns in aller unserer Bedrängnis. Wie kann Gott Menschen trösten? Das geschieht oft durch Menschen wie in meinem Fall. Oder es kann ein Bibelwort sein, dass mir neuen Mut macht. Oder im Gebet gewinne ich neue Zuversicht.Das, was Paulus beschreibt, war eine wertvolle Erfahrung für ihn und für viele seiner Mitchristen. Aber eben nicht nur für sie. Das ist das Besondere.Denn Leid zu erfahren und Trost zu empfangen, kann sich noch viel weitreichender auswirken. Der Apostel fährt nämlich fort: damit auch wir trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind‘. Wer Leid und Trost selbst erfahren hat, besitzt eine Voraussetzung, andere in ihrer Not zu trösten, wie es ein Unbeteiligter kaum vermag.Von daher beinhalten die Worte des Apostels eine zweifache Herausforderung. Wenn er sagt, dass Gott uns tröstet in aller unserer Bedrängnis, dann ist unser Vertrauen gefragt. Wir brauchen die Erwartung nicht aufgeben, dass Gottes Trost uns auch heute in einer scheinbar trostlosen Situation erreichen will. Nicht zu Unrecht nennt Paulus Gott, den Gott allen Trostes.Die zweite Herausforderung besteht darin, dass die Trosterfahrung durch Gott eine Befähigung bedeutet. Leiderfahrung macht sensibel für das Leid anderer. Und wer das Leid anderer wahrnimmt, das dem eigenen ähnelt, der kann als Betroffener Mut machen und aufrichten - so wie es die Kindergartenleiterin damals bei mir getan hat. Und sie lag nicht falsch. Ihre Ermutigung hat durchgetragen und sich bestätigt.Gott tröstet auf vielfältige Weise und macht aus Getrösteten Tröster. Beides ist gefragt. Bibellesen unter <a href="https://w

3 min
May 7, 2026
Preis der Freiheit

Die Bibelstelle Matthäus 28,18 – ausgelegt von Günter-Helmrich Lotz. „Ja, die Welt ist dunkel. Nur ja die Ohren nicht hängen lassen! Nie! Denn es wird regiert, nicht nur in Moskau oder in Washington oder in Peking, sondern von ganz oben, vom Himmel her.“Diese Worte hat Karl Barth 1968 am Vorabend seines Todes hinterlassen. Einer der bedeutendsten Theologen des 20. Jahrhunderts.Es wird regiert vom Himmel her. Damit bestätigt er, was Jesus gesagt hat: „Mir ist gegeben, alle Gewalt im Himmel und auf Erden.“ Aber wie sieht es auf dieser Erde aus?Es stimmt. Es wird regiert in Moskau, Washington, Peking bis heute. Und vor jedem dieser Machtzentren zittern jeweils die anderen.Dabei zittern weltweit unzählige Menschen mit und leben zunehmend in Ängsten. Aber wo wird vom Himmel her regiert? Bei all der Grausamkeit und dem Elend auf der Welt stellt sich für viele die Frage: warum lässt Gott das zu? Und manche beschweren sich nicht nur über Gott, sie sind wütend auf ihn. Wo wird denn vom Himmel her regiert? Wenn Jesus alle Macht hat, warum rührt er dann scheinbar keinen Finger?Ich habe darauf keine Antwort. Ich weiß nur, wenn Gott alles Böse auf dieser Welt verhindern sollte, müsste er auch mir in den Arm fallen, damit ich mich nicht irgendwo vergreife. Er müsste mir über den Mund fahren, wenn ich dabei bin, andere mit meinen Worten zu verletzen.Da wir freie Menschen sind, haben wir auch die Möglichkeit, unsere Freiheit zum Bösen zu missbrauchen. Das ist der Preis der Freiheit.Und dennoch, Karl Barth war überzeugt, es wird nicht immer so bleiben. Bei allem, was wir Menschen anstellen, es gibt noch eine Stelle, die allem übergeordnet ist. Gott wird dem Bösen ein Ende setzen. Es kommt der Tag, wo seine Regierung vom Himmel her sich durchsetzt.Deshalb das Vermächtnis von Karl Barth: Nur ja die Ohren nicht hängen lassen! Auch wenn es einen langen Atem braucht.Dabei hat Jesus selbst angekündigt, dass sich gegen Ende der Zeit die Krisen häufen. Aber das soll uns nicht ängstigen oder uns resignieren lassen. Vielmehr hat Jesus aufgefordert: „Ihr sollt euch aufrichten und euren Kopf heben, wenn das alles beginnt: Eure Erlösung kommt bald!“ Er wird also seine Macht auf dieser Erde zu seiner Zeit erweisen. Daher gilt, Kopf hoch statt die Ohren hängen zu lassen.Dann kann sich die Wut gegen Gott verwandeln in Mut wegen Gott. Denn dass Jesus alle Macht hat auf dieser Erde, das wird sich zeigen. So wie es die Losung für dieses Jahr in Aussicht stellt: Siehe, ich mache alles neu. Bibellesen unter bibleserver.comAutor: Günter-Helmrich LotzGerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Arbeit von ERF Plus mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! <a class="btn btn_spenden" href="https://www.erf.de/online-spend

4 min
May 6, 2026
In der Stille angekommen

Die Bibelstelle Markus 1,35 – ausgelegt von Matthias Rapsch. Ich bin mit vielen Familien auf einer Freizeit am Bodensee unterwegs. Zeit zum Runterkommen, Entspannen und Auftanken, noch dazu in einer traumhaften Gegend. Doch nicht für alle. Einer der Teilnehmer ist ständig mit seiner Firma in Kontakt. Die Arbeit lässt ihn auch im Urlaub nicht zur Ruhe kommen. Völlig gestresst tut er mir richtig leid.Geht es mir an manchen Tagen nicht ähnlich wie diesem gestressten Manager? Ich komme mir wie in einem Hamsterrad vor, das sich schneller und schneller dreht. Ich habe keine Zeit mehr, in Ruhe über mein Leben nachzudenken. Ich fühle mich leer und ausgebrannt. Neulich sagt mir jemand: ich lebe nicht mehr selbst, sondern werde gelebt. Gibt es einen Ausweg? Jesus ist als Sohn Gottes noch ganz anders gefordert. Die Menschen spüren: da hat einer was zu sagen. Seine Worte öffnen uns den Horizont. Er schenkt uns Glauben, Liebe und Hoffnung. Wenn er spricht, dann geschieht etwas. Kranke werden gesund und dunkle Mächte und Geister müssen weichen. Aus dieser Kraft kann Jesus nur wirken, wenn er sie in der Einsamkeit und Stille bei seinem Vater holt.Deshalb heißt es im Markusevangelium: „Am Morgen noch vor Tage, stand Jesus auf und ging hinaus. Und er ging an eine einsame Stätte und betete dort“ (Markus 1,35).Trotz eines arbeitsreichen Abends steht Jesus früh auf und geht an eine einsame Stätte, um zu beten. Das tut Jesus im Laufe seiner öffentlichen Wirksamkeit immer wieder. Ich treffe ihn auf dem Berg der Verklärung oder im Garten Gethsemane. Bevor die Herausforderungen und der Alltag über ihn hereinbrechen, sucht er die Stille und das Gespräch mit seinem himmlischen Vater. Im Gebet werden die Weichen gestellt, kann die Seele neu Kraft schöpfen und reifen Entscheidungen heran. Darin kann Jesus zum Vorbild werden.Auch Sie sind eingeladen, das Gespräch mit Ihrem himmlischen Vater zu suchen. Die Bibel nennt das Gebet. Jesus redet durch sein lebendiges Wort in der Bibel zu Ihnen und mir. Durch seinen Heiligen Geist öffnet Jesus das Schriftwort und ich erkenne ihn. So werde ich gestärkt, vor falschen Wegen bewahrt und empfange neu Orientierung auf meinem Lebens- und Glaubensweg. Probieren Sie es doch einmal aus und stellen Sie sich den Wecker eine halbe Stunde eher. Vielleicht gehen Sie deshalb auch abends lieber eine halbe Stunde eher ins Bett. Dann stellen Sie sich z. B. eine gute Tasse Kaffee oder Tee bereit, nehmen Ihre Bibel zur Hand mit einem hilfreichen Bibelleseplan oder sie lesen einmal nacheinander ein ganzes Evangelium oder einen Brief. Beten Sie zu Beginn: Herr, wecke mir das Ohr, dass ich höre, wie ein Jünger hört und weise mir, Herr, deinen Weg. Dann lesen Sie den Bibelabschnitt am besten halblaut, hören und sinnen darüber nach. Ich bin mir sicher, dass sie wunderbare Entdeckungen machen, Schätze heben und neue Kraft für den Alltag schöpfen.Dann geht es Ihnen vielleicht so wie einem Ju

4 min
May 5, 2026
Echter Trost

Die Bibelstelle Jeremia 31,9 – ausgelegt von Matthias Rapsch. 33 Bergleute sind infolge eines Bergschlages 700 m unter der Erde in einer Grube eingeschlossen. Bei einer Probebohrung sind Klopfzeichen zu hören. Man beginnt mit einer Rettungsbohrung und nach 69 Tagen können alle Bergleute gerettet werden. Als sie das Licht wieder erblicken und ihre Liebsten in die Arme schließen können, ist die Freude und Dankbarkeit über das wieder geschenkte Leben und die Befreiung groß. Diese Rettungsaktion ist als das Wunder von Chile in die Geschichte eingegangen.Das Volk Gottes – Israel – ist auch immer wieder eingeschlossen und gefangen. Nicht durch einen Bergsturz, sondern durch andere Völker. Sie sind nicht bereit, auf Gottes Wort zu hören und danach zu handeln, obwohl sich Propheten den Mund fusselig reden. Der Prophet Jeremia ist beauftragt, sein Volk zu neuem Glauben und Vertrauen zu Gott und seinen Geboten einzuladen. Doch dann sieht auch Jeremia mit an, dass das alles nichts fruchtet. Die feindlichen Babylonier stehen vor Jerusalem und zerstören es. Ein Großteil der Bevölkerung wird in die Gefangenschaft geführt. Doch das bedeutet nicht das Ende. Gott erneuert seinen Bund, den er mit den Israeliten geschlossen hat. Er ist treu und wird sie aus der Gefangenschaft in Babylon herausführen.Im Jeremiabuch heißt es: „Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten. Ich will sie zu Wasserbächen führen auf ebenem Wege, auf dem sie nicht straucheln: denn ich bin Israels Vater.“ Diese Zusage hat sich in der Geschichte Israels immer wieder erfüllt: der Perserкönig Kyros besiegt die Babylonier und lässt die Israeliten wieder nach Hause ziehen. Sie dürfen ihre Stadt Jerusalem und den Tempel wieder aufbauen. Ein großes Zeichen ist die Staatsgründung Israels 1948 nach fast zwei Jahrtausenden, die nach dem Aufbau und dem Leben in Israel die erneute Zerstreuung 70 n. Chr. umfassen.Gott nimmt sich seines geliebten Volkes immer wieder an. Wie ein Vater und ein guter Hirte tröstet er sie und leitet sie in gutes und weites Land. Er ebnet die Wege und schenkt frisches lebendiges Wasser. Auf besondere und einmalige Weise wird er sich durch Jesus allen Menschen und seinem Volk Israel annehmen.Der lebendige Gott hat sich sein Liebstes aus dem Herzen gerissen, seinen Sohn Jesus auf diese Erde gesandt, der von sich sagt: Ich bin der gute Hirte. Er hat auch ihr Leben mit allen Höhen und Tiefen geteilt. Jesus hat Worte gesprochen, die Menschen magnetisch angezogen haben, er hat Kranke geheilt und Kinder gesegnet, er hat Arme reich gemacht. Ja, er ist am Ende seiner irdischen Wirksamkeit ganz hinunter in unsere Grube des Todes und der Schuld hinabgestiegen, aus der wir uns nicht selbst befreien können. Am Kreuz auf Golgatha hat er für uns den Sieg errungen. Dort und nur dort holt er uns aus der Dunkelheit ins Licht, aus dem Tod ins Leben. Dort werden wir versöhnt mit Gott und den Menschen, und zwar auf Z

4 min
May 4, 2026
Bekehrung geschieht durch Gottes Schöpferkraft

Die Bibelstelle 2. Korinther 4,6 – ausgelegt von Wilhelm Schneider. Was geschah bei der Schöpfung? Was hat Gott da getan?Unser Bibelvers aus dem 2. Korintherbrief gibt hierauf eine Antwort: Gott hat gesprochen, Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten. Gott hat das Licht geschaffen. Er hat alles aus dem Nichts geschaffen.Aber was hat das mit dem zu tun, was Paulus hier sagt? Vorher hat er in seinem Brief an die Christen in Korinth davon gesprochen, dass sie immer die Wahrheit sagen, wenn sie mit Menschen über Jesus sprechen. Sie versuchen nicht, die Menschen mit Tricks zu überreden. Paulus spricht davon, dass Gottes Evangelium verdeckt ist, verdeckt für die, die nicht glauben. Sie werden nicht verstehen, was Gott von ihnen will.Und dann sagt er: „Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi.“ (2. Korinther 4,6)Was ist passiert, als ich zum Glauben an Jesus Christus kam? Etwas Unglaubliches. Gott hat es in meinem Herzen licht werden lassen. Wie? Gott ist der Allmächtige, er kann etwas aus dem Nichts erschaffen. Paulus zitiert hier aus 1. Mose 1,3, wo steht: Gott sprach, es werde Licht!Genauso wie Gott damals bei der Schöpfung das Licht in der völligen Finsternis geschaffen hat, aus dem Nichts, so hat er Licht in meinem Herzen geschaffen. Licht wozu?Licht, damit mir nicht mehr verdeckt ist, was Gott will, was er in seinem Evangelium, seiner Guten Nachricht, sagt. Nämlich, dass er mir vergeben will, dass Jesus für mich gestorben ist, dass er vom Tod auferstanden ist, ja, tatsächlich, und ich durch ihn das ewige Leben habe.Es ist ein heller Schein, der Gott verherrlicht. Der zeigt, wie herrlich Jesus ist. Diese Herrlichkeit ist eben gerade nicht meine Herrlichkeit. Es ist immer Gottes Herrlichkeit, die Herrlichkeit von Jesus, die in seinem Angesicht zu sehen ist.Es brauchte Gottes Macht als Schöpfer, um mich zu retten. Diese Decke, dieses Verborgensein von Gottes Botschaft für mich, musste von ihm selbst entfernt werden.Dieser Schein, den Gott in mein Herz gegeben hat, soll auch für andere leuchten. Er soll für andere ein Wegweiser zu Jesus Christus sein. Dieses Licht treibt mich dazu, Jesus nachzufolgen, ihm alles zu geben, mein ganzes Leben.Paulus reiste durch die ganze damals bekannte Welt und erzählte allen Menschen von Jesus. Paulus hatte wortwörtlich ein Licht vom Himmel gesehen, das ihn umstrahlte und sein ganzes Leben umkrempelte, als Gott ihn damals vor Damaskus die Augen für Jesus öffnete.Vielen ist es ähnlich ergangen. Menschen, die völlig kaputt waren, suchtkrank, kriminell, gescheiterte Existenzen, haben erlebt, dass Gott neu macht. Sie haben erlebt, dass Gott es in ihrem Herzen licht werden lässt, dass sie Jesus gehören und

4 min
May 3, 2026
Gott hilft durch

Die Bibelstelle Psalm 68,20 – ausgelegt von Wilhelm Schneider. „Wie geht es Ihnen?“ Das ist eine interessante Frage, aber sie ist auch alltäglich. Es ist eine gewöhnliche Frage, die ich so nebenbei stelle.Ich frage einmal genauer: Was läuft in Ihrem Leben gut, was läuft schlecht? Und wenn Sie Christ sind, wie lebt es sich als Christ, was unterscheidet Sie von anderen Menschen?Der Bibelvers für heute stammt aus einem Psalm, der von Israel handelt. Israel als Volk Gottes, das von Feinden umgeben ist. Immer wieder erleben sie Angriffe, werden angefeindet, viele wollen die Israeliten sogar vernichten.Deshalb hört sich dieser Psalm manchmal kriegerisch an. Gott erhebt sich und seine Feinde zerstreuen sich.Der Vers 20 lobt Gott in diesem längeren Psalm. Gott ist immer zu loben, Tag für Tag. Warum? Er legt Lasten auf, aber er hilft auch.Das entspricht genau der Lebenswelt des Volkes Gottes, der Lebenswelt von Israel. Frieden erleben sie selten. Meistens müssen sie sich gegen irgendwelche Feinde wehren, die ihnen ihr Land wegnehmen und sie als Volk auslöschen wollen. Doch in all dieser Not erleben sie: Gott ist da, Gott ist bei ihnen, Gott ist mit ihnen. Der Gott Israels lässt sein Volk nicht allein. Er lässt sie selbst dann nicht allein, wenn sie ihm untreu werden. Gott ist mit seinem Volk nie am Ende, und er behält immer die Fäden in der Hand. Gott ist gut, er ist sogar ein Vater der Waisen, ein Helfer von Witwen. Hilflosere Menschen gibt es kaum. Deshalb ruft der Psalmbeter zum Lob auf.Ist das nicht auch unsere Lebenswirklichkeit, die von Ihnen und mir? Lösen sich alle Probleme in Luft auf, weil Sie an Jesus Christus glauben?Wer behauptet, werde Christ und du wirst nie Probleme haben, der sagt etwas Grundverkehrtes. Das hat uns Jesus auch nie versprochen.Nein, auch Christen haben die ganz normalen Probleme des Lebens. Sie erleben Scheitern, sie erleben Katastrophen. Wenn es dem Land wirtschaftlich schlecht geht, stecken sie mittendrin und erleben alle Schwierigkeiten am eigenen Leib.Dazu kann es sein, dass ich für meinen Glauben belächelt werde. „Ach ja, dieser komische Kerl, was der sagt.“Viele Christen erleben es sogar, dass sie angegriffen werden. Sie sind die Unruhestifter, die auf ihren Jesus beharren. Sie führen die Familientradition nicht weiter, sondern gehorchen nur noch Jesus. Sie brechen aus der Religion der Familie, der Ideologie des Landes aus und stellen ihren Gott an die erste Stelle. Das kann sogar dazu führen, dass sie für ihren Glauben ins Gefängnis müssen.Und was dann? Weshalb soll ich dann Jesus nachfolgen? Ist es für mich hier immer schlimmer als für andere? Aber wie Israel erleben Christen auch, dass Gott ihnen hilft. Wie Israel erleben sie, dass Gott sie nicht im Stich lässt.Er legt eine Last auf, ja, auch ein Leben als Christ ist kein Schlaraffenland. Aber Gott ist da. Er hilft weiter, er hilft durch. Er schenkt mir eine Beziehu

4 min
May 2, 2026
Vorsicht ist gut, Vertrauen ist besser

Die Bibelstelle Richter 6,17 – ausgelegt von Manfred Schultzki. Gideon drischt – aber in einer Kelter, damit es den midianitischen Räubern nicht auffällt. Sie tyrannisieren seit langem das Volk Israel. Gideon will nicht entdeckt werden. Und er will das Getreide verstecken, damit seine Familie und er etwas zu essen haben. Eine Kelter ist klein. Es ist heiß dort. Besser wäre es, unter einem Baum zu dreschen, damit der Wind die Spreu vom Weizen trennen kann. Doch es ist zu gefährlich. Weil die Arbeit in der Kelter sehr beschwerlich ist, macht Gideon immer wieder Pause. Sich vor die Tür in den Schatten eines Baumes setzen; den Schweiß abtrocknen lassen. Vielleicht einen Schluck Wasser trinken – dann soll es weitergehen.Doch diesmal sitzt schon jemand unter dem Baum. Gideon erkennt sofort, dass es sich weder um einen Nachbarn handelt noch um einen fremden Reisenden. Erst recht ist es kein Feind. Gideon hat eine Ahnung. Aber – ist ER es wirklich? In einem kurzen Gespräch erteilt der Fremde Gideon den Auftrag: "Geh hin in dieser deiner Kraft, denn du sollst Israel erretten. Siehe, ich habe dich gesandt." (Richter 6,14) Lesen Sie doch die Geschichte, wie Gideon zum Heerführer Israels in schlimmer Zeit wurde. Sie ist unglaublich spannend.Gideon weiß, dass seine Kraft nicht reicht. Er wäre froh, wenn es ihm gelänge, seine Ernte zu bergen und seine Familie zu ernähren. Seine Haltung ändert sich aber, als der Fremde, der sich immer noch nicht vorgestellt hat, ihm zusagt: Ich will mit dir sein.So ermutigend es sich anhört – Gideon ist noch nicht so ganz überzeugt. Was, wenn es sich um ein Trugbild der Verzweiflung handelt? Darum bittet er: "Hab ich Gnade vor dir gefunden, so mach mir doch ein Zeichen, dass du es bist, der mit mir redet." (Richter 6,17)Gideon will glauben. Gideon will Gott vertrauen. Aber er ist auch vorsichtig. Darum die Bitte um ein Zeichen. Ich kann Gideon gut verstehen. Er setzt sein Leben aufs Spiel. Nur mit Gottes Unterstützung kann er gegen die starken Midianiter etwas erreichen.Manchmal gewährt uns Gott solche Zeichen. Manchmal ist eine Berufung oder ein Auftrag von Gott her so eindeutig, dass es kein Zögern und keine Rückfragen gibt.Petrus, der Jünger von Jesus, fällt mir ein: Nach einer langen erfolglosen Nacht fordert Jesus ihn auf, das Netz noch einmal auszuwerfen. Petrus hätte mancherlei Einwendungen erheben können. Tut er aber nicht. Er sagt: Wir haben die ganze Nacht nichts gefangen, aber auf dein Wort hin….  Kein Zeichen. Nur ein Wort. Aber das Wort des Gottessohnes.Auch Gideon erkennt, dass Gott mit ihm spricht. Allerdings braucht er dazu noch ein Zeichen. Und Gott gewährt es ihm.Ich war viele Jahre in einem Diakonissenmutterhaus tätig. Erst neulich erzählte mir eine unserer Schwestern, dass sie als junge Diakonisse in die Mission gehen wollte. Aber einer der Verantwortlichen meinte, dafür sei si

4 min
May 1, 2026
Leben wie Jesus

Die Bibelstelle 1. Johannes 2,6 – ausgelegt von Manfred Schultzki. So leben, wie Jesus gelebt hat? Was kann der Evangelist Johannes wohl damit meinen?Das ist gar nicht so einfach zu sagen. Denn die einen verweisen darauf, dass Jesus gelebt hat wie ein Rabbi. Andere sehen in ihm den Revolutionär. Wieder andere heben hervor, wie einfühlsam Jesus war oder unterstreichen seinen Opfermut. Den Mann, der in kein Schema passt, kann ich aus vielen Blickwinkeln betrachten.Mir scheint, Johannes meint es anders. Vielleicht würde er auf die Frage, wie Jesus gelebt hat, antworten: Achtet nicht so auf die Einzelheiten! Denkt größer! Entscheidend ist doch die innige Verbindung mit dem Vater.Dazu könnte Johannes auf den Auftritt des 12-jährigen Jesus im Tempel verweisen. Ich muss dort sein, wo mein Vater ist. Ich gehöre zu ihm. Oder er könnte darauf verweisen, wie Jesus sich immer wieder zurückgezogen hat, um die Gemeinschaft mit dem Vater zu suchen. In der Wüste; im Garten Gethsemane. Johannes könnte auf die Selbstaussagen von Jesus verweisen: Ich und der Vater sind eins.So kristallisiert sich für mich diese Antwort unter verschiedenen Möglichkeiten heraus: Jesus hat in der besonderen Gemeinschaft mit Gott, seinem Vater, gelebt. Daraus kann sich dann auch ergeben, wie ich leben soll. Wer von sich sagt, dass er mit Gott verbunden ist, soll dann auch diese innige Verbindung mit dem Vater pflegen.Das gilt nun nicht nur für die Gemeinden damals, denen Johannes schreibt. Ich muss es mir immer wieder bewusst machen: Ich bin auch gemeint.Was aber zeichnet solche Gemeinschaft aus? Die Liebe. Eine solch innige Verbindung kann nicht funktionieren, wenn Menschen einander Listen vorlegen, auf denen sie abhaken: Das habe ich gehalten; das auch; das auch; das nicht – daran arbeite ich.Im Moment werden ja etliche neue Gesetze verabschiedet. Ich bin sicher, dass sofort andere Menschen nach Lücken suchen, um die Gesetze umgehen zu können. Aber eine lebendige innige Beziehung würde durch solche Gedanken zerstört. Wenn etwa Eheleute – oder auch Mitglieder einer geistlichen Gemeinschaft – auf Buchstaben pochten und mit Paragrafen kämen, dann wäre die Gemeinschaft schnell am Ende. Solch ein Miteinander lebt aus dem Geist der Liebe und nicht aus dem Buchstaben.Daran werde ich aber immer wieder scheitern. Denn auch wenn ich wie Jesus lebe, bin ich nicht wie Jesus – nämlich ohne Sünde. Johannes behauptet nicht, dass jemand, der das versucht, sündlos ist oder wird. Darum verweist Johannes auf den Fürsprecher. „Und wenn jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus.“Damit stellt mir Johannes eine große Vision vor: Wer sagt, dass er in Gott bleibt, der soll leben, wie Jesus gelebt hat. Dabei geht es entscheidend um das Lebensziel, das Jesus hatte: Menschen hin zu lieben zum Vater und mit ihm in Verbindung zu bringen. Denn das ist das Große an der Botschaft des Jo

4 min
Apr 30, 2026
Verkohlter Tintenfisch und heiliger Gott

Die Bibelstelle Offenbarung 15,4 – ausgelegt von Andrea Tschuch. Es ist schon viele Jahre her: Ich schlendere durch den Supermarkt und überlege, was es zu essen geben soll. Mein Blick fällt auf Tintenfischringe. Ich denke: „Ja. Frittierte Tintenfischringe mit Knoblauchsauce und Salat. Das ist doch mal eine gute Idee.“ Zwar habe ich keine Fritteuse, aber was solls. So schwierig kann das ja auch im Topf nicht sein.Nachmittags informiere ich mich schon mal: Welche Temperatur muss das Öl haben, damit die Tintenfischringe außen knusprig und innen zart werden? Bei der Gelegenheit fällt mir ein: Ich habe gar kein Thermometer. Na gut. Dann arbeite ich halt mit Kochlöffeltechnik und Augenmaß.Abends mache ich mich frisch ans Werk. „Jetzt könnte das Öl die richtige Temperatur haben“, denke ich. Vorsichtshalber nehme ich aber erstmal nur einen Tintenfischring. Falls die Hitze doch noch nicht ausreicht. Kaum ist der Ring im Topf, bricht auch schon das Chaos aus. Es zischt und brodelt und raucht. Meine Augen tränen. Die Luft ist zum Schneiden. Und mein schöner Tintenfischring ist völlig verkohlt. In Sekundenschnelle. Das Öl ist viel zu heiß. Egal welches Lebensmittel ich hineingegeben hätte, es hätte den Kontakt mit dem Öl nicht überstanden.So ähnlich ist es mit Gott und uns Menschen. Gott ist heilig: Rein. Vollkommen. Er ist erhaben. Einzigartig. Ehrfurchtgebietend und anbetungswürdig. Aber heilig und unheilig passen nicht zusammen. Als unvollkommener Mensch könnte ich die Herrlichkeit des vollkommenen Gottes gar nicht ertragen. In Kontakt mit ihm würde ich vergehen, wie der Tintenfischring in heißem Öl. Es sei denn, Gott selbst schützt mich. Und genau das tut er.Das lässt sich in der Bibel beobachten. Im alten Bund an der Art und Weise, wie Gott mit seinem Volk Israel umgeht.Schon in der Wüste lässt er sie wissen, wer sich ihm nähern darf. Wie das geschehen soll. Und welchen Abstand sie einhalten müssen, damit sie in der Begegnung mit ihm nicht sterben. Als Mose Gott einmal bittet: „Lass mich deine Herrlichkeit sehen.“, sagt Gott: „Ich werde […] an dir vorüberziehen […] Mein Gesicht darfst du nicht sehen, denn niemand, der mir ins Gesicht sieht, bleibt am Leben.“ (2. Mose 33,18-20 NGÜ mit Auslassungen)Gott stellt Mose in eine Felsspalte und hält seine Hand schützend über ihn. Erst als er vorbei ist, darf Mose Gott von hinten sehen.Im neuen Bund macht Gott große Nähe möglich. Durch Jesus Christus. In ihm bin ich gerecht gesprochen. Verbunden mit ihm, dem heiligen Gott, werde auch ich geheiligt. In Christus bringt Gott mich quasi auf seine Betriebstemperatur. Jetzt kann ich ihm gefahrlos nahekommen. Aber Gott ist immer noch Gott. Ich bin ein Mensch. Er ist der Schöpfer. Ich bin sein Geschöpf. Gott allein ist aus sich selbst heraus heilig. Ich bin es durch die Verbindung mit Jesus Christus.So kann ich nun voll ehrfurchtigem Staunen in das Loblied einstimmen, das schon Mose

4 min
Apr 29, 2026
Ein Wimpernschlag Zeit

Die Bibelstelle Psalm 90,4 – ausgelegt von Andrea Tschuch. Wir sitzen beim Frühstück und lassen uns Zeit. Der Tisch ist festlich gedeckt. Mein Mann hat Geburtstag. Einen runden. „Fühlt sich das eigentlich komisch an, dass du jetzt schon 60 bist?", frage ich ihn. „Ja, schon", meint mein Mann, „es kommt mir gar nicht so vor, als wäre ich schon 60 Jahre lang auf der Welt. Ging doch erstaunlich schnell um, die Zeit bis hierher." Das Gefühl habe ich auch. Gestern noch habe ich unseren Söhnen die Windeln gewechselt und „Tempo kleine Schnecke" mit ihnen gespielt. Heute lösen sie meine Computerprobleme. Und führen uns Eltern in die Feinheiten strategischer Brettspiele ein. So schnell kann es gehen.Als ich jung war, ist mir die Zeit manchmal nicht schnell genug umgegangen. Ich habe auf etwas hingefiebert. Aber die Zeit hat sich wie Kaugummi gezogen: Bis ich die Klassenarbeit zurückbekommen habe. Der letzte Schultag vor den Sommerferien geschafft war. Ich vom Teenagerkreis in den Jugendkreis wechseln durfte. Den Ausbildungsvertrag in der Tasche hatte. Und den Führerschein. Bis ich in meine erste eigene Wohnung gezogen bin. „Du hast doch alle Zeit der Welt", wurde mir gesagt. Aber ich konnte es kaum abwarten. Wollte endlich auf eigenen Füßen stehen.Jetzt bin ich Ende fünfzig und frage mich rückblickend manchmal: Wo ist die Zeit geblieben? Als flöge sie nur so dahin. Dabei hat ein Tag immer noch 24 Stunden. Wie schon in meiner Jugend. Aber es ist wohl ein Unterschied, ob ich mit 20, 50 oder 80 Jahren auf meine Lebenszeit schaue. Und was ich dabei in den Blick nehme.Aus Gottes Sicht stellt sich das Ganze nochmal anders dar. Wir Menschen sind vergänglich. Er aber ist ewig. War schon immer da. Und wird immer sein.Verglichen mit Gott sind wir Menschen ein Hauch. Unser Leben währt nicht länger als ein Wimpernschlag. Ein Wimpernschlag, dem Gott Beachtung schenkt.Er, der die Zeit selbst geschaffen hat, ist ihren Gesetzmäßigkeiten nicht unterworfen. Gott ist der Herr. Auch der Herr der Zeit. Und er hat einen anderen Blick darauf als wir Menschen. Mose, der von Gott eingesetzte Leiter, drückt es in Psalm 90, Vers 4 so aus: „Tausend Jahre sind in deinen Augen so kurz wie ein gerade vergangener Tag – sie sind nicht länger als ein paar Stunden in der Nacht." (NGÜ)„Du hast doch alle Zeit der Welt", wurde mir gesagt. Wahrscheinlich hätte ich mir für manches auch mehr Zeit lassen können. Unerschöpflich ist mein Zeitvorrat aber nicht. War er auch nie. Mein Leben in dieser Welt ist begrenzt. Gott hat wirklich alle Zeit der Welt. Dieser und der zukünftigen. Und er hat auch meine Zeit im Blick. Keine Sekunde meines Lebens gleitet ihm aus der Hand. In JesusChristus schenkt er mir ewiges Leben, das schon hier und jetzt beginnt. Wenn ich mir das vor Augen führe, kann ich gelassen leben. Ich muss der Zeit weder hinterher rennen noch mich von Wartezeiten verrückt machen lassen.Ich muss auch nicht alles aus dieser Wel

5 min
Apr 28, 2026
Umgang mit den eigenen Möglichkeiten

Die Bibelstelle Sprüche 31,8 – ausgelegt von Reinhard Arnold. Offensichtlich ist die Frau vor mir in der Schlange an der Kasse im Supermarkt keine Deutsche. Kleidung und Aussehen lassen mich auf eine Asylbewerberin schließen. Sie scheint die Worte der Kassiererin nicht zu verstehen. Und mit dem hiesigen Geld sich auch nicht auszukennen. Langsam zählt die ihre Taler vor. Es reicht nicht. Da greift der Mann in der Schlange hinter mir an mir vorbei und legt einen Fünf-Euro-Schein dazu. Irritiert schaut ihn die Kassiererin an. Die Ausländerin vor mir weiß gar nicht, wie ihr geschieht. Da kommt von dem Mann der Kommentar: „Ist schon recht. Ist doch Christenpflicht, zu helfen.“Die Bemerkung trifft mich. Wenn es Christenpflicht ist, wäre es doch auch meine Aufgabe gewesen, hier zu handeln. Dabei hatte ich noch nicht einmal angefangen, über die Situation nachzudenken.Ist es Christenpflicht, zu helfen? Es gibt doch so viele Probleme auf der ganzen Welt, was kann ich als Einzelner schon dagegen tun? Die fünf Euro ändern nicht die Probleme der Migrationspolitik. Mit unserem heutigen Bibelwort hat es etwas ganz Besonderes auf sich: Es stammt von der Mutter eines arabischen Königs, vielleicht vor dreitausend Jahren, die ihren Sohn berät. Nur an dieser einzigen Stelle in der Bibel, im Buch der Sprüche, hier des Königs Lemuel von Massa, werden Weisheitssprüche einer Frau überliefert.„Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind.“Es ist also Aufgabe des Königs, für Gerechtigkeit zu sorgen, grade sich derer anzunehmen, die sonst kaum einen Fürsprecher haben: Für diejenigen, auf die sonst keiner hört. Denen sonst keiner zur Seite steht. Schon tausend Jahre, bevor Jesus sich konsequent für Ausgegrenzte, Bedürftige und Hilflose einsetzte, was sich in seiner Zuwendung zu den Sündern und Schwachen zeigte, gab eine Königinmutter ihrem Sohn diesen Rat.Über uns herrscht heute kein König mehr. Wir leben heute in Deutschland in einer Demokratie. Die Aufgaben des Königs haben Parlament und Regierung übernommen.Tun sie ihren Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind?Doch halt, bevor es jetzt zu den üblichen Vorwürfen kommt, dass die da oben ja doch nur machen, was sie wollen: In einer Demokratie herrscht doch das Volk. Also ist jeder einzelne von uns auch ein bisschen König. Ich muss mich also selbst fragen: Tue ich meinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind?Da hatte der Mann in der Schlange hinter mir ja völlig recht, als er von der Christenpflicht sprach. Mir hat es an Aufmerksamkeit gefehlt, an Mitgefühl, dass von mir gefordert ist.Gott selbst hat sich mir in Barmherzigkeit zugewandt. Er hat mich nicht nach meinen Taten bewertet.Stellvertretend für mich hat er seinen Sohn Jesus ans Kreuz gehen lassen, zur Vergebung meiner Schuld. Wie kann ich da über andere hinwegsehen?Ic

4 min
Apr 27, 2026
Kontakt zu Jesus

Die Bibelstelle Johannes 6,37 – ausgelegt von Reinhard Arnold. Da stehe ich nun vor einer geschlossenen Tür. Ich habe auf die Klingel gedrückt und warte. Bisher hat sich noch nichts gerührt. Ob wohl überhaupt jemand da ist? Und wenn ja, wie wird er oder sie auf mein Anliegen reagieren? Werde ich schroff abgewiesen oder willkommen geheißen und hereingebeten? Das ist so eine spannende Sache mit Hausbesuchen. Aber als Pfarrer gehören sie zu meinem Alltag.Die unterschiedlichsten Erfahrungen konnte ich hierbei schon sammeln. Einmal, als ich einer betagten Seniorin zum Geburtstag gratulieren wollte, schloss die Tochter die Tür gleich wieder vor mir zu mit den Worten: „Das passt heute gar nicht, meine Mutter hat Geburtstag!“Manchmal trösteten mich in solchen Augenblicken die Worte Jesu aus dem Johannesevangelium, Kapitel 6, Vers 37: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.“Es ist beruhigend zu wissen, dass es bei Jesus keine Einschränkungen gibt. Bei ihm kann nicht eine falsche Begrüßung oder eine Ungeschicklichkeit von vornherein das Gespräch verhindern oder belasten. Jesus empfängt offen jeden, der zu ihm kommt. Er macht keine Einschränkungen, fordert keine Voraussetzungen. Wer kommt, darf zu ihm.Klingt ja ganz einfach. Aber wie soll das praktisch aussehen? Ich habe ja keine Adresse, die ich einfach in mein Navigationssystem eingeben kann und dann auf Starten drücke. Da ist keine Haustür, vor der ich stehen und warten kann.Natürlich weiß ich, was zu tun ist. Schon als kleines Kind habe ich es gelernt. Kontakt zu Jesus nehme ich auf, indem ich bete.Beten – eine komische Sache. Reden mit jemanden, den ich nicht sehe, nicht höre, der mir nicht mit deutlicher Stimme sofort antwortet.Aber ich kenne doch andere Formen der Kommunikation, die auch mit Einschränkungen verbunden sind. Früher, als wir uns noch Briefe geschrieben haben; da musste ich auf Antworten warten und wusste vorher nicht so ganz genau, wie die Reaktion wohl ausfallen wird. Heute am Telefon ist die Zeit der Ungewissheit auf ein Minimum verkürzt, bis mein Gegenüber antwortet. Aber da fehlt dann immer noch das Mienenspiel, das manchmal die Worte entscheidend ergänzt.Ja, Beten ist anders als ein normales Gespräch. Aber das kann ich lernen. Schließlich habe ich sogar das Sprechen gelernt, als ganz kleines Kind, nur aufgrund der Reaktionen meiner Eltern und meiner Umwelt.Da ist es doch gut, dass am Anfang diese Zusage steht: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.“Jesus will und wird mir helfen, wenn ich den Kontakt zu ihm suche.Ich finde seine Antworten in dem, was ich erlebe. Ich finde seine Antworten in den Gedanken, die mir plötzlich kommen. Ich finde seine Antworten in dem, was mir aus Worten meiner Gesprächspartner plötzlich klar wird. Ich finde seine Antworten, in dem, wie mein Leben weiter verläuft und was mit mir geschieht.Natürl

4 min
Apr 26, 2026
Er kümmert sich

Die Bibelstelle Lukas 12,27 – ausgelegt von Matias Wiens. Seit März haben wir Frühling in Deutschland. Die Temperaturen steigen wieder an und hier und dort erwachen zahlreiche Blumen. Der Bibelvers fordert auf, dass Sie sich eben diese Blumen genauer anschauen!„Seht euch die Blumen an: Sie wachsen, ohne zu arbeiten und ohne sich Kleider zu machen. Ich sage euch: Nicht einmal Salomo in all seiner Herrlichkeit war so schön gekleidet wie eine von ihnen.“(Lukas 12,27 BB)Schnell wird klar, dass die Blumen als Bild für etwas gebraucht werden. Es geht nicht um Wetterphänomene oder Frühlingsanfang, sondern um das, was Gott für die Blumen, und für uns Menschen tut.In dem Abschnitt des Lukasevangeliums, in dem dieser Vers steht, geht es um Sorgen vor der Zukunft. Jesus sagt zu seinen Jüngern in den Versen davor: Macht euch keine Sorgen um euer Leben – was ihr essen sollt, oder um euren Körper – was ihr anziehen sollt.” Dann vergleicht Jesus die Fragen, die Menschen sich stellen, mit der Sorglosigkeit der Vögel. Ein Vergleich, durch den deutlich wird, die Vögel säen und ernten nicht und doch finden sie genug zu essen. Die Jünger sollen sich nicht um Essen sorgen. Nachdem das klar ist, kommt der Vers, den ich zu Beginn las: Die Blumen arbeiten nicht, und machen sich keine Kleider, und dennoch wachsen sie und sind schöner als der für seine Weisheit und seinen Reichtum bekannte König Salomo. Die Jünger sollen sich nicht um Kleidung sorgen, sondern sich vielmehr auf das konzentrieren, was Gottes Anliegen vorwärtsbringt.Nun haben Sie und ich wahrscheinlich wenig Sorgen, ob es heute genug zu essen geben wird, oder ob ausreichend Kleidung da ist. Dass diese Sorgen selten sind, dafür bin ich von Herzen Gott dankbar. Die Sorgen unserer Zeit konzentrieren sich wohl eher auf die passende Wohnung, die auch noch bezahlbar sein soll. Oder vielleicht hegen Sie Sorgen um die Zukunft, die durch die Krisen der Zeit düster wirken mag. Möglicherweise sind es auch die Sorgen um nahestehende Personen, die Sie umtreiben. Sorgen begleiten einen jeden Menschen mal mehr, mal weniger. Das weiß Gott.Deswegen sagt der heutige Bibelvers: Gott kümmert sich um die Details jeder einzelnen Blume. Ja, der Vater im Himmel hat Mühe und Eifer in das Aussehen einer Blume gesteckt. Jede Pflanze, die es gibt, jeden Strauch und jeden Baum hat Gott gemacht und hält Sie am Leben. Wieviel mehr kümmert er sich um Sie und um mich. Wieviel mehr kennt er jede Sorge, die Sie nicht loslässt und jede Angst, die Sie haben. Wenn Sie gerade nicht das Gefühl haben, dass Gott sich kümmert, dann ist mein Gebet, dass Gottes Wirken sichtbar wird. Wenn Sie gerade von Sorgen gequält werden, dann bringen Sie diese im Gebet zu Jesus. Sie können einfach anfangen, Gott ihre Probleme und Sorgen zu erzählen, er hört zu.Egal in welcher Situation sie stecken, schauen Sie sich heute eine Blume genauer an. Achten Sie

4 min
Apr 25, 2026
Die Gnade erzieht uns

Die Bibelstelle Titus 2,11-12 – ausgelegt von Matias Wiens. „Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen und erzieht uns, dass wir absagen dem gottlosen Wesen und den weltlichen Begierden und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt leben.“ (Titus 2,11–12)Es ist erschienen, endlich ist das Paket angekommen! Wieviel mehr freue ich mich, wenn liebe Menschen, die ich lange nicht gesehen habe, endlich zu Besuch kommen. Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes. Das ist eine Freudenbotschaft! Die Gnade ist erschienen, in der Person Jesus Christus. Jesu Erscheinen ist heilsam für alle Menschen, es bringt Heil, rettet. Das feiere ich an Weihnachten. Denn, allen Menschen steht durch Jesu Kommen der rettende Weg zu ihm offen. Alle Menschen haben durch Gottes Gnade die Möglichkeit, gerettet zu werden.Im Bibelvers folgt eine Überraschung: und erzieht uns! Die Gnade ist erschienen und erzieht uns. Ist nicht das Gericht die Erziehungsmaßnahme Gottes? Wie kann die Gnade mich erziehen? Dazu ein Beispiel, das etwas hinkt.Das volljährige Kind will mit seinen Freunden eine Reise machen. Für alle ist klar, dass es mit dem Zug für einige Tage Richtung Nordsee geht. Da sie mit dem Deutschlandticket unterwegs sind, freut sich keiner so richtig auf die Reise von einem Regionalzug zum nächsten. Außerdem muss auf der Strecke auch noch ein Umweg gemacht werden, da ein Teilbereich gerade saniert wird. Am Tag vor der Reise sagt der Vater: „Also du kannst  gerne mit meinem Auto fahren, und deine Freunde mitnehmen, wenn du vorsichtig fährst.“ Natürlich freut sich das Kind darüber und verkündet allen Freunden die Neuigkeit. Und auf eine Sache wird das Kind ganz, ganz besonders achten: Auf eine vorsichtige Fahrweise.  Weil es so dankbar ist, dass es Vaters Auto nutzen darf, und sein Vater das noch betont hat. In diesem Fall erzieht die Gnade zur vorsichtigen Fahrweise.Ähnlich erzieht uns Gottes Gnade. Ohne Gottes Gnade bin ich verloren und kann es nicht schaffen, seinen Ansprüchen gerecht zu werden. Aber er beschenkt mich unverdient mit überschwänglicher Gnade, wenn ich an ihn glaube. Je mehr ich Gottes Gnade verstehe, desto mehr wächst der Wunsch in mir, Gott zu gefallen und zu gehorchen. Das ist für mich als Christ eine größere Motivation, um mein Leben zu ändern, als irgendeine Gerichtsandrohung. Genau diese Erfahrung hat auch der berühmte Prediger Charles Spurgeon gemacht. Er sagt:»Als ich Gott noch als Tyrannen betrachtete, hielt ich meine Sünde für eine Bagatelle; aber als ich ihn als Vater kennenlernte, trauerte ich darüber, dass ich mich überhaupt jemals gegen ihn aufgelehnt hatte.Wenn ich das Gefühl hatte, Gott [und sein Gesetz] seien hart, da fand ich es einfach zu sündigen; aber wenn ich vor Augen hatte, wie freundlich, gütig und überfließend barmherzig Gott ist, da schlug ich mir an die Brus

6 min
Apr 24, 2026
Gott richtet und trägt sein Urteil selbst

Die Bibelstelle Psalm 76,9-10 – ausgelegt von Günther Röhm. Ich bin ein schreckhafter Mensch. Meine Frau und meine Kinder lachen oft, wenn ich mich in einer harmlosen Situation erschrecke, wenn ich zusammenzucke, zittere und manchmal sogar schreie. Weshalb ich so schreckhaft bin, weiß ich nicht. Allgemein lässt sich sagen: Ein Mensch erschrickt, wenn er in einer Situation, in der er sich sicher fühlt, plötzlich überrascht und vielleicht sogar überrumpelt wird.Der Psalmbeter Asaph ruft im Ps. 76, 9b-10: „Das Erdreich erschrickt und wird still, wenn Gott sich aufmacht zu richten, dass er helfe allen Elenden auf Erden.“Asaph weiß: Seine Zeitgenossen haben sich ein sehr einseitiges Gottesbild gebastelt. Sie denken von Gott, er sagt zu allem, was sie tun und treiben, „Ja und Amen“. Sie denken von Gott, er lässt fünfe grade sein. Sie denken von Gott, er nimmt sein Wort nicht so ernst.Jetzt zeichnet Asaph in Psalm 76 ein anderes Gottesbild. In der Lutherbibel ist der Psalm 76 mit „Gott, der furchtbare Richter“ überschrieben. Gott ist kein Gott, der zu allem „Ja und Amen“ sagt. Gott lässt fünfe nicht einfach gerade sein. Gott lässt sein Wort nicht in Frage stellen. Gott ist ganz anders. Er passt in kein menschlich ausgedachtes Schema. Gott passt auch nicht in ein theologisches Schema. Gott lässt sich nicht instrumentalisieren. Gott lässt sich auch nicht von irgendwelchen Ideologien vereinnahmen. Gott lässt sich weder vor einen ideologischen noch vor einen theologischen Karren spannen. „Gott ist der ganz andere“, so hat es der Theologe Karl Barth ausgedrückt.D.h. mit anderen Worten: Wenn sich Gott offenbart, dann erschrickt der Mensch. Der Mensch erschrickt, weil Gott so ganz anders ist. Im Hebräerbrief, Kapitel 10 Vers 31 heißt es: „Es ist schrecklich, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.“ Besonders schrecklich ist es für den Menschen, der sich in seinem frommen System eingerichtet hat und Gott sich nach seinem Bild bastelt.„Das Erdreich erschrickt und wird still, wenn Gott sich aufmacht zu richten…“,so sagt Asaph. Gott ist ein Richter. Vor seinem Richterstuhl müssen alle Menschen erscheinen und offenbar werden. Das gibt ein großes Erschrecken.So ähnlich hat es auch Hiob erlebt.Hiob hat Hab und Gut und seine Kinder verloren. In seinem Unglück hadert er verständlicherweise mit Gott. Sein bisheriges Gottesbild passt mit seinem Leid und seinem Unglück nicht zusammen. Dann macht sich Gott auf und offenbart sich Hiob. Er stellt ihm Fragen über Fragen. Hiob erschrickt: Gott ist ganz anders! Hiob wird still und findet keine Worte mehr auf die Fragen Gottes. Das Gespräch Gottes mit Hiob ist nachzulesen im Buch Hiob ab Kapitel 38. Aber in den Fragen Gottes erlebt Hiob, wie Gott in seinen Richterfragen, ihm, dem Elenden und Leidgeprüften, hilft. Zum Schluss bekennt Hiob vor Gott: „Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen, aber