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Das Klima

Florian Freistetter, Claudia Frick·172 episodes

NewsScienceNature

Die Klimakrise ist umfassend und global. Sie hat Auswirkungen auf alle und alles und wird ohne Zweifel unser Handeln und unseren Alltag in den nächsten Jahrzehnten in sämtlichen Bereichen bestimmen. Darum ist es nötig, dass möglichst viele Menschen über das Klima und die Wissenschaft hinter der Klimakrise Bescheid wissen. Der Weltklimarat IPCC veröffentlicht regelmäßig sogenannte “Sachstandsberichte” die das jeweils aktuelle Wissen zur Klimakrise zusammenfassen. Diese tausenden Seiten sind schwere Lektüre, die wir euch mit diesem Podcast ersparen wollen. Das gleiche gilt für die vielen anderen neuen Erkenntnisse der Klimaforschung. In jeder Folge wird aktuelle...

Episodes

33 min
May 25, 2026Episode 171
DK171 - Ab wann wird Hitze tödlich?

Und: Wie kriegen wir mehr Schatten in die Welt? DK171 - Ab wann wird Hitze tödlich? Und: Wie kriegen wir mehr Schatten in die Welt? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 171 wird es heiß. Wir diskutieren über eine neue Arbeit, in der untersucht wird, ab wann Hitze wirklich tödlich für uns wird. Denn bisherige Modelle haben das ein wenig unterschätzt. Tatsächlich sind Hitzewellen viel gefährlicher für uns als wir gedacht hatten. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Hitzewellen sind tödlicher als gedacht Bisher galt: Wenn die sogenannte “Wet Bulb Temperatur”, also eine Kombination aus Hitze und Luftfeuchtigkeit, über 35 Grad steigt, ist das tödlich für uns, wenn wir zu lange im Freien sind. Das berücksichtigt aber nicht das Alter und die Physiologie der Menschen. Eine neue Arbeit hat sich das genauer angesehen und einige der tödlichen Hitzewellen der Vergangenheit untersucht, die eigentlich viel weniger Todesopfer forden hätten sollen. Mit dem neuen Modell wird allerdings klar, was hier passiert ist. Und es wird auch klar, was man in Zukunft tun muss, um sich gegen die Hitze zu wapnen: Nämlich für mehr Schatten sorgen! Bücher Das neue Buch von Florian heißt “Die Farben des Universums”. Das neue Buch der Science Buster heißt "AUS! - Die Wissenschaft vom Ende" und erscheint im Hanser Verlag. Tickets und Infos für die Live Show gibt es unter sciencebusters.at Live Shows Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025/2026 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live. Hinweis zur Werbung und Unterstützung Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal. Kontakt und weitere Projekte Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach ei

30 min
May 11, 2026Episode 170
DK170 - Wer kriegt die Klima-Keile?

Und: Welche Instrumente zur Lösung der Krise haben wir? DK170 - Wer kriegt die Klima-Keile? Und: Welche Instrumente zur Lösung der Krise haben wir? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 170 gibt es Keile. Keine Sorge, wir kriegen uns nicht die Haare und verprügeln auch niemanden. Aber das Konzept der “Klimakeile” ist ein interessanter Ansatz, um bei der Lösung der Klimakrise die richtigen Wege zu wählen. Was das genau ist, diskutieren wir in dieser Folge. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Was sind Klima-Keile? Die Klimakrise ist ein vielfältiges Thema, aber im Zentrum steht eine entscheidende Frage: Wie können wir die globale Erwärmung begrenzen, idealerweise auf 1,5 Grad? Eine neue Studie mit dem Titel “Democratizing climate change mitigation pathways using modernized stabilization wedges” greift dafür das Konzept der sogenannten Klimakeile auf, das bereits 2004 mit der Arbeit bekannt wurde ([“Stabilization Wedges: Solving the Climate Problem for the Next 50 Years with Current Technologies”]https://doi.org/10.1126/science.1100103)), hier gibt’s ein pdf). Statt wie bisher vor allem komplexe Integrated Assessment Models zu verwenden, die Klima-, Energie- und sozioökonomische Modelle kombinieren, konzentriert sich der Ansatz auf konkrete einzelne Maßnahmen. Jeder „Keil“ steht dabei für eine bestimmte Form der Emissionsminderung und spart bis 2050 jährlich rund zwei Gigatonnen CO2-Äquivalente ein, also etwa vier Prozent der heutigen globalen Emissionen. Klimaschutz erscheint dadurch nicht mehr als abstrakte Emissionskurve, sondern als Bündel parallel laufender Lösungen. Nicht eine einzige Technologie soll die Krise lösen, sondern viele unterschiedliche Maßnahmen gemeinsam. Wie so ein Klima-Keil aussieht, kann man sich in dieser Abbildung ansehen. Die Studie identifiziert insgesamt 36 solcher Klimakeile, die sich auf fünf große Bereiche verteilen: saubere Stromerzeugung, Industrie und Brennstoffe, Verkehr, Gebäude sowie Landnutzung und Ernährung. Dazu gehören etwa der Ausbau von Wind-, Solar- und Kernenergie, Wasserstoff in der Stahlproduktion, Elekt

44 min
Apr 27, 2026Episode 169
DK169 - Darf man Witze machen über die Klimakrise?

Und: Wie bringt man Wissenschaft und Humor zusammen? DK169 - Darf man Witze machen über die Klimakrise? Und: Wie bringt man Wissenschaft und Humor zusammen? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 169 wird es lustig. Wird diskutieren, ob man Witze über die Klimakrise machen darf und über ein Projekt aus Großbritannien, bei dem Forschende und Comedians im Sinne der Wissenschaftskommunikation zusammengearbeitet haben. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Witze machen über die Klimakrise* Es gibt mittlerweile einige Projekte, bei denen Wissenschaft mit Humor vermittelt wird. Florian zum Beispiel ist Teil der Wissenschaftskabarettgruppe Science Busters. Aber kann man über alles Witze machen? Wie schaut es mit dramatischen und drängenden Problemen wie der Klimakrise aus? Auch damit lässt sich Comedy machen - aber man muss es richtig machen! Wie das geht, haben Forschende aus Großbritannien in ihrer Arbeit “Climate change is (NOT) funny: Insights from a climate change comedy event” untersucht. Forschende und Comedians haben gemeinsam ein Comedy-Event auf die Beine gestellt, zu Themen der Klimakrise. Davon haben am Ende nicht durch die Forschenden profitiert, sondern auch die Comedians. Bücher Das neue Buch von Florian heißt “Die Farben des Universums”. Das neue Buch der Science Buster heißt "AUS! - Die Wissenschaft vom Ende" und erscheint im Hanser Verlag. Tickets und Infos für die Live Show gibt es unter sciencebusters.at Live Shows Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025/2026 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live. Hinweis zur Werbung und Unterstützung Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal. Kontakt und weitere

34 min
Apr 13, 2026Episode 168
DK168 - Die Welt erhitzt sich schneller als gedacht

Und: Wo ist der Meeresspiegel? DK168 - Die Welt erhitzt sich schneller als gedacht Und: Wo ist der Meeresspiegel? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 168 geht es um zwei grundlegende Themen. Um die globale Erwärmung, die schneller voranschreitet als wir bisher dachten. Und um den Anstieg des Meeresspiegels, bei dem wir die Lage bisher auch unterschätzt haben. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Die Welt erwärmt sich schneller als gedacht 2023 und 2024 waren die heißesten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen. Besonders 2024 sorgte für Aufmerksamkeit, weil die globale Durchschnittstemperatur erstmals mehr als 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau lag. Schaut man auf die Entwicklung der globalen mittleren Oberflächentemperatur (Global Mean Surface Temperature, GMST), zeigt sich seit den 1970er Jahren ein konstanter Trend: Die Erde hat sich im Mittel um etwa 0,2 Grad Celsius pro Jahrzehnt erwärmt. Natürlich verläuft dieser Anstieg nicht vollkommen glatt. Es gibt natürliche Schwankungen, die zeitweise den Eindruck erwecken können, die Erwärmung habe sich verlangsamt oder sei sogar zum Stillstand gekommen. Wie schnell sich die Erde wirklich erwärmt: Genau dieser Frage sind Grant Foster und Stefan Rahmstorf in einer neuen Studie nachgegangen. Dafür haben sie eine ausführliche statistische Analyse von fünf globalen Temperaturdatensätzen durchgeführt: NASA, NOAA, HadCRU, Berkeley Earth und ERA5. Um das eigentliche Klimasignal klarer sichtbar zu machen, rechneten sie zunächst kurzfristige Einflüsse heraus, die das Temperatursignal überlagern: ENSO (also El Niño und La Niña), Vulkanausbrüche und Schwankungen der Sonnenaktivität. Dadurch wird das „Rauschen“ reduziert, ohne den langfristigen Trend künstlich zu erzeugen. Anschließend testeten sie verschiedene statistische Modelle. Die Nullhypothese lautete: Seit 1970 lässt sich die GMST als linearer Erwärmungstrend plus Rauschen beschreiben. Dem gegenüber stellten sie zwei alternative Hypothesen. Erstens: Die Temperaturentwicklung folgt einer quadratischen Funktion plus Rauschen, was auf eine allmähliche Beschleunigung hindeuten würde. Zweitens: Die Entwicklung lässt sich besser als stückweise lineare Funktion beschreiben, also mit einem Zeitpunkt, an dem sich die Steigung – und damit die Erwärmungsrate – verändert. Die Autoren betonen selbst, dass diese Modelle sehr unterschiedlich sind und gerade deshalb etwas Wichtiges zeigen: In der frequentistischen Statistik bedeutet „

35 min
Mar 30, 2026Episode 167
DK167 - Wie viele Bäume brauchen wir um das Klima zu retten?

Und: Was ist eigentlich ein Wald? DK167 - Wie viele Bäume brauchen wir um das Klima zu retten? Und: Was ist eigentlich ein Wald? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 167 geht es um Bäume. Wenn wir nur genug Bäume Pflanzen, dann ist das Klima gerettet. Oder? Ob das wirklich stimmt, schauen wir uns in dieser Folge an. Spoiler: Man kann nicht überall Bäume pflanzen wo man gerne möchte und selbst da wo man sie pflanzen kann, ist das nicht immer die beste Lösung. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. ÖFG-Preis für Wissenschaftsjournalismus Wir haben den Preis der ÖFG für Wissenschaftsjournalismus gewonnen. Und freuen uns sehr! Retten Bäume unser Klima? Claudia hat sich die Studie “Addressing critiques refines global estimates of reforestation potential for climate change mitigation” angesehen. Es geht um die Frage: Wie viele Bäume können wir eigentlich pflanzen? Denn dass es sich lohnt, Bäume zu pflanzen, steht außer Frage. Sie speichern CO2, sie kühlen, sie helfen Ökosystemen, und so weiter. Aber es ist nicht überall Platz für Bäume. Wo Platz ist, kann man in entsprechenden Karten sehen. Und die aktuelle Arbeit hat sich genau diese Karten angeschaut und geprüft: Kann man da wirklich überall Bäume pflanzen? Oder gibt es Konflikte, zum Beispiel mit der Landwirtschaft, der Biodiversität, und so weiter. Das Resultat: Wir können nur knapp 200 Millionen Hektar aufforsten, maximal. Und damit 5 Prozent unseres aktuellen CO2-Ausstoßes speichern. Das ist nicht nichts, aber viel ist es auch nicht… Bücher Das neue Buch von Florian heißt “Die Farben des Universums”. Das neue Buch der Science Buster heißt "AUS! - Die Wissenschaft vom Ende" und erscheint im Hanser Verlag. Tickets und Infos für die Live Show gibt es unter sciencebusters.at Live Shows Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025/2026 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live. Hinweis zur W

37 min
Mar 16, 2026Episode 166
DK166 - Die Wirtschaftswissenschaft versteht das Klima nicht!

Und: Warum interessiert sich niemand dafür? DK166 - Warum die Wirtschaftswissenschaft das Klima nicht versteht Und: Warum interessiert sich niemand dafür? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 166 geht es um die Wirtschaftswissenschaft, die in einer aktuellen Studie über sich selbst sagt, dass sie nicht in der Lage ist, die Risiken der Klimakrise korrekt zu erforschen. Warum das so ist und warum das anscheinend niemanden so wirklich interessiert: Das diskutieren wir in der neuen Folge. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Warum die Wirtschaftswissenschaft die Klimakrise nicht versteht In dieser Folge sprechen wir über die Studie “Recalibrating Climate Risk: Aligning Damage Functions with Scientific Understanding”. Darin geht es um die Frage, ob die Wirtschaftswissenschaft die Risiken der Klimakrise für unsere Volkswirtschaften, Finanzsysteme und gesellschaftlichen Grundlagen überhaupt realistisch erfasst. Das Problem erinnert an die Geschichte vom induktivistischen Truthahn: Der Truthahn lernt aus seiner Vergangenheit, dass er jeden Tag gefüttert wird, und schließt daraus, dass das auch morgen so sein wird. Genau darin liegt der Fehler: Er erkennt den möglichen Bruch des Trends nicht. Diese Metapher passt erschreckend gut zu einem Teil der wirtschaftlichen Klimamodellierung. Wenn wir nur aus vergangenen Zusammenhängen lineare oder glatte Entwicklungen in die Zukunft verlängern, dann übersehen wir genau jene Brüche, Kipppunkte und systemischen Veränderungen, die die Klimakrise so gefährlich machen. Im Zentrum stehen sogenannte Damage Functions, also Schadensfunktionen in ökonomischen Integrated Assessment Models. Solche Funktionen sollen Klimaveränderungen in wirtschaftliche Schäden übersetzen. Vereinfacht gesagt wird gefragt: Wenn sich die Erde um einen bestimmten Wert erwärmt, wie stark sinkt dann wirtschaftliche Leistung, Wohlstand oder Produktivität? Das Problem dabei ist laut Report nicht nur, dass diese Modelle oft auf historischen Beziehungen beruhen, die in die Zukunft fortgeschrieben werden. Das Problem ist auch, dass dabei meist zu einfache, zu glatte und zu lineare mathematische Annahmen verwendet werden. Gerade quadratische Funktionen, wie sie in vielen Modellen beliebt sind, können abrupte Umschläge, Kaskadeneffekte und Kipppunkte nur unzureichend erfassen. Viele ökonomische Modelle tun außerdem immer noch so, als würde die Klimakr

40 min
Mar 2, 2026Episode 165
DK165 - Mitreden statt Meckern: Transdisziplinarität im Klimaschutz

Und: Was ist real im Reallbor? DK165 - Mitreden statt Meckern: Transdisziplinarität im Klimaschutz Und: Was ist real im Reallbor? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 165 geht es um komplizierte Wörter. Zum Beispiel “Transdisziplinarität”. Das Konzept dahinter ist aber essentiell, wenn wir wollen, dass nicht nur an Klimaschutz geforscht, sondern das Erforschte dann auch umgesetzt wird. Und zwar so, dass am Ende alle damit zufrieden sind. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Transdisziplinarität und Realllabore Transdisziplinarität klingt kompliziert. Ist aber wichtig. Wir merken immer wieder, dass Klimaschutz-Maßnahmen nicht daran scheitern, dass wir zu wenig Daten oder zu wenig Fakten hätten, sondern an Akzeptanz, Machtfragen, Politik, Umsetzung in der Praxis und manchmal schon daran, dass wir uns nicht einmal einig sind, was das konkrete Problem vor Ort ist. Genau dann kommt Transdisziplinarität ins Spiel. Aber zuerst die Begriffsklärung: Disziplinäre Forschung heißt: Wir arbeiten innerhalb eines Fachs und bleiben in dessen Methoden und Denktraditionen. Multidisziplinär ist ein Schritt weiter: Ein Problem, mehrere Disziplinen schauen jeweils aus ihrer Perspektive darauf, aber im Grunde nebeneinander her. Interdisziplinär wird es, wenn die Disziplinen wirklich gemeinsam an einer Fragestellung arbeiten, Methoden zusammenbringen und eine gemeinsame Antwort entwickeln. Transdisziplinär wird es dann, wenn zusätzlich zur interdisziplinären akademischen Zusammenarbeit noch Akteurinnen und Akteure aus nicht-akademischen Kontexten beteiligt sind, etwa Verwaltung, Zivilgesellschaft, Bürgerinnen und Bürger oder auch Unternehmen, und zwar idealerweise über den ganzen Prozess hinweg: von der gemeinsamen Problemdefinition über Datenerhebung und Auswertung bis hin zu Ergebnissen und Umsetzung. Der Kern ist ein Perspektivwechsel: Statt Wissenschaft für die Gesellschaft zu machen, machen wir Wissenschaft mit der Gesellschaft. In so einem Prozess passiert Wissenschaftskommunikation nicht erst am Ende, wenn Ergebnisse “verkündet” werden, sondern laufend, während gemeinsam Wissen entsteht. Das ist aber aufwendig. Wir müssen Zeit investieren, eine gemeinsame Sprache finden und Begriffe klären, die nicht einmal zwischen Disziplinen automatisch gleich verstanden werden, geschweige denn zwischen Forschung, Verwaltung, Unternehmen und Öffentlichkeit. Dazu kommt ein praktisches Problem, das wir aus Förderlogiken kennen: Wenn wir die Fragestellung wirklich gemeinsam entwickeln wollen, brauchen wir daf

31 min
Feb 16, 2026Episode 164
DK164 - Der Frühling, sein blaues Band und die Mathematik

Und: Warum sammeln Pflanzen Wärmepunkte? DK164 - Der Frühling, sein blaues Band und die Mathematik Und: Warum sammeln Pflanzen Wärmepunkte? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 164 wird es frühlingshaft. Und das viel früher als üblich. Die Klimakrise sorgt dafür, dass Pflanzen immer früher austreiben. Aber die Reaktion der Pflanzen auf die zusätzliche Wärme scheint in den letzten Jahren abgenommen zu haben. Die Ursache dafür hat aber nichts mit Botanik zu tun - sondern mit Mathematik! Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Frühling und Mathematik Es gibt keine echten Jahreszeiten mehr. Der Frühling beginnt früher. Der Herbst dauert länger. Ein „echter“ Winter ist auch nicht mehr da. Und so weiter. Das hört man immer wieder, wenn man über das Wetter redet. Es ist aber auch ein Phänomen, das erforscht werden kann. Die Phänologie beschreibt den Kalender der Natur: Wann treiben Pflanzen aus? Wann blühen sie? Wann reifen Früchte? Wann fallen die Blätter? Der Deutsche Wetterdienst stellt dafür sogar eine phänologische Uhr bereit, die zeigt, wie sich die Jahreszeiten in „Natur-Jahreszeiten“ einteilen lassen. Auch in Österreich gibt es mit Phenowatch eine entsprechende phänologische Uhr. Dass Pflanzen – besonders Bäume – heute im Frühling deutlich früher austreiben als noch vor wenigen Jahrzehnten, gilt als eines der klarsten biologischen Signale des Klimawandels. Beobachtungen am Boden, langfristige Messreihen und Satellitendaten zeigen übereinstimmend: Mit steigenden Temperaturen verschieben sich viele Entwicklungsphasen nach vorne. Was wir aber auch messen und das ist überraschend: Die Reaktion der Pflanzen auf Temperaturanstiege scheint schwächer zu werden. Früher führte ein zusätzliches Grad Erwärmung zu einer starken Vorverlegung des Frühlings – heute wirkt derselbe Temperaturanstieg weniger „effektiv“. Das klingt zunächst so, als würden Pflanzen sich „anpassen“ oder als kämen sie an ihre biologische Grenzen: Vielleicht fehlt den Pflanzen durch mildere Winter die notwendige Winterkälte (Chilling), die viele Gehölze brauchen, um überhaupt austreiben zu können. Vielleicht spielt die Tageslänge eine größere Rolle und begrenzt den Austrieb, selbst wenn es warm genug wäre. Oder vielleicht verändern sich Pflanzenpopulationen langfristig durch Anpassung an lokale Klimabedingungen. Doch neuere Forschung zeigt auch: Für die meisten gemäßigten B

41 min
Feb 2, 2026Episode 163
DK163 - Kinder und Jugendliche in der Klimakrise

Und: Warum lassen wir die jungen Menschen nicht mitbestimmen? DK163 - Kinder und Jugendliche in der Klimakrise Und: Warum lassen wir die jungen Menschen nicht mitbestimmen? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 163 geht es um Kinder und Jugendliche. Sie sind die, die in Zukunft am meisten unter der Klimakrise zu leiden haben. Aber in der Forschung dazu kommen sie kaum vor. Was wir über das Wissen der jungen Menschen, ihre Ängste und Vorstellungen herausgefunden haben, diskutieren wir in der neuen Folge von “Das Klima”. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Jugendliche und die Klimakrise Wir wollen heute wissen, was die Wissenschaft über Klimakrise und junge Menschen tatsächlich sagen kann und wo die großen Lücken liegen.Aber: Was meinen wir überhaupt, wenn wir Kinder und Jugendliche sagen? Je nach Studie fallen die Definitionen unterschiedlich aus. Aber prinzipiell sind Kinder zwischen 0 bis 17 Jahre alt und Jugendliche 10 bis 24 Jahre. Die Zahlen machen deutlich, dass es um enorme Gruppen geht: Kinder sind rund 30 Prozent der Weltbevölkerung, Jugendliche etwa 25 Prozent. Das ist keine kleine Randgruppe, sondern ein großer Teil der Menschheit, der in der Klimakrise gleichzeitig besonders verletzlich ist und zugleich ständig mit Erwartungen überhäuft wird. Kinder gelten meist als vulnerable Gruppe, die geschützt werden muss. Erwachsene, also wir, gelten als Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger, an die Politik adressiert wird. Jugendliche hängen oft dazwischen. Genau deshalb schauen wir uns heute zwei Forschungsarbeiten aus 2025 an, die beide zeigen, dass Jugendliche sowohl politisch als auch wissenschaftlich unterrepräsentiert sind. Als erstes nehmen wir eine Studie (Inclusion of children and youth in the IPCC Assessment Reports (AR1-AR6)), die ganz nüchtern zählt und einordnet: Wie oft kommen Kinder und Jugendliche eigentlich in den IPCC-Sachstandsberichten vor und in welchem Zusammenhang werden sie erwähnt? Die Autorinnen und Autoren schauen auf die Berichte 1 bis 6 und zeigen, dass in den frühen Sachstandsberichten praktisch kaum etwas zu finden ist. Erst ab Bericht 5 wird es sichtbarer, und im sechsten Bericht gibt es einen deutlichen Sprung. Dabei fällt besonders auf, dass Jugendliche bis einschließlich AR5 fast unsichtbar bleiben und erst in AR6 spürbar häufiger auftauchen. Wir sprechen nicht nur über die Anzahl, sondern vor allem über das Framing. Ein erheblicher Teil der Erwähnungen passiert in A

30 min
Jan 19, 2026Episode 162
DK162 - Wie die Klimakrise Konflikte verstärken kann

Und: Was können wir dagegen tun? DK162 - Wie die Klimakrise Konflikte verstärken kann Und: Was können wir dagegen tun? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 162 geht es um den Zusammenhang zwischen Klima und Konflikten? Kann die Klimakrise Konflikte auslösen, und wenn ja: Wie? Und vor allem: Was können wir dagegen unternehmen? Das hat sich die Wissenschaft anhand historischer Daten aus Europa angesehen. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Klima, Wetter und Konflikte Wetter begleitet uns jeden Tag. Und Konflikte irgendwie auch. Die Klimakrise verändert das Wetter – also drängt sich eine große Frage auf: Was bedeutet das für gesellschaftliche Spannungen und politische Konflikte? Das hat die Arbeit mit dem Titel „A climate of conflict: How the Little Ice Age sparked rebellions and revolutions across Europe“ untersicht. Sie beschäftigt sich nicht mit Gegenwart oder Zukunft, sondern mit der Vergangenheit. Im Zentrum der Studie steht die sogenannte Kleine Eiszeit. Wie lange diese Phase genau dauerte, ist in der Forschung umstritten; die Autor*innen datieren sie grob auf den Zeitraum von etwa 1250 bis 1860. Es war eine Epoche, die insgesamt kühler und trockener war als die Jahrhunderte davor und danach – aber vor allem war sie geprägt von extremen Schwankungen. Die Kleine Eiszeit war also keine gleichmäßige Abkühlung, sondern eine Zeit voller klimatischer Unberechenbarkeit. Historikerinnen und Klimaforscherinnen beschäftigen sich schon lange mit der Frage, wie Umweltbedingungen den Verlauf der Geschichte beeinflussen - siehe dazu das Buch “Wie das Wetter Geschichte macht: Katastrophen und Klimawandel von der Antike bis heute”. Dürreperioden, extreme Kälte, Missernten – all das kann Gesellschaften destabilisieren. Klima ist dabei kein isolierter Schicksalsfaktor, aber es kann ein Katalysator für Krisen sein. Ein Beispiel liefern die Autor*innen gleich in der Einleitung: die Französische Revolution. Bereits um 1770 erlebte Europa eine besonders kalte Phase, die der Landwirtschaft schwer zusetzte. In Frankreich kam es 1775 zu Getreidemangel infolge mehrerer schlechter Ernten, Unruhen brachen aus. 1783 verschärfte der Ausbruch des isländischen Vulkans Laki die Lage zusätzlich: Das Wetter in Nordeuropa spielte verrückt – ein extrem heißer Sommer mit Gewittern und Hagel, gefolgt von einem sehr harten Winter, dann wieder Überschwemmungen durch rasche Schneeschmelze. In d

49 min
Jan 5, 2026Episode 161
DK161 - Hoffnung, Angst und Aggression in der Klimakrise

Mit Podcasts aus der Klimapsychologie DK161 - Hoffnung und Angst in der Klimakrise Mit Podcasts aus der Klimapsychologie "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. Zu Jahresbeginn gibt es ein Special: Ihr hört eine Folge des Podcasts “Klimagefühle”, der im Rahmen einer Lehrveranstaltung an der LMU München entstanden ist. Franzi, Greta und Lea erzählen von der Hoffnung. Und danach gibt es 2 Folgen von “Mind the Planet”; ebenfalls ein Podcast aus der Lehrveranstaltung in München. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Klimagefühle: Hoffnung Der Podcast “Klimagefühle” ist im Rahmen einer Lehrveranstaltung von Mitho Müller (bekannt aus Episode DK134 und Florian Freistetter an der LMU München entstanden. Die Teilnehmer:innen sollten Themen aus der Klimapsychologie in Form einer Podcastfolge ausarbeiten. Das Resultat einer Gruppe könnt ihr in dieser Spezialfolge hören. Das Intro/Outro von “Klimagefühle” ist “Good Vibe Background Music by SethMakesSounds”, Creative Commons 0 Mind the Planet Leon und Dorothee haben im Rahmne der Lehrveranstaltung den Podcast “Mind the Planet” konzipiert, aus dem ihr hier 2 Episoden hören könnt: Über Climate Anxiety und den Zusammenhang zwischen Hitze und Aggression. Science Buster Buch Das neue Buch der Science Buster heißt "AUS! - Die Wissenschaft vom Ende" und erscheint im Hanser Verlag. Tickets und Infos für die Live Show gibt es unter sciencebusters.at Live Shows Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025/2026 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live. Hinweis zur Werbung und Unterstützung Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal. Kontakt und weitere Projekte Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email

22 min
Dec 22, 2025Episode 160
DK160 - Der Klimawandel auf der Weihnachtsinsel

Krabben, Kekse und das Klima Der Klimawandel auf der Weihnachtsinsel Krabben, Kekse und das Klima "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In dieser speziellen Folge für den WissPod-Adventskalender geht es um den Klimawandel auf der Weihnachtsinsel. Die ist zwar klein, aber dafür wird sie von sehr, sehr vielen Krabben bewohnt. Die führen ein sehr spezielles Leben und das könnte durch die Klimakrise beeinflusst werden. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Weihnachtsinselkrabben und Klimakrise Über die klassischen Weihnachtsthemen haben wir schon in der Folge DK101 gesprochen. Heute geht es deswegen zur Weihnachtsinsel. Die Weihnachtsinsel liegt im Indischen Ozean, etwa zwischen Australien und Java. Sie ist nur rund 135 Quadratkilometer groß und gehört zu Australien. Die “Hauptstadt” heißt Flying Fish Cove – die Bucht der fliegenden Fische. Rund 1700 Menschen leben dort, fast alle in der Hauptstadt. Ihren Namen verdankt die Insel übrigens der britischen Ostindien-Kompanie, die am 25. Dezember 1643 an ihr vorbeisegelte. Der Entdecker und Pirat William Dampier landete dort 1688 – und rund 200 Jahre später fand man Phosphat, woraufhin die Insel 1888 von England annektiert wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie von Japan besetzt, danach wieder an Großbritannien übergeben und schließlich 1958 Teil Australiens. Bekannt ist die Insel heute nicht nur als früheres Quarantänezentrum, sondern vor allem für ihre berühmtesten Bewohnerinnen: die Weihnachtsinsel-Krabben (Gecarcoidea natalis). Diese leuchtend roten Landkrabben leben ausschließlich auf der Weihnachtsinsel und den Kokosinseln – und das in beeindruckender Zahl: 2022 waren es rund 190 Millionen Tiere! Jede einzelne etwa 12 Zentimeter groß, in knalligem Rot, Orange oder Purpur. Sie ernähren sich vom Laub des Regenwalds – denn Regenwürmer gibt’s dort nicht – und fressen gelegentlich auch tote Vögel, Schnecken oder sogar andere Krabben. Im November, zu Beginn der Regenzeit, beginnt eines der spektakulärsten Naturereignisse der Welt: die Massenwanderung der Weihnachtsinsel-Krabben. Millionen von ihnen machen sich gleichzeitig vom Wald auf den Weg zur Küste, um ihre Eier im Meer abzulegen. Wie sie sich orientieren, ist bis heute nicht ganz klar – ihre Wanderung hängt jedenfalls auch von den Mondphasen ab. Wie so eine Wanderung aussieht, kann man in diesem Video sehen. Jedes Weibchen legt rund 100.000

34 min
Dec 8, 2025Episode 159
DK159 - Hinter den Eisbergen (kommt der Meeresspiegelanstieg)

Und: Wie schmilzt die Antarktis eigentlich genau? DK159 - Hinter den Eisbergen (kommt der Meeresspiegelanstieg) Und: Wie schmilzt die Antarktis eigentlich genau? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 159 geht es um Eis. Und zwar das Eis der Antarktis, das schmilzt. Soweit ist alles klar, aber neue Forschung hat jetzt gezeigt, wie das Abschmelzen genau funktioniert und was das für die Entstehung von Eisbergen und den Anstieg des Meeresspiegels bedeutet. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Das Eis der Antarktis Wir sprechen in dieser Episode über ein neues Forschungspapier zu antarktischem Schelfeis (“Damage development on Antarctic ice shelves sensitive to climate warming”). Und wir erklären, weshalb diese riesigen, schwimmenden Eisplatten für den zukünftigen Meeresspiegelanstieg so entscheidend sind. Es geht um den grundlegenden Unterschied zwischen dem antarktischen Eisschild und dem Schelfeis: Während der Eisschild fest auf dem Kontinent aufliegt, schwimmt das Schelfeis bereits auf dem Meer, ist aber noch mit dem Eisschild verbunden. Diese Verbindung wirkt wie ein Stützpfeiler, der den Abfluss der Gletscher verlangsamt. Sobald Schelfeis geschwächt wird und Kalben einsetzt, fällt dieser Stützeffekt weg. Dadurch beschleunigt sich der Fluss des Eises nach außen, was wiederum den Meeresspiegel stärker ansteigen lässt. Die neue Studie hat erstmals mit umfangreichen Beobachtungsdaten und modernen Bildauswertungsmethoden quantifiziert, wie sich Schäden im Schelfeis entwickeln und welche Rolle sie für zukünftige Veränderungen spielen. Mithilfe von hochauflösenden Satellitendaten und Machine-Learning-Verfahren wurden Risse, Spannungslinien, Eisflüsse und die Dicke des Schelfeises über zwei Jahrzehnte hinweg erfasst. Diese Daten erlauben, die Mechanismen hinter dem Fortschreiten der Schäden viel besser zu verstehen. Die Analyse zeigt, dass geschädigtes Schelfeis mit höherer Wahrscheinlichkeit kalbt. Bricht es ab, fließt der Gletscher dahinter deutlich schneller nach, wodurch wiederum neues Schelfeis entsteht, das ebenfalls schneller geschädigt wird. Diese Rückkopplungsschleife beschleunigt sich mit steigenden Temperaturen. Im globalen Überblick ergibt sich ein heterogenes Bild: Manche Regionen verlieren Schelfeisfläche, in anderen wächst sie, allerdings meist mit zunehmender Schädigung. Insgesamt ist die geschädigte Fläche seit den späten 1990er-Jahren zurückgegangen, weil auch die Gesamtfläche des Schelfeises kleiner geworden

38 min
Nov 24, 2025Episode 158
DK158 - Retten wir Wein und Schokolade mit Geoengineering?

Und: Warum die deutsche Weinwirtschaft schwere Zeiten haben wird DK158 - Retten wir Wein und Schokolade mit Geoengineering? Und: Warum die deutsche Weinwirtschaft schwere Zeiten haben wird "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 158 geht es um Wein, Kaffee und Schokolade. Denn diese Luxusgüter werden, wie alles andere, durch die Klimakrise Probleme kriegen. Ob wir das mit Geoengineering in den Griff kriegen können, hat sich eine aktuelle Studie angesehen. Spoiler: Eher nicht und für den deutschen Wein wäre das alles andere als gut. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Die Zukunft von Wein und Schokolade Wir starten diese Folge am Weihnachtsmarkt, aber es fehlen nicht nur Schnee und winterliche Stimmung – in Zukunft könnten auch Glühwein, Schokolade und Kakao knapp werden. Aber vielleicht können wir das mit Geoengineering lösen! Es gibt eine aktuelle Studie mit dem Titel “Macroclimate Growing Conditions for Luxury Crops after Stratospheric Aerosol Injection”, in der untersucht wird, wie sich die Ausbringung von Schwefeldioxid in die Stratosphäre – die sogenannte Stratospheric Aerosol Injection (SAI) – auf die globalen Temperaturverläufe und insbesondere auf landwirtschaftliche Bedingungen auswirken könnte. SAI soll die Sonneneinstrahlung reduzieren, ähnlich wie es natürliche Vulkanausbrüche tun. Im Modell der Studie wird von 2035 bis 2069 jährlich Schwefeldioxid an vier Punkten nahe und etwas entfernt vom Äquator ausgebracht, sodass sich die globale Temperatur auf 1,5 Grad oder sogar 1 Grad Erwärmung stabilisieren soll. Die Modelle basieren auf dem sozioökonomischen Pfad SSP2-4.5, der moderate Klimaschutzmaßnahmen annimmt. Während die globale Temperatur in den Simulationen tatsächlich sinkt, verändern sich regionale Klimamuster stark. Genau diese regionalen Verschiebungen sind für den Anbau der drei untersuchten Luxusfrüchte entscheidend. Ausgangspunkt der Analyse sind agrarmeteorologische Indizes, die etwa Temperaturgrenzen, Kältestunden, Feuchtigkeit, Schädlinge oder Niederschlagsmengen abbilden. Ein Jahr gilt in der Studie dann als ungeeignet für die jeweilige Pflanze, wenn einer der relevanten Grenzwerte überschritten oder unterschritten wird. Die Forschenden verbinden diese Klimaprojektionen anschließend mit historischen Exportdaten aus 18 wichtigen Anbauländern, um mögliche wirtschaftliche Effekte abzuschätzen. Die Ergebnisse zeigen ein komplexes und regional stark variierendes Bild. <im

35 min
Nov 10, 2025Episode 157
DK157 - Was glaubt die Welt über das Klima?

Und: Warum glaubt man in Österreich was anderes als in Deutschland? DK157 - Was glaubt die Welt über das Klima? Und: Warum glaubt man in Österreich was anderes als in Deutschland? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 157 geht es um Glauben. Wir beschäftigen uns mit Klimaglaubenssätzen. Was glauben wir über das Klima, wie hängen unsere Glaubenssätze zusammen und was bedeutet das für die Bewältigung der Klimakrise? Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Was sind Klimaglaubenssätze? Claudia erklärt, dass Klimaglaubenssätze Aussagen sind, an die Menschen glauben oder denen sie vertrauen – etwa die Überzeugung, dass die Klimakrise real ist oder dass sie vom Menschen verursacht wird. Dabei geht es nicht um religiösen Glauben, sondern um Vertrauen in Quellen, Wissenschaft und Information. Diese Überzeugungen bilden zusammen Netzwerke, die das Verhalten und die Einstellung der Menschen gegenüber der Klimakrise prägen. Ob jemand handelt, protestiert oder politische Maßnahmen unterstützt, hängt stark von diesen Glaubenssätzen ab. Erforscht wurde das Thema in der aktuellen Arbeit “Variations in Climate Change Belief Systems Across 110 Geographic Areas”. Die Studie untersucht, wie Klimaglaubenssätze in 110 Regionen der Welt miteinander verknüpft sind. Sie beschreibt diese als Netzwerke aus acht zentralen Überzeugungen, die in unterschiedlichen Kombinationen auftreten. Zu den abgefragten Klimaglaubenssätzen gehören unter anderem: Glaube an die Existenz des Klimawandels Glaube an den menschlichen Einfluss auf die Klimakrise Besorgnis über die Klimakrise Wahrgenommene Bedrohung für sich selbst und für künftige Generationen Meinung über die Nutzung fossiler Brennstoffe und erneuerbarer Energien Einschätzung, wie hoch die Priorität des Klimawandels für Regierungen sein sollte Ein Netzwerk der Überzeugungen Die Forscherinnen und Forscher betrachten diese Glaubenssätze als miteinander verknüpfte Knotenpunkte in einem Netzwerk. Zwischen diesen Punkten bestehen Verbindungen – starke, wenn Überzeugungen häufig gemeinsam auftreten, und schwache oder widersprüchliche, wenn sie sich gegenseitig ausschließen. Besonders interessant sind dabei sogenannte „Inkonsistenzen“: etwa, wenn jemand mehr erneuerbare Energien befürwortet, aber gleichzeitig nicht weniger fossile Brennstoffe nutzen möchte. Für die Studie wurde

41 min
Oct 27, 2025Episode 156
DK156 - Day Zero: Die Wasserknappheit ist schon da

Und: Wie verhindern wir die kommende Trockenheit? DK156 - Day Zero: Die Wasserknappheit ist schon da Und: Wie kriegen verhindern wir die kommende Trockenheit? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 156 wird es trocken. Wir reden über die durch die Klimakrise verursachte Wasserknappheit. Eine neue Studie zeigt: Das wird kein Problem, das wir in Zukunft bekommen, sondern ist ein Problem, das wir jetzt schon haben. Das Wasser wird knapp werden, auch bei uns in Europa. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Das Wasser wird knapp Wir reden über die Studie “The first emergence of unprecedented global water scarcity in the Anthropocene”, die sich mit “Day Zero Droughts” beschäftigt. Der Begriff „Day Zero“ steht, vereinfacht gesagt, für den Tag, an dem kein Wasser mehr aus dem Hahn kommt. Er wurde 2018 bekannt, als Kapstadt in Südafrika kurz vor einem solchen Tag stand. Nach drei extrem trockenen Jahren (2015–2018) waren die Reservoirs nahezu leer. Nur durch unerwartete Regenfälle im Winter konnte die Stadt den „Day Zero“ knapp vermeiden. Dieses Beispiel zeigt, wie kritisch die Wasserversorgung werden kann, wenn Dürre und hohe Nachfrage zusammentreffen. Wichtig ist auch der Unterschied zwischen Dürre und Wasserknappheit: Dürre beschreibt meteorologische Phänomene wie ausbleibenden Niederschlag und sinkende Bodenfeuchtigkeit, während Wasserknappheit zusätzlich technische, soziale und wirtschaftliche Faktoren berücksichtigt – etwa Wasserqualität, Infrastruktur, Speicherung und Verbrauch. Die Studie: Beispiellose Wasserknappheit im Anthropozän Die Studie untersucht, wann und wo auf der Erde Wasserknappheit erstmals eindeutig auf menschlichen Einfluss zurückgeführt werden kann. Dazu verwendet sie mehrere Indizes: SPEI₄₈ (Standardized Precipitation Evapotranspiration Index): misst Trockenheit, also Niederschlag minus Verdunstung. SRFI₄₈ (Standardized River Flow Index): beschreibt den Rückgang des Flussabflusses. SWSI₄₈ (Standardized Water Scarcity Index): Verhältnis von Wasserangebot zu Verbrauch – Werte unter 1 deuten auf Knappheit hin. Die Forschenden nutzten zwei Klimaszenarien, um die Entwicklung bis zum Jahr 2100 zu simulieren: SSP2-4.5 (moderate Klimaschutzmaßnahmen) und SSP3-7.0 (hohe Emissionen). Ein Blick in die Zukunft <a href="https://www.nature.com/articles

34 min
Oct 13, 2025Episode 155
DK155 - Globale Gletscherschmelze

Und: Brauchen wir mehr Skipisten in Island? DK155 - Globale Gletscherschmelze Und: Brauchen wir mehr Skipisten in Island? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 155 geht es ins Eis. Zumindest so lange noch etwas davon da ist. Wir schauen in eine neue Studie, die sich die globale Gletscherschmelze angesehen und dafür vor allem einen neuen Ansatz zur Datengewinnung entwickelt hat. Damit sollen die Methoden verbessert werden, die beim letzten IPCC-Bericht benutzt worden sind. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Auf zu den Gletschern! Claudia hat für diese Folge ein Paper mitgebracht, das einen neuen globalen Datensatz zur Veränderung der Gletschermassen von 2000 bis 2023 vorstellt: Community estimate of global glacier mass changes from 2000 to 2023 (Nature, 2024) Das Paper stammt aus dem GLAMBIE-Projekt – dem Glacier Mass Balance Intercomparison Exercise (glambie.org). Ziel des Projekts ist es, die vielen verschiedenen Messmethoden, die weltweit zur Erfassung von Gletschermassen genutzt werden, zu harmonisieren. Bisher waren die Daten stark fragmentiert: Unterschiedliche Regionen, Messzeiträume und Verfahren erschwerten den globalen Vergleich. GLAMBIE bringt über 35 Forschungsteams und 450 Datensammler*innen zusammen, um aus Satelliten-, Radar-, Gravimetrie- und Geländemessungen einen konsistenten Datensatz zu erstellen. Diese Arbeit bildet eine neue Basis für den kommenden IPCC-Sachstandsbericht (AR7). Vier Wege, die Gletscherschmelze zu messen Insgesamt werden vier Messmethoden für das GLAMBIE-Projekt kombiniert: Direkte glaziologische Messungen – Stangen und Bohrkerne vor Ort, hochpräzise, aber nur an wenigen Gletschern möglich. Digitale Höhenmodelle (DEM) – aus Satelliten- oder Flugzeugaufnahmen; sie zeigen Höhenveränderungen über Jahre hinweg. Altimetrie – Satelliten messen die Oberflächenhöhe mit Laser oder Radar, allerdings nur entlang ihrer Flugbahn. Gravimetrie – Satelliten wie GRACE oder CryoSat erfassen Massenänderungen direkt über winzige Unterschiede im Schwerefeld der Erde. Jede Methode hat Vor- und Nachteile in Genauigkeit, Auflösung und Abdeckung. Das Besondere an GLAMBIE ist, dass alle vier Ansätze in einem globalen Datensatz kombiniert werden – ein Meilenstein der Klimaforschung. <h2

32 min
Sep 29, 2025Episode 154
DK154 - CO2-Speichern im Auenland

Und: Wo gibt es eine schöne Au? DK154 - CO2-Speichern im Auenland Und: Wo gibt es eine schöne Au? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 154 geht es in die Au. Diese Feuchtgebiete sind nicht nur wichtig für die Artenvielfalt und als Hochwasserschutz, sondern können auch sehr gute CO2-Speicher sein und noch dazu sehr resilient. Das zumindest hat aktuelle Forschung gezeigt und genau darüber reden wir heute. Und über Eddies. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Auen – unterschätzte CO₂-Speicher Wenn über Kohlenstoffspeicher gesprochen wird, fallen meist zuerst Bäume und Wälder ein. Doch nicht überall wachsen Wälder – und es gibt andere Landschaften, die eine ebenso wichtige Rolle für das Klima spielen. Moore etwa sind riesige Kohlenstoffspeicher (ein Thema für sich). Heute geht es jedoch um ein Mittelding zwischen Moor und Wald: die Auen. Auen sind Uferlandschaften von Bächen und Flüssen, die in ständigem Austausch mit dem Wasser stehen. Sie sind dynamische Lebensräume, geprägt vom Wechsel zwischen Überflutung und Trockenheit. Ihre ökologische Bedeutung ist vielfältig: Hochwasserschutz, Abbau von Nitraten und dadurch Verbesserung der Wasserqualität, Lebensraum für eine enorme Artenvielfalt usw. Eine Übersicht über Auen findet man im [https://www.bmluk.gv.at/service/publikationen/wasser/Aueninventar-Oesterreichs---Karte.html](Aueninventar Österreichs) oder beim BfN in Deutschland Die Funktion der Au als CO2-Senke wurde in einer aktuellen Arbeit (“Impact of various flood conditions on the CO2 ecosystem exchange as a component of floodplain grassland restoration”) anhand des WWF-Auenreservat Marchegg untersucht. Das ist ein rund 1.100 Hektar großes Schutzgebiet an der Grenze zwischen Österreich und Tschechien. Seit 1978 steht die Aue unter Naturschutz. Seit Kurzem steht dort eine Messstation der BOKU Wien, die Teil des EU-Projekts Rewet ist. Ziel: Das Potenzial von Feuchtgebieten als Kohlenstoffsenken erfassen. Während es in Europa bereits viele Daten zu Mooren gibt, sind Auen bislang kaum untersucht. In Marchegg wurde ein Jahr lang auf einer beweideten Auwiese gemessen – sogar während extremer Bedingungen wie einer vier Meter hohen Überschwemmung im Jahr 2024. (Bilder kann man <a href="https://www.derstandard.at/story/3000000286475/unterschaetzte-feuchtgebiete-wie-auen-als-co2-

51 min
Sep 15, 2025Episode 153
DK153 - Schwitzende Bäume und kühle Köpfe

Und: Wo ist der richtige Ort für den richtigen Baum? DK153 - Schwitzende Bäume und kühle Köpfe Und: Wo ist der richtige Ort für den richtigen Baum? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 153 geht es um Bäume in Städten. Bäume sind kein Allheilmittel, aber mächtige Verbündete beim Kampf gegen die urbane Hitze. Es reicht aber nicht, einfach wahllos irgendwo Bäume hinzupflanzen. Es müssen die richtigen Bäume am richtigen Ort sein. Wie Bäume sinnvoll eingesetzt werden können, schauen wir uns in dieser Folge anhand aktueller Forschung an. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Warum Bäume kühlen Bäume sind mehr als nur schön anzusehen – sie wirken wie natürliche Klimaanlagen. Sie spenden Schatten, reflektieren Sonnenstrahlen, speichern weniger Wärme als Asphalt und kühlen durch Transpiration, also das „Schwitzen“ ihrer Blätter. Dabei verdunstet Wasser, was der Umgebung Wärme entzieht und die Luft spürbar erfrischt. Ein einzelner großer Baum kann an einem heißen Tag bis zu 100 Liter Wasser verdunsten. Dieser Effekt ist so stark, dass ganze Parks oder Alleen merklich kühlere Mikroklimata schaffen. Allerdings können Bäume auch Wärme speichern und nachts die Abkühlung behindern, wenn dichte Kronendächer die Wärmestrahlung blockieren. Ob sie kühlen oder eher wärmen, hängt also stark vom Standort und der Baumart ab. Die Metastudie zur Kühlleistung von Stadtbäumen Wir schauen uns die Studie Cooling Efficiency of Trees Across Cities is Determined by Background Climate, Urban Morphology and Tree Traits an, die 182 Einzelstudien ausgewertet hat. Sie kommt zu dem Schluss: Bäume sind kein Allheilmittel, aber sie können entscheidend zur Hitzeminderung beitragen – wenn man die richtigen Faktoren beachtet. Die Studie identifiziert drei zentrale Einflussgrößen: Hintergrundklima: In heißen, trockenen Regionen erzielen Bäume durch Verdunstung besonders große Kühleffekte – bis zu 12 Grad Temperaturunterschied. In feuchten Tropen verpufft dieser Effekt, da die Luft schon gesättigt ist. Stadtstruktur: Enge Altstädte mit hohen Gebäuden (Local Climate Zones 1–3) profitieren weniger von zusätzlichem Schatten, da ohnehin wenig direkte Sonneneinstrahlung den Boden erreicht. Hier können dichte Baumkronen sogar für Hitzestau sorgen. Effektiver sind lockere Pflanzungen oder Alternativen wie Dachbegrünungen. Baumarten und Eigens

40 min
Sep 1, 2025Episode 152
DK152 - Solarstrom aus dem Weltall

Und: Ab wann wird Weltall-Power wirtschaftlich? DK152 - Solarstrom aus dem Weltall Und: Ab wann wird Weltall-Power wirtschaftlich? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 152 sind wir wieder im Normalbetrieb. Und heben gleich ab ins Weltall: Dort scheint die Sonne ständig und es wäre wesentlich einfacher, Solarstrom zu erzeugen. Das würde natürlich viel kosten, aber selbst wenn der Solarstrom aus dem All teurer ist als der von der Erde, könnten wir damit in Zukunft quasi unseren gesamten Bedarf damit decken. Denn am Ende wäre das für die Stromnetze besser (und damit auch insgesamt billiger) als die Alternativen. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Das österreichische Klimagesetz Nach zehn Wochen intensiver Auseinandersetzung mit dem österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel schauen wir zu Beginn nochmal, was das alles gebracht hat. Der Entwurf des österreichischen Klimagesetzes enthält leider nicht die erhofften ambitionierten Ziele enthält. Sonnenenergie aus dem Weltall Auf der Erde ist Sonnenenergie zwar eine der wichtigsten erneuerbaren Quellen, doch die Atmosphäre sorgt dafür, dass mehr als die Hälfte der Strahlung schon auf dem Weg nach unten verloren geht. Bei Nacht oder Bewölkung kommt überhaupt nichts an. Die Idee ist also: Sonnenenergie direkt im Weltall sammeln und zur Erde übertragen. Ursprünglich tauchte diese Vision in Isaac Asimovs Kurzgeschichte Reason (1941) auf. In den 1970er-Jahren entwickelte der Ingenieur Peter Glaser das erste wissenschaftliche Konzept für „Space-Based Solar Power“ (SBSP) und ließ es 1973 sogar patentieren. Die Grundidee ist, die Energie im All in Mikrowellen umzuwandeln, zur Erde zu strahlen und dort mit sogenannten Rectennas wieder in Strom umzuwandeln. Erste Experimente der japanischen Raumfahrtagentur JAXA und ein Caltech-Prototyp von 2023 haben gezeigt, dass die Technik prinzipiell funktioniert – auch wenn bisher nur „detectable power“ ankam). Neue Studie: Potenzial für Europa Eine aktuelle wissenschaftliche Arbeit vom 21. August 2025, durchgeführt vom King’s College London und der Jiaotong-Universität in China, untersucht, wie SBSP in ein europäisches Stromnet

43 min
Aug 18, 2025Episode 151
DK151: Pseudowissenschaft, Weltall und Wissenschaftskommunikation

Und: Was ist eigentlich wichtig? DK151: Pseudowissenschaft, Weltall und Wissenschaftskommunikation Und: Was ist eigentlich wichtig? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung, jeden zweiten Montag. In Folge 151 machen wir noch einmal kurz Pause, zu hören gibt es aber trotzdem was. Und zwar eine Folge des Podcasts “Was wichtig ist” in dem Anna Wallner mit Florian über Wissenschaftskommunikation, Klima, Weltall, Geschlechterunterschiede in der Wissenschaft und andere Themen spricht. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Ins Weltall reisen mit Florian Freistetter von „Sternengeschichten“ In der Folge Ins Weltall reisen mit Florian Freistetter von „Sternengeschichten“ des Podcasts “Was wichtig ist” der Presse hat Anna Wallner mit Florian über alle möglichen Themen gesprochen. Es geht um die Faszination am Weltall und an Wissenschaft allgemein und die Frage, wie man so etwas vermitteln kann. Es geht ums Klima, um Pseudowissenschaft und das Einschlafen mit Podcasts. Es geht um die Frage, warum mehr Männer Podcasts hören als Frauen und noch viel mehr. Live Shows Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live. Werbung und Unterstützung Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal. Kontakt und weitere Projekte Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an [email protected]. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm. Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft

51 min
Aug 11, 2025Episode 150
DK150: Sofortige Maßnahmen sind dringend erforderlich: Österreich und die Klimakrise

Und: Wie ist es so, einen Klimabericht zu schreiben? DK150: Sofortige Maßnahmen sind dringend erforderlich: Österreich und die Klimakrise Und: Wie ist es so, einen Klimabericht zu schreiben? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen und erklären den aktuellen Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel. In Folge 150 schließen wir die Reihe zum Zweiten Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel ab. Wir reden mit Margreth Keiler und Daniel Huppmann, die als Co-Vorsitzende an der Verfassung des Berichts beteiligt waren und diskutieren die Zusammenfassung für die politische Entscheidungsfindung. Und dann haben wir noch ein paar Fragen zum Abschluss. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Hier ist der Link zur Zusammenfassung für politische Entscheidungsfindung. Abschlussgespräch zum Zweiten Österreichischen Sachstandsbericht Klimawandel Daniel Huppmann war schon zweimal zu Gast bei uns und bei seinem dritten Besuch hat er Margreth Keiler von der Uni Innsbruck mitgebracht. Die beiden sind, zwei der vier Co-Vorsitzenden des Zweiten Österreichischen Sachstandsberichts zum Klimawandel (AAR2). Gemeinsam ziehen wir ein Resümee, schauen uns die Zusammenfassung für politische Entscheidungsfindung an und geben Einblicke in die Entstehung, den Inhalt und die Zielsetzung des Berichts. Noch viel ausführlicher haben die beiden über ihre wissenschaftliche Karriere und den Bericht in Folge 107 des Science Buster Podcast gesprochen. Fünf Leitfragen als Struktur Die Zusammenfassung ist in fünf Abschnitte gegliedert, die jeweils eine zentrale Frage beantworten: A – Ist Österreich auf Kurs zur Klimaneutralität? Der aktuelle Trend zeigt sinkende Emissionen um rund sieben Prozent pro Jahr, doch diese Entwicklung reicht nicht aus, um die Ziele für 2030 und 2040 zu erreichen. Vor allem für das Ziel der Klimaneutralität 2040 ist Österreich laut Projektionen derzeit nicht auf Kurs. B – Wie wirkt sich die Erderhitzung in Österreich aus? Die Zusammenfassung zeigt sowohl bereits beobachtete Veränderungen als auch Zukunftsprojektionen. Zentrale Themen sind Hitze, Dürren, Hochwasser, Vegetationsveränderungen, Biodiversitätsverluste und Kaskadeneffekte. Schäden könnte

1 hr 2 min
Aug 4, 2025Episode 149
DK149: Nur ein Hauch von Gas: Wie gelingt Österreich die Transformation?

Und: Wann kriegen wir endlich mehr Windräder? DK149: Nur ein Hauch von Gas: Wie gelingt Österreich die Transformation? Und: Wann kriegen wir endlich mehr Windräder? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen und erklären den aktuellen Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel. In Folge 149 geht es um die Zukunft. Wenn Österreich klimaneutral werden will, dann geht das zumindest in der Theorie. Wie es in der Praxis aussehen kann, was das alles kostet, wer die Transformation behindert und was helfen würde: Genau das ist das Thema des letzten Kapitels im Österreichischen Sachstandsbericht und Thema dieser Folge. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Hier ist der Link zum achten Kapitel des Sachstandsberichts. Transformationspfade für den Klimaschutz in Österreich Im letzten Kapitel des Berichts dreht sich alles um mögliche Transformationspfade hin zu einer klimafreundlichen Gesellschaft. Es geht nicht um Einzelmaßnahmen, sondern um tiefgreifende Veränderungen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Technik – kurz: eine systemische Transformation. Was sind Transformationspfade? Transformationspfade sind langfristige, tiefgreifende Veränderungen, die über bloße technische Lösungen hinausgehen. Sie umfassen kulturelle, institutionelle und soziale Aspekte. Dabei werden unterschiedliche Ansätze verfolgt, von technikorientierten bis hin zu gerechtigkeitszentrierten Perspektiven. Zentral ist die Abkehr vom Denken in Einzelmaßnahmen hin zu einem systemischen Verständnis: Wie muss sich die Gesellschaft als Ganzes verändern, um klimaneutral zu werden? Planetare Grenzen und die Dringlichkeit der Transformation Ein zentrales Argument für die Notwendigkeit tiefgreifender Transformationen liefert das Konzept der planetaren Grenzen. Diese ökologischen Belastungsgrenzen dürfen nicht überschritten werden, um die Lebensgrundlage der Menschheit zu sichern. Österreich hat bereits sechs von neun planetaren Grenzen überschritten – unter anderem bei CO₂-Emissionen, Phosphor- und Stickstoffeintrag sowie der Landnutzung. Diese Überschreitungen haben nicht nur ökologische, sondern auch soziale Folgen – von sinkender Lebenserwartung bis hin zu Gefährdungen der Demokratie. Von der Maßnahme zur Transformation Ein Umstieg vom Benziner auf ein E-Auto ist eine Maßnahme. Eine Transformation hingegen würde bedeutet, den städtischen Raum so zu gestalten, dass Fuß- und Radverkehr im Mittelpunkt stehen. Transformationen dieser Größenordnung werden notwendig, um innerhalb der planetaren Grenzen zu bleiben. Gleichzeitig bieten sie

56 min
Jul 28, 2025Episode 148
DK148: Windrad statt Gipfelkreuz: Die Alpen in der Klimakrise

Und: Wie leben wir in Zukunft in den Bergen? DK148: Die Alpen in der Klimakrise Und: Gibt es bald Alpenrüben? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen und erklären den aktuellen Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel. In Folge 148 geht es in die Berge! Wir schauen uns die Alpen an, die ganz besonders wichtig für Österreich sind. Für das Land insgesamt aber natürlich auch angesichts der Klimakrise. Wir diskutieren, was sich dort in der Natur verändert, aber auch die Auswirkungen auf die Alpen als Wirtschafts- und Lebensraum. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Hier ist der Link zum siebten Kapitel des Sachstandsberichts. Die Alpen im Klimawandel: Ein umfassender Überblick Kapitel 7 des österreichischen Sachstandsberichts zum Klimawandel beleuchtet die alpinen Regionen unter verschiedenen Aspekten – als Naturraum, Wirtschafts- und Versorgungsraum sowie als Lebensraum für Menschen. Wie gehen auf die klimatischen, ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen ein, die sich in den Alpenregionen durch den Klimawandel ergeben. Österreich und die Alpen Österreich besitzt mit 29 % den größten Flächenanteil der Alpen, rund 65 % der Landesfläche sind alpin geprägt. Dennoch leben dort nur etwa 40 % der Bevölkerung – mit regionalen Unterschieden: Während die Westregionen wie Tirol und Vorarlberg wachsen, sind viele östliche Seitentäler von Abwanderung betroffen. Die räumliche Enge, hohe Grundstückspreise und Herausforderungen bei der Infrastrukturplanung machen die alpine Siedlungsentwicklung besonders komplex. Der Begriff „Dauersiedlungsraum“ (DSR) hilft dabei, jene Gebiete zu beschreiben, die ganzjährig bewohnt und bewohnbar sind – ein wichtiger sozioökonomischer Faktor. Dreifacher Blick auf die Alpen: Natur, Wirtschaft, Lebensraum Die Betrachtung der Alpen erfolgt aus drei Perspektiven: Naturraum – mit Fokus auf Ökosysteme, Artenvielfalt und Naturgefahren. Wirtschafts- und Versorgungsraum – etwa durch Tourismus, Energie und Landwirtschaft. Lebensraum für Menschen – inklusive Mobilität und Siedlungsstrukturen. Die Alpen sind ein Biodiversitäts-Hotspot: 40 % der europäischen Flora sind hier beheimatet, darunter viele endemische Arten. Ihre besondere Geografie mit starken Temperatur- und Höhenunterschieden auf engem Raum macht sie besonders anfällig für klimatische Veränderungen. Klimatische Entwicklungen: Mehr als Gletscherverlust Die durchschnittliche Temperatur in den Alpen ist bereits um 3,1 °C gestiegen – doppelt so viel wie im globalen Durchschni

1 hr
Jul 21, 2025Episode 147
DK147: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Klimapolitik in Österreich

Und: Was kostet uns das Nichtstun? DK147: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Klimapolitik in Österreich Und: Was kostet uns das Nichtstun? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen und erklären den aktuellen Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel. In Folge 147 geht es um die Politik! Aber auch um Bildung, Medien, Migration und was sonst noch alles im Rahmen der Klimapolitik eine Rolle spielt. Wir diskutieren, welche Möglichkeiten die Politik hat - und warum sie in Österreich nicht genutzt werden. Außerdem geht es um die Kosten der Transformation und die (viel höheren) Kosten des Nichtstuns. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Hier ist der Link zum sechsten Kapitel des Sachstandsberichts. Klimagovernance als Schlüssel zur Transformation In Folge 147 geht es um Politik. Im Zentrum steht die Klimagovernance – also die politische, rechtliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Steuerung der Transformation zur Klimaneutralität. Wir besprechen, warum effektive Klimaaktion immer mehrere Dimensionen verbinden muss: rechtliche Rahmen, wirtschaftliche Anreize, politische Entscheidungsprozesse und gesellschaftliche Dynamiken. Drei große Problemkomplexe auf dem Weg zur Dekarbonisierung Zu Beginn geht es um drei zentrale Hindernisse, die laut Bericht einer effektiven Transformation entgegenstehen: Wachstumsorientierte Wirtschaftssysteme: Der Fokus auf Profit, Wettbewerb und Wachstum ist tief in der gesellschaftlichen Vorstellung von Wohlstand und Fortschritt verankert. Diese Logik erschwert strukturelle Veränderungen – zum Beispiel weg von fossilen Energien oder hin zu einer nachhaltigen Mobilität. Macht- und Interessenskonflikte: Große Teile der Bevölkerung profitieren noch immer von einem nicht-nachhaltigen Lebensstil. Das erschwert die gesellschaftliche Akzeptanz für weitreichende Veränderungen und begünstigt die Beibehaltung des Status quo. Trägheit politischer Prozesse: Politische Entscheidungen orientieren sich oft an bestehenden Strukturen und Machtverhältnissen. Mut zu tiefgreifenden Reformen fehlt meist – transformative Politik bleibt selten. Klimapolitische Rahmenbedingungen: Von Paris bis Wien Auf internationaler Ebene ist das Pariser Klimaschutzabkommen zentral. Österreich ist über die EU an das Ziel gebunden, bis 2030 die Emissionen um 55 % gegenüber 1990 zu senken und will selbst bis 2040 klimaneutral werden. Nationale Regelungen wie das „Nachhaltigkeitsziel“ in der Verfassung haben jedoch nur begrenzte Wirkung – unter anderem, weil das geplante Klimaschutzgesetz fehlt oder nicht bindend genug ist. Akteur:innen

1 hr 6 min
Jul 14, 2025Episode 146
DK146: Wie wir als Individuen eine klimafreundliche Gesellschaft formen können

Und: Wann kommt der soziale Kipppunkt? DK146: Wie wir als Individuen eine klimafreundliche Gesellschaft formen können Und: Wann kommt der soziale Kipppunkt? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen und erklären den aktuellen Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel. In Folge 146 geht es um das, was wir tun können, um der Klimakrise sinnvoll zu begegnen. Wir schauen uns das fünfte Kapitel des Sachstandsbericht an, in dem es um die Wechselwirkung zwischen individuellen Entscheidungen und einer gesellschaftlichen Transformation geht. Und da lässt sich überraschend viel machen! Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Hier ist der Link zum fünften Kapitel des Sachstandsberichts. Vom individuellen Verhalten zum gesellschaftlichen Wandel Ein zentrales Thema des fünften Kapitel des Sachstandsberichts ist die Wechselwirkung zwischen individuellen Entscheidungen und strukturellen Rahmenbedingungen. Einzelpersonen treffen Entscheidungen nicht isoliert, sondern eingebettet in soziale, kulturelle und infrastrukturelle Kontexte. Das Kapitel verwendet zwei zentrale Modelle: COM-B-Modell: Betrachtet Fähigkeiten (Capabilities), Möglichkeiten (Opportunities) und Motivation (Motivation) als Einflussfaktoren für Verhaltensänderungen. Soziale Kipppunkte: Beschreiben, wie neue Praktiken durch kollektives Handeln und soziale Normveränderungen in die Breite wirken können. Wohlbefinden und Klimaschutz Wie hängt unser individuelles Wohlbefinden mit klimafreundlichem Verhalten zusammen. In der Abbildung 5.1 werden verschiedene Indikatoren für Wohlbefinden verglichen, darunter der OECD-Index „House Life“ und der „World Happiness Report“. Österreich schneidet im internationalen Vergleich in allen Bereichen überdurchschnittlich gut ab. Gleichzeitig wird betont, dass sich Wohlbefinden durchaus steigern lässt, ohne die Klimakrise zu verschärfen – etwa durch gemeinschaftliche Wohnformen, reduzierte Wohnflächen oder aktiven Klimaschutz. Tatsächlich kann ein Engagement für den Klimaschutz das subjektive Wohlbefinden sogar erhöhen. Ungleichheiten und Energiearmut Obwohl Österreich insgesamt gut aufgestellt ist, bestehen weiterhin soziale Ungleichheiten, insbesondere im Bereich der Energiearmut. Menschen mit niedrigerem Einkommen, Alleinerziehende oder Personen mit Migrationshintergrund sind besonders anfällig. Der Ber

1 hr 4 min
Jul 7, 2025Episode 145
DK145: Energie, Arbeit, Rohstoffe: Wie wird das Versorgungssystem klimafreundlich?

Und: Wo erholen wir uns in der Klimakrise? DK145: Energie, Arbeit, Rohstoffe: Wie wird das Versorgungssystem klimafreundlich? Und: Wo erholen wir uns in der Klimakrise? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen und erklären den aktuellen Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel. In Folge 145 geht es um viel. Nämlich einerseits um fast alles, was in Österreich so produziert wird. Aber auch um andere Sachen, die wichtig für uns sind, zum Beispiel Erholung, Tourismus und Arbeit. Und weil das alles mit Energie zu tun hat, schauen wir uns die komplette Energieversorgung von Österreich auch noch an. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Hier ist der Link zum vierten Kapitel des Sachstandsberichts. Die Struktur des Versorgungssystems Kapitel 4 des Österreichischen Sachstandsberichts zum Klimawandel trägt den Titel „Provision of Goods and Services in a Climate Resilient Economy via Materials, Energy and Work“. Das Thema ist komplex und umfasst zahlreiche ineinandergreifende Bereiche, die durch eine zentrale Grafik erläutert werden. Abbildung 4.1zeigt das Zusammenspiel zwischen ökologischer und gesellschaftlicher Sphäre. In der gesellschaftlichen Sphäre befindet sich das Versorgungssystem, das aus Bereichen wie Landwirtschaft, Mobilität, Gebäuden, Tourismus und Arbeit besteht. Dieses System ist auf Materialien, Energie und Arbeit angewiesen und beeinflusst sowohl das menschliche Wohlbefinden als auch die Umwelt. Die Darstellung verdeutlicht, wie stark diese Bereiche miteinander verknüpft sind und wie wichtig es ist, sie klimafreundlich zu gestalten. Materialflüsse und Emissionen in Österreich Ein weiteres zentrales Thema ist der Materialfluss in Österreich, wie in Abbildung 4.3 veranschaulicht: Hier zeigt sich: Der Großteil des eingesetzten Materials wird für Bauprojekte verwendet, ein kleinerer Teil für Konsumgüter wie Kleidung und Möbel. Ein erheblicher Teil der Materialien endet als Abfall oder wird als Treibhausgas in die Atmosphäre abgegeben. Das Problem: Österreichs Materialfußabdruck ist nur minimal gesunken und liegt im internationalen Verglei

1 hr 5 min
Jun 30, 2025Episode 144
DK144: Asphalt und Abgase: Städte und Verkehr in der Klimakrise

Und: Warum kauft man in Österreich so viele SUVs? DK144: Asphalt und Abgase: Städte und Verkehr in der Klimakrise Und: Warum kauft man in Österreich so viele SUVs? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen und erklären den aktuellen Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel. In Folge 144 geht es um zwei große Brocken am Weg in eine klimafreundliche Zukunft: Gebäude und Mobilität. Wir alle leben irgendwo und wir alle bewegen uns fort. Aber genau dadurch schaden wir derzeit dem Klima ziemlich stark. Das müssen wir ändern und wir schauen uns in dieser Folge an, wo die Probleme liegen und wie wir das hinkriegen können. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Hier ist der Link zum dritten Kapitel des Sachstandsberichts. Gebäude und Mobilität Kapitel 3 des Österreichischen Sachstandsberichts zum Klimawandel beschäftigt sich mit Gebäuden und mit Mobilität Beide sind tief in gesellschaftliche, politische und technologische Strukturen eingebettet. Die Vielzahl der beteiligten Disziplinen kann man sich in Abbildung 3.1 ansehen, die gleichzeitig auch zeigt, dass wir es mit einem komplexen Feld zu tun haben. https://aar2.ccca.ac.at/chapter/3/AAR2_fig-3-1.png Schon heute stammen 75 % der globalen Treibhausgasemissionen aus urbanen und suburbanen Siedlungen – ein Trend, der sich bis 2050 noch verstärken wird. Für Österreich prognostiziert man einen Anstieg der Urbanisierungsrate auf 71 %. Städte sind besonders anfällig für Hitzewellen und Starkregen, was durch Hitzeinseln, Bodenversiegelung und dichte Bebauung verschärft wird. Neben physikalischen Faktoren wird auch die soziale Dimension betont: Phänomene wie Gentrifizierung – insbesondere grüne Gentrifizierung – führen dazu, dass einkommensschwächere Gruppen aus ökologisch aufgewerteten Stadtteilen verdrängt werden. Ein besonders kritischer Aspekt ist die hohe Bodenversiegelung in Österreich. Aber auch der Landverbrauch (z. B. durch Freizeitnutzung oder Wirtschaftswald) ist ein Problem. Wie zersiedelt Österreich ist, kann man anhand der Abbildungen 3.5 und 3.6 sehen: https://aar2.ccca.ac.at/chapter/3/AAR2fig-3-5.jpg https://aar2.ccca.ac.at/chapter/3/AAR2fig-3-6.jpg Trotz EU-Zielen wie „No Net Land Take“ bis 2050 fehlt in Österreich eine bundesweite Strategie, was durch den föderalen Aufbau zusätzlich erschwert wird. In Tabelle 3.1 wird veranschaulicht, wie Österreich wohnt: Die Mehrheit der Gebäude gehört Privatpersonen, meist in Form von Einfamilien

52 min
Jun 23, 2025Episode 143
DK143: Mehr Wald und weniger Schnitzel: Wie transformieren wir die Landwirtschaft?

Und: Haben wir bald Wein aus dem Waldviertel? DK143: Mehr Wald und weniger Schnitzel: Wie transformieren wir die Landwirtschaft? Und: Haben wir bald Wein aus dem Waldviertel? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen und erklären den aktuellen Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel. In Folge 143 geht es um die Landwirtschaft. Aber auch um den Wald, unsere Nahrung, unsere Gesundheit, unser Essen und unsere Freizeit. All das hängt mit der Landschaft zusammen und der Art und Weise, wie wir sie nutzen. In Kapitel 2 des Österreichischen Sachstandsberichts zum Klimawandel wird diskutiert, wie sich die Klimakrise auf all diese Aspekte in Österreichs Zukunft auswirken wird. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Hier ist der Link zum zweiten Kapitel des Sachstandsberichts. Landwirtschaft und noch viel mehr Kapitel 2 des Österreichischen Sachstandsberichts zum Klimawandel beschäftigt sich mit der Landwirtschaft. Aber nicht nur damit! Es geht auch um alles andere, was das Land so zu bieten hat. Es geht um Wälder und Forstwirtschaft, um Landnutzung und um Landnutzungsänderungen und um die “Ökosystemdienstleistungen”, also all das, was Land und Wald uns darüber hinaus noch bieten. Zum Beispiel Erholung, Tourismus und kulturelle Identifikation. Die Klimakrise wird das alles beeinflussen und was da genau passieren wird und wie wir damit umgehen, wird uns in Kapitel 2 beschäftigen. Die Landwirtschaft verursacht in Österreich etwa 10 % der gesamten Treibhausgasemissionen, wobei Methan (aus der Viehhaltung) und Lachgas (aus Böden) dominieren. Zusammengenommen mit der Forstwirtschaft betrugen die Emissionen aus dem Sektor 2023 fast 20 % der nationalen Gesamtemissionen. Grenzüberschreitende Auswirkungen Etwa 45 % der in Österreich konsumierten Agrarprodukte stammen aus dem Ausland. Zwei Drittel der damit verbundenen Treibhausgasemissionen entstehen außerhalb Österreichs – hauptsächlich in Europa, Asien und Lateinamerika. Ein besonders klimaschädliches importiertes Produkt ist Leder: Nur 0,7 % der Emissionen seiner Herstellung fallen in Österreich an, während 25 % in Indien entstehen. Auch Österreichs Bioenergieversorgung ist nicht autark – 39 % des energetisch genutzten Holzes stammen aus Importen. Diese Zusammenhänge verdeutlichen die globale Verantwortung nationaler Konsummuster. Ökosystemdienstleistungen und Klimawandel Eine zentrale Quelle dieser Episode ist Tabelle 2.2, die potenzielle Auswirku

48 min
Jun 17, 2025Episode 142
DK142 - Österreich ist heiß(er)

Und: Warum wir uns von den Gletschern verabschieden müssen Hier ist der Link zum ersten Kapitel des Sachstandsberichts. Was macht Österreich besonders? Österreich nimmt aufgrund seiner Geografie eine besondere Stellung in Europa ein. Zwei Drittel des Landes sind von Gebirgen geprägt. Diese topografische Vielfalt bringt sehr unterschiedliche klimatische Bedingungen mit sich. So reichen die Jahresmitteltemperaturen in verschiedenen Regionen von minus sechs bis plus zwölf Grad. In einem Land dieser Größe ist das außergewöhnlich. Gleichzeitig treten extreme Unterschiede auf – von Schneefall im Hochgebirge bis zu heißen Sommertagen in Tieflagen. Die Folge: Österreich reagiert besonders empfindlich auf klimatische Veränderungen. Der doppelte Temperaturanstieg Besonders deutlich zeigt sich das am Anstieg der mittleren Lufttemperatur. Während die globale Durchschnittstemperatur seit Beginn der Industrialisierung um etwa 1,6 Grad gestiegen ist, beträgt die Erwärmung in Österreich bereits 3,1 Grad. Diese Erwärmung betrifft nicht nur das Flachland, sondern ist auch in mittleren Höhenlagen über 500 Meter sehr deutlich zu beobachten. Auch die Zahl tropischer Nächte – Nächte, in denen es nicht unter 20 Grad abkühlt – hat zugenommen. Österreich liegt also schon jetzt über dem globalen Mittel und wird laut Projektionen auch in Zukunft stets etwas stärker betroffen sein. Selbst wenn die globale Erwärmung auf 1,5 Grad begrenzt würde, müsste Österreich mit rund zwei Grad Erwärmung rechnen. Bei zwei Grad globaler Erwärmung liegt die erwartete Erwärmung in Österreich bei etwa 2,6 Grad. Eine Faustregel, die der Bericht vorschlägt, lautet: Die österreichische Erwärmung beträgt etwa das 1,3-Fache der globalen Erwärmung – ein Verhältnis, das mit hoher wissenschaftlicher Sicherheit („High Confidence“) angenommen wird. Unsicherheiten beim Niederschlag Im Gegensatz zur Temperatur ist die Entwicklung des Niederschlags schwieriger vorherzusagen. Der Bericht geht davon aus, dass sich der Winterniederschlag erhöhen wird, während es im Sommer tendenziell trockener wird – besonders in den östlichen Landesteilen. Diese Projektionen basieren auf komplexen Modellen, die aufgrund der kleinräumigen Topografie Österreichs nur begrenzt genaue Aussagen auf lokaler Ebene zulassen. Gleichzeitig nimmt die Intensität kurzer, heftiger Niederschlagsereignisse zu – insbesondere zwischen Mai und September. Dies passt zur erhöhten Verdunstung durch steigende Temperaturen. Wasserhaushalt unter Druck Ein Thema, das Österreich besonders betrifft, ist der Wasserhaushalt. Durch die steigende Verdunstung in Folge höherer Temperaturen verlieren Flüsse und Seen zunehmend an Wasser. Besonders betroffen ist beispielsweise der Neusiedler See, der in den Jahren 2021 und 2022 stark unter Trockenheit litt. Obwohl der durchschnittliche Ni

37 min
Jun 17, 2025Episode 141
DK141 - Der Zweite Österreichische Sachstandsbericht zum Klimawandel

Und: Was unterscheidet Österreich vom Rest der Welt? DK141: Der Zweite Österreichische Sachstandsbericht zum Klimawandel Und: Was unterscheidet Österreich vom Rest der Welt? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lesen und erklären den aktuellen Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel. In Folge 141 starten wir etwas Neues. Ab jetzt und in den nächsten 9 Folgen werden wir den “Zweiten Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel” lesen und besprechen. Denn Österreich mag zwar ein kleines Land sein, aber ist aus Sicht des Klimas erstens durchaus interessant. Und man kann zweitens viel über Klimaforschung und -politik lernen, was auch anderswo in der Welt eine Rolle spielt. Zum Auftakt sprechen wir mit Daniel Huppmann vom IIASA in Laxenburg, einem der Co-Chairs des Projekts, über den Bericht selbst. Warum braucht Österreich einen eigenen Bericht? Wer schreibt ihn und in welchem Auftrag? Was steht da alles drin und wie unterscheidet sich das ganze Prozedere vom globalen Sachstandsbericht des IPCC? Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Der Zweite Österreichische Sachstandsbericht zum Klimawandel Der Zweite Österreichische Sachstandsbericht zum Klimawandel wird im Juni 2025 erscheinen. Der letzte Bericht dieser Art ist 2014 erschienen und seitdem hat sich viel getan. Zu Gast ist Daniel Huppmann, Klimaforscher am IIASA (Internationales Institut für Angewandte Systemanalyse) und einer der vier Co-Chairs des AAR2 (Second Austrian Assessment Report on Climate Change), wie der Bericht offiziell heißt. Daniel hat uns schon in Folge 2 dieses Podcasts erklärt, wie der Sachstandsbericht des IPCC funktioniert und berichtet in dieser Folge von den Entstehungsprozessen und Herausforderungen, die mit der Koordination eines solchen nationalen Großprojekts verbunden sind. Mehr als 150 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben an den acht Kapiteln des Berichts mitgearbeitet. Die Struktur orientiert sich grundsätzlich am IPCC, doch bewusst wurden auch Abweichungen vorgenommen, etwa durch die Integration interdisziplinärer Perspektiven in thematisch aufgebaute Kapitel, statt einer Trennung nach Arbeitsgruppen wie im IPCC. Ein wesentlicher Unterschied zum internationalen Vorbild liegt im verstärkten Stakeholder-Prozess. Vertreterinnen und Vertreter aus Verwaltung, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft wurden aktiv eingebunden, um sicherzustellen, dass der Bericht nicht nur wissenschaftlich fundiert ist, sondern auch gesellschaftlich relevant und verständlich (hier grafisch dargestellt). Ein Beteiligungsverfahren wie etwa ein Bürger*innenrat wurde jedoch

39 min
May 26, 2025Episode 140
DK140 - Ein Peitschenschlag mit Regen und Dürre

Und: Kriegen wir ein klimatisches Schleudertrauma? DK140: Ein Peitschenschlag mir Hitze und Dürre Und: Kriegen wir ein klimatisches Schleudertrauma? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 140 holt das Klima mit der Peitsche aus und erwischt uns heiß-kalt. Oder besser: Trocken und feucht. Wir diskutieren über Ereignisse, bei denen starker Regen auf starke Dürre folgt, was in Kombination viel schlimmer ist als die beiden Einzelereignisse zusammen. So ein “Peitschenschlag” wird in einer wärmeren Welt noch dazu viel häufiger vorkommen. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Hydroklimatischer Whiplash In dieser Folge geht es um sogenannte hydroklimatische Whiplash-Ereignisse – also extreme Wechsel zwischen Dürreperioden und Starkregen. Diese sich schnell abwechselnden Wetterextreme wirken oft verstärkend aufeinander und treten infolge der globalen Erwärmung immer häufiger auf. Ein zentrales Paper mit dem Titel „Hydroclimate volatility on a warming Earth“ zeigt, dass diese Wechsel weltweit bereits um bis zu 66 % zugenommen haben (bei Betrachtung dreimonatiger Intervalle) und sich bei weiterem Temperaturanstieg (z. B. +3 °C) mehr als verdoppeln könnten. Europa ist besonders stark betroffen. Wir reden über Atmosphärische Ursachen: Mit steigenden Temperaturen nimmt die Fähigkeit der Luft zu, Wasser zu speichern. Dadurch kommt es vermehrt zu Starkregen und gleichzeitig zu stärkerer Verdunstung, was Dürrephasen verschärft. Hydrologische Prozesse: Trockene Böden nehmen Wasser schlechter auf, was bei Starkregen zu Überschwemmungen führt. Die Vegetation kann weniger verdunsten, was die atmosphärische Erwärmung zusätzlich verstärkt. Jetstream-Veränderungen und Phänomene wie El Niño beeinflussen zusätzlich die Häufigkeit und Intensität solcher Extreme. Außerdem wird das sogenannte Extreme Precipitation Flood Paradox thematisiert: Trotz häufiger Starkregen gibt es nicht überall mehr Hochwasser, weil kleinere Überschwemmungen abnehmen, extreme Ereignisse jedoch zunehmen. Maßnahmenempfehlungen sind folgende: Anpassung der Wasserwirtschaft, etwa durch flexibler nutzbare Staudämme, die sowohl Dürre als auch Hochwasser berücksichtigen. Schwammstädte und naturnahe Hochwasserschutzmaßnahmen wie Feuchtgebietsrenaturierung. Verbesserung von Frühwarnsystemen und klimainformierter Infrastrukturplanung. Fazit: Diese komplexen, sich gegenseitig verstärkenden Klimaeffekte verlangen neue, integrative Lösungsansätze für Wasser- und Klimamanagement im Zeitalter der Erder

39 min
May 12, 2025Episode 139
DK139 - Dürfen wir noch über Kipppunkte reden?

Und: Wie sieht vernünftige Klimakommunikation aus? DK139: Dürfen wir noch über Kipppunkte reden? Und: Wie sieht vernünftige Klimakommunikation aus? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 139 geht es um Kipppunkte im Klimasystem. Also die Ereignisse, die einerseits dramatisch für das Klima sind und andererseits schnell passieren und nicht rückgängig gemacht werden können. Die sind definitiv wichtig wenn wir die Klimakrise verstehen wollen. Aber sie können kritisch in der Kommunikation der Klimakrise sein, wie eine neue Studie zeigt. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Kommunizieren mit Kipppunkten Claudia hat sich die Studie “Tipping points’ confuse and can distract from urgent climate action” angesehen. Der Titel sagt schon, worum es geht. DIe Autor:innen argumentieren, dass es in der Klimakommunikation gar nicht so gut sein könnte, sich zu sehr auf die Kipppunkte zu konzentrieren. Die wurden zwar um das Jahr 2000 herum in der Klimaforschung eingeführt, um zu mehr sinnvollen Klimaschutzmaßnahmen zu motivieren. Aber, so die neue Studie, erstens ist das alles ein wenig verwirrend, denn auch wenn Kipppunkte aus Klimasicht abrupt stattfinden, tun sie das aus menschlicher Sicht vielleicht nicht. Zweitens führt die Kommunikation über Kipppunkte nicht zu den gewünschten politischen Auswirkungen. Und drittens verwechseln viele Menschen Kipppunkte mit Klimazielen. Das heißt nicht, dass man gar nicht mehr über Kipppunkte reden soll. Immerhin SIND sie ja sehr relevante Phänomene im Klimasystem der Erde und die Wissenschaft muss sich - genau so wie die Kommunikation - damit beschäftigen. Aber man muss sich dabei ein wenig mehr Mühe geben, um auch die richtige Botschaft zu vermitteln und keinen falschen Eindruck zu erzeugen, der am Ende zu Maßnahmen führt, die wenig hilfreich für den Klimaschutz sind. Live Shows Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live. Hinweis zur Werbung und Unterstützung Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal. Kontakt und weitere Projekte Wenn ihr Fragen oder Feedback habt,

38 min
Apr 28, 2025Episode 138
DK138 - Quallen essen für das Klima?

Und: Wie kriegt man die Qualle knusprig? DK138 - Quallen essen für das Klima? Und: Wie kriegt man die Qualle knusprig? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 138 geht es um ein mögliches Nahrungsmittel für eine klimafreundliche Zukunft. Quallen gibt es jede Menge im Meer, es wäre besser für die Ökosysteme wenn es weniger davon gibt und sie sind prinzipiell sinnvolle Lebensmittel. Wir müssen aber auch sinnvolle Wege finden, sie nachhaltig zu fischen und vor allem so zuzubereiten, dass sie auch den Menschen außerhalb von Asien schmecken. Wie das geht und was es da für Rezepte gibt, hört ihr in der neuen Folge. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Das Klima und die Qualle auf dem Teller Wenn wir über Essen und Klima sprechen, landen wir schnell bei einem riesigen Thema: Landwirtschaft, Emissionen, Methan aus der Tierhaltung, Regenwald für Soja – kurzum: ein komplexer Klima-Megabereich. Doch heute geht es nicht um das große Ganze, sondern um ein scheinbares Randthema, das überraschend viel Potenzial bietet: Quallen als Lebensmittel. In Asien sind Quallen schon lange Teil der traditionellen Küche. Die dort verwendeten essbaren Arten gehören zu den Wurzelmundquallen, die übrigens nicht nur im Pazifik, sondern auch im Mittelmeer und in der Nordsee vorkommen. In Europa allerdings gelten Quallen bisher vor allem als lästiger Beifang – sie verstopfen Fischernetze, nerven Badegäste und bringen Kühlkreisläufe in Kraftwerken durcheinander. Dabei könnten sie eine Chance für nachhaltigere Ernährung sein. Denn: Die Zahl der Quallen nimmt weltweit zu – begünstigt durch Überfischung ihrer Fressfeinde (z. B. Thun- und Schwertfische) und steigende Meerestemperaturen, die wiederum das Wachstum von Mikroalgen fördern – der Lieblingsspeise vieler Quallen. Zu viele Quallen können allerdings das maritime Ökosystem stören. Warum also nicht mehr davon essen? Die FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN) hat bereits 2022 dazu aufgerufen, neuartige Lebensmittel wie Quallen stärker zu nutzen. Und tatsächlich: Quallen sind ernährungsphysiologisch gar nicht so uninteressant. Sie sind: Kalorienarm: 75 g enthalten etwa 36 kcal – ähnlich wie Salat. Eiweißreich: Rund 4 g Protein auf 75 g. Fettarm, dafür aber mit Omega-3-Fettsäuren und Antioxidantien. Wir haben uns drei aktuelle Studien angesehen: “Jellyfish as Food: A Narrative Review”, eine Arbeit von 2021: <a href="https://doi.org/10.3390/su132212445"

27 min
Apr 14, 2025Episode 137
DK137 - Ist Digitalisierung gut für das Klima?

Und: Wie geht’s eigentlich dem Kaufhaus Österreich? Das Klima, Podcast, Wissenschaft, Wissenschaftskommunikation, Florian Freistetter, Claudia Frick, Klimaforschung, Klimawandel, Klimakrise, IPCC, DK137 - Ist Digitalisierung gut für das Klima? Und: Wie geht’s eigentlich dem Kaufhaus Österreich? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 137 geht es um die Digitalisierung. Ist das nicht besser fürs Klima als der analoge Kram mit Papier und so? Das ist nicht nur schwer zu beantworten, wie die Forschung zeigt, ist es sogar unbeantwortbar. Sicher ist: Wenn Digitalisierung, dann mit erneuerbaren Energien! Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Klimafreundliche Digitalisierung? Angefangen hat es mit einer simplen Frage „Was ist klimafreundlicher – Eine Rechnung auf Papier oder digital?“ Die Suche nach einer Antwort hat auf einer grundlegendes Problem geführt: Die Auswirkungen der Digitalisierung auf das Klima sind kaum vorhersagbar. Dazu haben wir uns die Studie “Rethinking digitalization and climate: Don’t predict, mitigate” angesehen. Deren zentrale Botschaft lautet: „Don’t predict, mitigate“ – also: nicht vorhersagen, sondern Auswirkungen abmildern. Die Studie benennt drei verbreitete, aber problematische Annahmen in der Forschung zu Digitalisierung und Klima: Quantifizierbarkeit: Es sei kaum möglich, den CO₂-Fußabdruck digitaler Prozesse präzise zu berechnen, da viele indirekte Effekte mitspielen. Stabilität von Entwicklungen: Die Annahme, dass sich technologische Entwicklungen in eine vorhersehbare, stabile Richtung bewegen, sei nicht haltbar. Vorhersagbarkeit von Investitionseffekten: Es sei ungewiss, welche tatsächlichen Effekte Investitionen in Digitalisierung langfristig haben. Diese Annahmen führen zu drei zentralen Unsicherheiten: Der tatsächliche CO₂-Fußabdruck digitaler Technologien Die Unvorhersehbarkeit menschlichen Verhaltens und technologischer Entwicklungen Die Unsicherheit über Erfolg und Nutzen von Digitalisierungsprojekten Statt auf schwierige Prognosen zu setzen, empfiehlt die Studie konkrete Mitigationsstrategien: Umstellung auf erneuerbare Energien: Damit können die Emissionen digitaler Technologien unabhängig vom Nutzungsverhalten reduziert werden – eine Art „Tsunami-Wand“ gegen die Klimafolgen der Digitalisierung. Agiles Veränderungsmanagement: Digitalisierung sollte als fortlaufender, dynamischer

35 min
Mar 31, 2025Episode 136
DK136 - Mehr Wölfe für den Klimaschutz

Und: Wie viel CO2 holt ein Wolf aus der Atmosphäre? DK136 - Mehr Wölfe für den Klimaschutz Und: Wie viel CO2 holt ein Wolf aus der Atmosphäre? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 136 reden wir über Wölfe. Denn so ein Wolf kann dafür sorgen, dass CO2 aus der Atmosphäre entfernt wird. Wie das genau geht und ob das dem Klima wirklich hilft, besprechen wir anhand aktueller wissenschaftlicher Studien. Das Fazit: Mehr Wölfe sind gut für das Klima, aber nur, wenn man sie richtig einsetzt. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Wölfe und das Klima Die Klimakrise schadet weltweit Ökosystemen – Tiere und Pflanzen sterben aus, Biodiversität geht verloren. Doch manche Arten könnten helfen, Ökosysteme widerstandsfähiger zu machen und sogar den Klimawandel abzuschwächen. Ein Tier, an das man dabei nicht sofort denkt, ist der Wolf. Über Jahrhunderte hinweg wurden Wölfe verfolgt und fast ausgerottet: Bereits seit dem 15. Jahrhundert gejagt, waren sie im 19. Jahrhundert in West- und Mitteleuropa nahezu verschwunden. Erst ab den 1980er Jahren wurden sie in vielen Ländern Europas unter Schutz gestellt, in der EU seit 1992. Mittlerweile hat sich der Wolf teilweise wieder angesiedelt: In Deutschland lebten im Jahr 2023 mindestens 184 Wolfsrudel, 47 Paare und 22 Einzeltiere. Österreich verzeichnete sechs Wolfsrudel, in der Schweiz gab es 2022 sogar schon 26 Rudel, allerdings wurde dort Ende 2023 der Schutzstatus gelockert, wodurch nun auch präventive Abschüsse erlaubt sind. Die EU plant ebenfalls, den Schutzstatus des Wolfs von „streng geschützt“ auf „geschützt“ zu reduzieren, wodurch eine begrenzte Bejagung möglich würde. Doch statt über Jagd oder die Gefahr für Weidetiere zu sprechen, lohnt es sich, die Rolle der Wölfe für das Klima näher zu betrachten. Zwei aktuelle Studien aus dem Jahr 2025 zeigen erstaunliche Zusammenhänge zwischen Wölfen und CO₂-Speicherung. Die erste Studie (“Wolf reintroduction to Scotland could support substantial native woodland expansion and associated carbon sequestration”) betrachtet die mögliche Wiederansiedlung von Wölfen in den schottischen Highlands. Dort wurden Wölfe bereits im 17. Jahrhundert ausgerottet und parallel Wälder abgeholzt oder verbrannt, um die Tiere zu vertreiben. Das Fehlen großer Raubtiere führte dazu, dass die Rotwildpopulation stark anwuchs und junge Baumsetzlinge fraß. Wälder konnten sich deshalb kaum natürlich regenerieren. In einer Modellstudie untersuchten Forschende nun, was passieren würde, wen

17 min
Mar 24, 2025Episode 135
DK135: Spezialfolge mit Gastpodcast “Klimagefühle"

Und: Was ist Klimaangst? DK135: Spezialfolge mit Gastpodcast “Klimagefühle” Und: Was ist Klimaangst? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 135 gibt es etwas spezielles: Ihr hört eine Folge des Podcasts “Klimagefühle”, der im Rahmen einer Lehrveranstaltung an der LMU München entstanden ist. Franzi, Greta und Lea erzählen über ein ganz besonderes Klimagefühl, nämlich die Klimaangst. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Klimagefühle Der Podcast “Klimagefühle” ist Anfang 2025 im Rahmen einer Lehrveranstaltung von Mitho Müller und Florian Freistetter an der LMU München entstanden. Die Teilnehmer:innen sollten Themen aus der Klimapsychologie in Form einer Podcastfolge ausarbeiten. Das Resultat einer Gruppe könnt ihr in dieser Spezialfolge hören. Das Intro/Outro von “Klimagefühle” ist Good Vibe Background Music by SethMakesSounds, Creative Commons 0 Live Shows Tickets für die Sternengeschichten Live Tour 2025 von Florian gibt es unter sternengeschichten.live. Hinweis zur Werbung und Unterstützung Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal. Kontakt und weitere Projekte Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an [email protected]. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm. Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei WRINT Wissenschaft”-Podcast zu hören (den es <a href="https://open.spotify.com/show/

1 hr 1 min
Mar 17, 2025Episode 134
DK134: Klimapsychologie - Wir müssen alle Hippies werden!*

Und: Warum handeln wir nicht endlich? DK134: Klimapsychologie - Wir müssen alle Hippies werden! Und: Warum handeln wir nicht endlich? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 134 haben wir einen Gast: Mitho Müller von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Mitho arbeitet in der klinischen Entwicklungspsychologie und beschäftigt sich mit Klimapsychologie – also der Frage, warum wir trotz wissenschaftlicher Erkenntnisse nicht genug gegen den Klimawandel unternehmen. Genau das erklärt er uns ausführlich und auch, warum wir alle Hippies werden sollen. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Was ist Klimapsychologie? Mitho Müller ist forscht an der LMU München und erklärt zunächst, was Klimapsychologie überhaupt ist. Der berühmte Wissenschaftsvermittler Carl Sagan und sein Konzept des Pale Blue Dot (ihr könnt in dieser Podcastfolge mehr dazu hören dienen als Ausgangspunkt für die Diskussion darüber, warum es für uns so schwierig ist, Verantwortung zu übernehmen. Warum handeln wir nicht? Obwohl die Wissenschaft schon lange vor den Folgen des Klimawandels warnt, gibt es viele psychologische Gründe für unsere Untätigkeit: Verdrängung: Menschen neigen dazu, bedrohliche Themen auszublenden, um sich nicht unwohl zu fühlen. Psychologische Distanz: Die Folgen des Klimawandels scheinen oft weit weg – zeitlich und geografisch. Gewohnheiten und Bequemlichkeit: Veränderung erfordert Energie, und unser Gehirn bevorzugt den einfacheren Weg. Ideologische Filter: Politische Zugehörigkeit beeinflusst, wie Menschen wissenschaftliche Fakten bewerten. Psychische Auswirkungen des Klimawandels Die Klimakrise hat nachweisbare psychologische Folgen: Klimadepression: Menschen erleben Angst, Hoffnungslosigkeit und Trauer über die Zerstörung ihrer Umwelt. Solastalgie: Verlustgefühle, weil sich vertraute Orte durch den Klimawandel verändern oder verschwinden. Aggressivität und Stress: Hitzewellen und Umweltveränderungen steigern nachweislich Stress und Gewaltbereitschaft. Kann man etwas gegen Klimadepression tun? Ja! Mitho erklärt, dass individuelle Handlungen psychologisch sinnvoll sind – auch wenn sie allein den Klimawandel nicht aufhalten. Wer nachhaltiger lebt, fühlt sich

43 min
Mar 3, 2025Episode 133
DK133 - Kinderwunsch und Klimakrise

Und: Sind Menschen ohne Kinderwunsch alle egoistisch? DK133 - Kinderwunsch und Klimakrise Und: Wie beeinflussen die Gedanken an die Zukunft den Wunsch nach Kindern? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 133 geht es um Kinder. Beziehungsweise um die Frage nach dem Kinderwunsch: Es gibt Menschen, die sich gegen Kinder entschieden haben und das auch mit der Klimakrise begründen. Aber wie sieht die Motivation da genau aus? Dazu gibt es Forschung und darüber reden wir in dieser Podcastfolge Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Kinderwunsch und Klimakrise Wir starten mit einem Überblick über die gesellschaftliche Erwartungen rund um den Kinderwunsch. Frauen werden oft schon früh gefragt, ob sie Kinder haben oder planen, welche zu bekommen. Während Männer seltener mit dieser Frage konfrontiert werden, müssen sich Frauen häufig rechtfertigen, wenn sie keine Kinder möchten. Mehr über all diese Vorurteile kann man in der Arbeit “The mother of violations: Motherhood as the primary expectation of women” nachlesen. Ein Beispiel für diesen gesellschaftlichen Druck liefert die Autorin und Stand-up-Comedienne Julia Brandner, die in ihrem kommenden Buch “I'm not kidding – Warum ich keine Kinder möchte und dafür keine Entschuldigung brauche” (erscheint am 6. März) über ihre Erfahrungen spricht (das Video über das wir sprechen kann man hier anschauen). Hauptthema ist aber die Arbeit “Exploring climate-reproductive concern: Factors influencing hesitancy towards parenthood in the context of the climate crisis”. Diese aktuelle Studie aus den USA hat untersucht, ob und wie stark sogenannte Climate Reproductive Concerns (CRC) – also klimabedingte Sorgen in Bezug auf Fortpflanzung – die Entscheidung gegen Kinder beeinflussen. In der Studie wurden ausschließlich Personen befragt, die keine Kinder haben, aber in irgendeiner Form die Klimakrise in ihre Entscheidung einbeziehen. Die Ergebnisse zeigen, dass 48 % der Befragten hohe Bedenken haben, 38 % mittlere und 14 % niedrige. Auffällig ist, dass die Bedenken nicht mit Alter, Geschlecht, Einkommen oder Beziehungsstatus zusammenhängen – jedoch mit der politischen Einstellung. Menschen mit liberalen (linken) Ansichten haben signifikant häufiger klimabezogene Sorgen im Zusammenhang mit Fortpflanzung. Warum

37 min
Feb 17, 2025Episode 132
DK132 - Der Grund für die Erwärmung der Meere

Und: Warum unterschätzen wir diese Erwärmung? DK132 - Der Grund für die Erwärmung der Meere Und: Warum unterschätzen wir diese Erwärmung? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 132 geht es um den Ozean. Das Wasser wird immer wärmer und diese Erwärmung beschleunigt sich. Ein neues mathematisches Modell zeigt einerseits, dass man dafür nicht alleine das El-Niño-Phänomen verantwortlich machen kann. Hauptursache ist die globale Erwärmung durch den Treibhauseffekt. Das Modell zeigt außerdem, dass wir die Erwärmung deutlich unterschätzen, wenn wir nur die vergangene Entwicklung als Maßstab nehmen. Oder anders gesagt: Es kommt heftiger, als wir bisher gedacht haben. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Warum steigt die Meerestemperatur? Die Temperatur der Ozeane steigt und das ist wichtig. Und warum ist die Temperatur der Ozeane so wichtig? Die Temperatur des Meeres beeinflusst zahlreiche klimatische Prozesse. Zwei wesentliche Gründe für ihr wissenschaftliches Interesse sind: Die Wärmespeicherfähigkeit der Ozeane: Der Ozean ist der größte Wärmespeicher unseres Planeten. Der thermosterische Anstieg des Meeresspiegels: Die Erwärmung des Wassers führt zur Ausdehnung und trägt somit zum Anstieg des Meeresspiegels bei – im Gegensatz zum eustatischen Anstieg, der durch das Schmelzen von Eis verursacht wird. Würde der gesamte Ozean nur um 0,1°C erwärmt, könnte dieselbe Wärmemenge die Atmosphäre um unglaubliche 100°C aufheizen. Das liegt daran, dass die Masse der Ozeane 250-mal größer ist als die der Atmosphäre und ihre Wärmekapazität viermal so hoch. Seit 1998 haben die Ozeane 84 % der globalen Erwärmung aufgenommen. Die Erwärmung zeigt einen klaren Trend nach oben, der sich auch in der Beschleunigung des thermosterischen Meeresspiegelanstiegs widerspiegelt. Zwischen 1971 und 2010 betrug dieser Anstieg 0,6 mm pro Jahr, heute liegt er bei etwa 46 % des gesamten Meeresspiegelanstiegs. Die Global Mean Sea Surface Temperature (GMSST) ist ein fundamentales diagnostisches Instrument für den Klimawandel. Die kürzlich veröffentlichte Studie “Quantifying the acceleration of multidecadal global sea surface warming driven by Earth's energy imbalance” untersucht die jüngsten Veränderungen der GMSST und deren Ursachen. Die drei Hauptfaktoren, die Änderungen der GMSST beeinflussen, sind: Luftverschmutzung und Aerosole (durch Menschen oder Vulkane) El Niño (eine natürliche Klimaschwankung) Da

48 min
Feb 3, 2025Episode 131
DK131 - Kontrafaktische Klimawissenschaft

Und: Wozu braucht man Storylines und Narrative in der Klimaforschung? DK131 - Kontrafaktische Klimawissenschaft Und: Wozu braucht man Storylines und Narrative in der Klimaforschung? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 131 geht es um Klima-Storylines. Das sind aber nicht einfach nur Geschichten. Sondern plausible kausale Ketten von Ursache und Wirkung die Klimaphänomene beschreiben. Man braucht sie, um Klimawandel und Extremereignisse für Wissenschaft, Politik und Gesellschaft greifbarer zu machen. Wie das funktioniert und was kontrafaktische Klimaforschung damit zu tun hat, diskutieren wir anhand aktueller Forschung in dieser Folge. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Klima-Storylines und warum das nicht einfach nur Geschichten sind Klima-Storylines (Physical Climate Storylines, PCS) sind eine besondere Methode in der Klimaforschung, die genutzt wird, um plausible Entwicklungspfade von Wetter- und Klimaereignissen nachzuvollziehen und ihre möglichen Auswirkungen verständlich darzustellen. Sie hilft Wissenschaftler*innen, plausible Entwicklungspfade von Wetter- und Klimaereignissen nachzuvollziehen und deren mögliche Auswirkungen verständlicher darzustellen. Dabei unterscheiden sich Storylines grundlegend von den klassischen Klimaszenarien, wie sie etwa im IPCC-Bericht verwendet werden. Während Szenarien auf Wahrscheinlichkeiten basieren und verschiedene mögliche Zukunftsentwicklungen modellieren, geht es bei Storylines nicht darum, vorherzusagen, wie wahrscheinlich ein bestimmtes Ereignis eintreten wird. Stattdessen stellen sie eine plausible Kette von Ursachen und Wirkungen dar, die hilft, klimatische Veränderungen und Extremereignisse besser zu verstehen. Wie das genau abläuft, hat man sich in der Arbeit “Varieties of approaches to constructing physical climate storylines: A review” angesehen, die wir in der Folge ausführlich besprechen. Ein zentrales Ziel physikalischer Klima-Storylines ist es, Klimawandel für verschiedene Zielgruppen greifbar zu machen – von Entscheidungsträgerinnen in der Politik bis hin zur breiten Öffentlichkeit. Sie werden insbesondere in der Analyse von Extremereignissen genutzt, zum Beispiel um zu untersuchen, wie sich ein bereits eingetretener Hurrikan unter anderen klimatischen Bedingungen entwickelt hätte. Forscher:innen können etwa berechnen, welche Auswirkungen eine höhere Meerestemperatur oder eine veränderte Luftfeuchtigkeit auf die Stärke und Zugbahn eines solchen Sturms gehabt hätten. Dieses Prinzip hilft d

38 min
Jan 20, 2025Episode 130
DK130 - Radikaler Klimaaktivismus hilft Umweltschutzorganisationen

Und: Warum die Letzte Generation & Co hilfreich für den Klimaschutz sind DK130 - Radikaler Klimaaktivismus hilft Umweltschutzorganisationen Und: Warum die Letzte Generation & Co hilfreich für den Klimaschutz sind "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 130 geht es um Klimaaktivismus. Wenn sich die “Letzte Generation” auf die Strasse klebt, dann regt das viele Menschen auf. Aber aktuelle Forschung zeigt, dass das trotz aller Aufregung auch positive Effekte hat. Wie radikaler Klimaaktivismus Einfluss auf Klimaschutz und Klimapolitik hat, besprechen wir in der aktuellen Folge. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Hör mal, wer da forscht Claudia war zu Gast im Podcast der TH Köln und hat dort über ihre Arbeit und unseren Podcast gesprochen Radikaler Klimaaktivismus ist nicht kontraproduktiv Am 13. Januar 2025 sorgte die Gruppe „Just Stop Oil“ (JSO) mit einer provokanten Aktion für Schlagzeilen: Aktivist*innen besprühten das Grab von Charles Darwin in London und hinterließen die Botschaft „1.5 is dead“. Doch was bringt eine derart schockierende Aktion tatsächlich, und wie reagiert die Öffentlichkeit darauf? Genau dazu gibt es eine aktuelle Forschungsarbeit (“Radical climate protests linked to increases in public support for moderate organizations” bzw hier als Volltext) Es geht um eine Aktion von JSO aus dem Jahr 2022: Im November kletterten Aktivist:innen auf Gerüste über der Fahrbahn, was zu Sperrungen und massiven Staus führte. Im Juli 2024 wurden fünf Beteiligte (darunter Mitbegründer Roger Hallam) wegen „conspiracy to cause public nuisance“ zu teilweise mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Urteile gelten als bislang härteste Strafen für gewaltfreien Protest in Großbritannien und wurden von UN-Vertreterinnen wie Volker Türk (Hoher Kommissar für Menschenrechte) und Michael Forst (Sonderberichterstatter zur

38 min
Jan 6, 2025Episode 129
DK129 - Mehr Erdbeben durch die Klimakrise

Und: Was ist eigentlich "wissenschaftliches Bohren"? DK129 - Mehr Erdbeben durch die Klimakrise Und: Warum kann man Erdbeben so schlecht vorhersagen? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 129 wird es wackelig. Die Klimakrise ist katastrophal, so viel ist klar. Aber nicht so klar ist, WIE katastrophal sie sein kann. Denn wenn der Meeresspiegel ansteigt, dann wird es auch mehr Erdbeben geben. Warum das so ist und welche Auswirkungen das haben wird, besprechen wir in der aktuellen Podcastfolge. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Mehr Erdbeben durch die Klimakrise Claudia hat sich den Artikel “Global Warming Will Increase Earthquake Hazards through Rising Sea Levels and Cascading Effects” angesehen. Darin geht es - wenig überraschend bei diesem Titel - um die Frage, wie die Klimakrise für mehr Erdbeben sorgen wird. Simpel gesagt hat das mit den veränderten Druckverhältnissen an den Küstenlinien und Bruchzonen der Erdkruste zu tun, wenn der Meeresspiegel ansteigt. Die Details des Vorgangs sind allerdings noch nicht ausreichend erforscht und das sollte möglichst bald passieren. Mehr Informationen zu diesem Thema gibt es auch in dieser Sendung des DLF Nova. Hinweis zur Werbung und Unterstützung Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal. Kontakt und weitere Projekte Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an [email protected]. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm. Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch regelmäßig im Science Busters Podcast und bei

29 min
Dec 23, 2024Episode 128
DK128 - Corona, Klima und ein ungelüfteter Planet

Und: Warum sorgt mehr CO2 für mehr Infektionen DK128 - Corona, Klima und ein ungelüfteter Planet Und: Warum kann man auf der Erde nicht einfach mal durchlüften? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 128 ist fast Weihnachten, aber wir beschäftigen uns mit Corona. Das gibt’s nämlich nicht nur noch, die Klimakrise sorgt auch dafür, dass wir uns leichter damit anstecken. Denn je mehr CO2 in der Luft ist, desto stabiler sind die Viren. In stickigen Räumen kann man lüften. Aber wenn die Klimakrise so weiter geht, dann ist bald die gesamte Erde ein ungelüfteter Raum, mit all den Nachteilen in Sachen Infektionskrankheiten, die das mit sich bringt. Frohe Weihnachten! Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Keine Weihnachtsfolge wegen Corona Bereits im letzten Jahr gab es eine Weihnachtsfolge, drum bleibt zum Jahreswechsel die Themenwahl eingeschränkt: Silvester und die bekannten Diskussionen um Feinstaub und Luftverschmutzung haben wir ja auch schon behandelt. Eine andere Möglichkeit ist ein Jahresrückblick. Und da lautet die Frage: Was haben wir über das Jahr fast vergessen, neben der Klimakrise vielleicht sogar ignoriert? Die Antwort: Corona. Interessanterweise gibt es neue wissenschaftliche Erkenntnisse, die einen direkten Zusammenhang zwischen der Klimakrise und der Corona-Verbreitung aufzeigen. Der Zusammenhang zwischen CO2 und SARS-CoV-2 Ein neues Paper ("Ambient carbon dioxide concentration correlates with SARS-CoV-2 aerostability and infection risk") untersucht die Verbindung zwischen CO2-Konzentration und der Stabilität von Coronaviren – jedoch anders als bisher angenommen. Ausgangspunkt: CO2 und Aerosole Während der Pandemie waren CO2-Messgeräte ein Indikator für Innenraumluft: Hohe CO2-Werte deuteten auf wenig Luftaustausch hin und damit auf ein erhöhtes Risiko für virushaltige Aerosole. Im Paper wird nun untersucht, wie die CO2-Konzentration selbst die Verbreitung von Viren beeinflusst. Die Rolle der Aerosol-pH-Dynamik Aerosole sind kleine Tröpfchen, die beim Atmen ausgestoßen werden. Diese enthalten Bicarbonat-Ionen (HCO3-), die mit Wasserstoffionen reagieren und sich in CO2 und Wasser umwandeln. Durch diese chemische Reaktion steigt der pH-Wert der

56 min
Dec 9, 2024Episode 127
DK127 - Der Weltklimarat braucht ein Update!

Und: Wie kann man die Arbeit an den IPCC-Berichten einfacher und angenehmer machen? DK127 - Der Weltklimarat braucht ein Update! Und: Wie kann man die Arbeit an den IPCC-Berichten einfacher und angenehmer machen? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 127 geht es für uns back to the roots. Wir beschäftigen uns wieder mit dem Sachstandsbericht des IPCC. Wir lesen das Ding aber nicht nochmal, keine Sorge. Aber wir besprechen, was man beim kommenden Sachstandsbericht besser machen könnte, damit es alle Beteiligten ein wenig leichter haben UND der Bericht am Ende auch besser wird. Dazu gibt es einen Erfahrungsbericht beteiligter Forschenden und den stellt Claudia diesmal vor. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Der Weltklimarat braucht ein Update Das IPCC ist per Definition eine enorm große, komplexe und träge Einrichtung. Immerhin müssen hier die Regierungen von 195 Ländern mit der globalen Klimaforschung zusammenarbeiten und das auch noch kooperativ. Das ist nicht leicht, da kommt es zwangsläufig zu Problemen. Einige dieser Schwierigkeiten sind im paper “Back to basics for the IPCC: applying lessons from AR6 to the Seventh Assessment Cycle” zusammengefasst und das hat Claudia sich für diese Folge genauer angesehen. Es geht um die Erfahrungen der Mitglieder der IPCC-Arbeitsgruppen und die Verbesserungsvorschläge die aus dieser Mitarbeit erwachsen sind. Im Paper wird aufgezeigt, dass trotz der enormen Komplexität und des hohen Drucks, dem die IPCC-Autor:innen ausgesetzt sind, viele Möglichkeiten bestehen, die Kooperation und Effizienz innerhalb der Gruppen zu steigern. Ein zentraler Aspekt der Episode ist die Notwendigkeit, die Repräsentation innerhalb der IPCC zu verbessern. Es ist auch für die Qualität der Forschung enorm wichtig, dass alle relevant vertreten sind, um legitime Schlussfolgerungen zu ziehen. Dies umfasst die Herausforderungen der Diversität und die Notwendigkeit, auch Stimmen aus dem globalen Süden und unterrepräsentierte Gruppen zu integrieren. Wir reden auch über das Thema Wissensmanagement und die Bedeutung eines strukturierten Austauschs von Informationen und Erfahrungen, um den Verlust an Know-how zwischen den Arbeitszyklen zu minimieren.Das heißt, es ist wichtig, dass neue Mitglieder der IPCC gut eingearbeitet werden, um die Kontinuität und Qualität der Berichterstattung zu gewährleisten. Die Arbeit gibt auch eine Reihe konkreter Empfehlungen zur Verbesserung der Prozesse innerhalb des IPCC, da

47 min
Nov 25, 2024Episode 126
DK126 - Overshoot ist gefährlich!

Und: Warum können wir es nicht einfach kurz mal locker angehen beim Klimaschutz? DK126 - Overshoot ist gefährlich! Und: Warum können wir es nicht einfach kurz mal locker angehen beim Klimaschutz? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 126 widmen wir uns dem Overshoot. So nennt man die Strategie, ein Klimaziel zwischenzeitlich zu verfehlen, aber mit der Absicht es am Ende doch einzuhalten. Also zum Beispiel zu riskieren, dass die globale Temperaturerhöhung um mehr als 2 Grad ansteigt, solange sie Ende des Jahrhunderts wieder darunter liegt. Warum das aber alles andere als eine gute Idee ist, diskutieren wir in dieser Folge. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Winzer und wEBtalk Wir blicken zuerst kurz zurück auf die letzte Folge, zu der wir interessante Mail von Winzern bekommen haben. Und dann erwähnen wir noch den Talk, den Claudia gemeinsam mit Helmut Jungwirth von der Uni Graz über Wissenschaftskommunikation gehalten hat. Kann und soll man sich gerne hier auf YouTube ansehen. COP 29 und immer noch kein Erfolg Wir schauen kurz zur Klimakonferenz in Baku (COP29), die vom 11. bis 22. November 2024 stattgefunden hat. Florian beschreibt, wie führende Wissenschaftler und Organisationen, einschließlich Johann Rockström und Ban Ki-moon, einen offenen Brief an die UN gerichtet haben, in dem sie die gegenwärtige Struktur der Klimakonferenzen als ineffektiv bezeichnen. Auch nicht hilfreich: Die problematischen Aussagen des dortigen Präsidenten, die den Ernst der Klimakrise infrage stellen. Vor gut 10 Jahren war alles noch optimistischer. Die UN-Klimakonferenz 2015 in Paris war ein Meilenstein: Erstmals einigten sich Staaten weltweit darauf, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 °C, idealerweise auf 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau (1850–1900), zu begrenzen. Dieses Ziel sollte durch nationale Klimaschutzpläne, internationale Zusammenarbeit und ambitionierte Maßnahmen erreicht werden. Doch knapp ein Jahrzehnt später ist die Bilanz ernüchternd: Länder halten ihre Klimapläne nicht ein, 2024 wird das bisher wärmste Jahr der Messgeschichte mit Rekoremissionen und es wird <a href="https://www.derstandard.at/story/3000000243806/2024-wird-so-gut-wie-sicher-

47 min
Nov 11, 2024Episode 125
DK125 - Verhagelt: Von Graupelgewitter und Hagelstürmen in der Klimakrise

Und: Warum ist Hagel so schwer zu simulieren? DK125 - Verhagelt: Von Graupelgewitter und Hagelstürmen in der Klimakrise Und: Warum ist Hagel so schwer zu simulieren? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 125 wird es verhagelt. Claudia hat sich die Wissenschaft von Hagel, Graupel und anderem festen Niederschlag angesehen. Das Zeug ist jetzt schon ärgerlich bis katastrophal und es wäre gut zu wissen, wie sich die Situation mit fortschreitender Klimakrise verändern wird. Spoiler: Es wird nicht besser werden. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Was ist eigentlich Hagel? Fester Niederschlag (also Eis) heißt Hagel, wenn die Brocken größer als 5 Millimeter sind. Darunter lautet der wissenschaftliche Fachbegriff (tatsächlich!) “Graupel”. Außerdem gibt es noch Eisregen und gefrierenden Regen, aber der interessiert uns heute nicht so sehr. Hagel ist durchaus relevant, er kann unsere Landwirtschaft schädigen, Gebäude und Autos zerstören und durchaus auch uns ganz persönlich treffen (buchstäblich). Hagel in der Klimakrise Damit Hagel entstehen kann, braucht es entsprechende Wolkensysteme, mit den passenden Temperaturen, der passenden Luftschichtung und passende Kondensationskerne. Diese Bedingungen verändern sich durch die Klimakrise, vor allem die Feuchtigkeit in den unteren Luftschichten und die Höhe der Luftschicht, in der Hagel schmelzen kann. Trotzdem ist das alles schwer zu simulieren, weil Hagel ein sehr kleinteiliges meteorologisches System ist. Wir wissen bisher (“The effects of climate change on hailstorms”): Die Wahrscheinlichkeit für Hagel wird steigen, es wird mehr Hagelstürme in Australien und Europa geben, weniger in Ostasien/Nordamerika. Eine neue, sehr genaue Simulation (“Hailstone size dichotomy in a warming climate”) hat sich das jetzt im Detail angesehen. Resultat: Die großen Hagelkörner werden mehr, es wird bis zu 200% mehr größeren Hagel geben, dafür aber weniger kleinere Hagelkörner. Auch der Graupel spielt aber eine Rolle. Er ist nicht so gefährlich, ist aber relevant bei der Entstehung von Blitzen. Und auch hier gibt es eine neuen Arbeit - “Significant increase in graupel and lightning occurrence in a warmer climate simulated by prognostic graupel parameterization” - die zeigt, dass dadurch die Blitzrate um 7 Prozent mehr steigen

52 min
Oct 28, 2024Episode 124
DK124 - Ein persönlicher und wissenschaftlicher Blick auf das Hochwasser

Und: Wann merken wir, dass es uns selbst betrifft? DK124 - Ein persönlicher und wissenschaftlicher Blick auf das Hochwasser Und: Wann merken wir, dass es uns selbst betrifft? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 124 erzählt Florian vom Hochwasser, das im September 2024 Mitteleuropa getroffen hat. Florian wohnt selbst mitten im Zentrum des damaligen Krisengebietes und berichtet einerseits aus persönlicher Sicht davon, diskutiert mit Claudia andererseits aber auch die wissenschaftliche Einschätzung des Ereignis. Fazit: Das war erst der Anfang… Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Das Hochwasser vom September 2024 Von 13. bis 17. September 2024 hat es in großen Teilen von Mitteleuropa geregnet. Es gab ein Hochwasser, dass in vor allem in Niederösterreich extrem war. Von 12. bis 16. September ist in Niederösterreich mehr Wasser vom Himmel gefallen als in der Vergangenheit bei ähnlichen Ereignissen. In Wien gab es ein 1000jährliches Hochwasser und Menschen musste evakuiert werden. Ganz Niederösterreich wurde zum Katastrophengebiet erklärt. In St. Pölten fielen 420 Liter Regen pro Quadratmeter innerhalb weniger Tage. 5 Menschen sind in Österreich gestorben, und viel mehr haben ihre Wohnungen und Häuser verloren. Das alles kam nicht aus dem Nichts. Wir haben in früheren Folgen schon berichtet, was der IPCC-Report zu diesem Thema zu sagen hat (DK018, DK024, DK025). Und auch in Folge 26 haben wir über die Zukunft des Wassers gesprochen und da lohnt sich ein Blick auf Abbildung 12.9 die deutlich zeigt, dass mit solchen Hochwassern zu rechnen ist. Dass das Hochwasser vom September 24 mit der Klimakrise zusammenhängt, zeigen einerseits die Attributionsanalysen von ClimaMeter, andererseits auch die <a href="https://www.worldweatherattribution.org/climate-change-and-high-exposure-increased-costs-and-disruption-to-lives-and-livelihoods-from-flooding-as

1 hr 5 min
Oct 14, 2024Episode 123
DK123 - Vom Skiprofi zum Klimaaktivisten

Und: Wozu braucht man ein Krisenbier? DK123 - Vom Skiprofi zum Klimaaktivisten Und: Wozu braucht man ein Krisenbier? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 123 machen Claudia und Florian nochmal kurz Pause. Deswegen gibt es stattdessen einen Mitschnitt einer Benefizveranstaltung vom Juni 2024, bei der die Science Busters gemeinsam mit Menschen aus Wissenschaft, Kunst und Aktivismus ein wenig Geld für die Unterstützung der “Letzten Generation” gesammelt haben. Florian erzählt dort, wie man mit Bier das Klima besser verstehen kann, Peter Iwaniewicz spricht von Tieren und der Ex-Skifprofi Julian Schütter darüber, wie er durch die Klimakrise zum Ex-Skiprofi wurde. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Klimabenefizmitschnitt Der Benefizabend für den Klimaaktivismus fand am 17. Februar 2004 in der “Kulisse Wien” statt. Im Mitschnitt zu hören sind Moderator Martin Puntigam von den Science Busters gemeinsam mit Florian, der Biologe und Journalist Peter Iwaniewicz und und der ehemalige Profi-Skifahrer Julian Schütter, der mittlerweile Klimaaktivist geworden ist. Wer auch unterstützen will, kann das hier tun. Hinweis zur Werbung und Unterstützung Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal. Kontakt und weitere Projekte Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an [email protected]. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm. Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: https://sternengeschichten.podigee.io/ oder bei Spotify - und überall sonst wo es Podcasts gibt. Außerdem ist er auch noch reg

46 min
Sep 30, 2024Episode 122
DK122 - Wie gefährlich kann eine Sturzflut werden?

Und: Wie bastelt man einen Sturzflutindex? DK122 - Wie gefährlich kann eine Sturzflut werden? Und: Wie bastelt man einen Sturzflutindex? "Das Klima”, der Podcast zur Wissenschaft hinter der Krise. Wir lasen den sechsten Bericht des Weltklimarats und erklären den aktuellen Stand der Klimaforschung. In Folge 122 geht es um Sturzfluten. Das ist was anders als Hochwasser, aber nicht weniger gefährlich. Was das genau ist, wie gefährlich eine Sturzflut werden kann und wie man ein vernünftiges Warnsystem aufbaut, erklärt Claudia in dieser Folge. Wer den Podcast unterstützen will, kann das gerne tun: https://steadyhq.com/de/dasklima/ und https://www.paypal.me/florianfreistetter. Der Sturzflutindex Eine Sturzflut ist ein “wild abfließender Oberflächenabfluss”. Anders gesagt: Wenn zB durch starken Regen mehr Wasser vom Himmel fällt, als im Boden versickern kann, dann muss es anderswo hin. Und wenn zu viel Wasser zu schnell dort lang fließt, wo es nicht soll, dann ist das eine Sturzflut. Um das etwas genauer zu definieren, arbeitet man einem “Sturzflutindex” (“Konzeption, Ermittlung und Anwendungsmöglichkeiten des Sturzflutindexes (SFI)”). Das Ganze ist Teil des AVOSS-Projekts und wie das schematisch aussieht, zeigen diese beiden Abbildungen aus dem Arbeitspapier zum SFI: Ob wir in Zukunft SFI-Karten im Wetterbericht sehen werden, wird sich zeigen. Sturzfluten wird man aber auf jeden Fall ernst nehmen müssen, denn die werden nicht weniger werden… Hinweis zur Werbung und Unterstützung Ein kleiner Hinweis: In “Das Klima” gibt es keine Werbung. Wenn ihr Werbung hört, dann liegt das nicht an uns; dann hat jemand unerlaubt und ohne unser Wissen den Podcast-Feed kopiert und Werbung eingefügt. Wir machen keine Werbung - aber man kann uns gerne was spenden, geht auch bei PayPal. Kontakt und weitere Projekte Wenn ihr Fragen oder Feedback habt, dann schickt uns einfach eine Email an [email protected]. Alle Folgen und alle Shownotes findet ihr unter https://dasklima.fm. Florian könnt ihr in seinem Podcast “Sternengeschichten” zuhören, zum Beispiel hier: <a hr

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